Abgerissenes Südstadt-Haus: Wer war Karl?

2.2.2020, 10:00 Uhr
Dieter Sendner vor den Resten des Geburtshauses seines Großonkels Karl.

Dieter Sendner vor den Resten des Geburtshauses seines Großonkels Karl. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Treffpunkt Ludwigstraße 24: Wo seit mehr als 150 Jahren ein klassizistisches Wohnhaus aus Sandstein stand, sieht man jetzt nur noch eine Schutthalde aus Steinbrocken. "Karls Geburtshaus" und damit eines der ersten Häuser der Südstadt ist ein für allemal Geschichte.

Dieter Sendner, der gewissermaßen posthum noch ein Geschichtchen anfügen kann, bleibt beim Blick auf die Trümmer sachlich: Der Abriss des historischen Hauses tue ihm leid, das schon, andererseits brauche Fürth ja auch Wohnraum. Wie berichtet, stand das Haus nicht unter Denkmalschutz. Im Landesamt für Denkmalpflege hielt man es dessen nicht für würdig, weil es in den 70er Jahren Innenumbauten gegeben hatte.

Der Eigentümer, die Schultheiss Wohnbau AG mit Sitz in Nürnberg, durfte somit abreißen. Daran hindern konnten sie weder die Bitten der Stadtheimatpfleger und der Stadt noch der öffentliche Protest oder jener Eilbrief aus dem Rathaus, der die Verantwortlichen im Landesamt für Denkmalpflege dazu bewegen sollte, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken.

"Karls Geburtshaus" – den Namen hatten ihm die Heimatpfleger verliehen, weil diese beiden Worte auf der Rückseite eines historischen Fotos aus dem Fundus der Fürther Geschichtswerkstatt standen. Die Aufnahme zeigt acht Menschen, die sich vor dem Gebäude zum Gruppenbild aufgestellt hatten. Der Mann in Lederhosen und weißem Hemd, sagt Dieter Sendner, das ist Karl. Karl Trost, der Bruder seines Großvaters Albert Trost.

„Karls Geburtshaus“ um das Jahr 1920: Im Hof vor dem Gebäude stellen sich die damaligen Bewohner zum Gruppenbild auf.

„Karls Geburtshaus“ um das Jahr 1920: Im Hof vor dem Gebäude stellen sich die damaligen Bewohner zum Gruppenbild auf. © Quelle: Fürther Geschichtswerkstatt (Lothar Berthold)

Dieter Sendner, 80 Jahre alt, kann nicht jede Person auf dem Bild mit letzter Sicherheit identifizieren. Aber er weiß, dass außer seinem "Onkel Karl", 1904 geboren, auch dessen Frau Babette, eine geborene Prell, seine Großmutter Grete Trost und seine Mutter Martha Sendner, geborene Trost, zu sehen sind. Weil seine Mutter, auf dem Foto eine junge Frau, erst 1920 zur Welt kam, ist Sendner auch sicher, dass das Foto nicht, wie es hieß, um 1920 entstanden sein kann. "Ich denke, die Aufnahme stammt aus den 30er Jahren."

Dieter Sendner erinnert sich, dass er seinen Großonkel in der Nachkriegszeit, als etwa zehnjähriger Bub, zusammen mit seinen Großeltern in der Ludwigstraße besucht hat. Er sieht es noch vor sich, das Haus "hinter Bäumen und Büschen, aweng abseits von der Straß’", die Familie saß hinten im Garten zusammen.

Über seinen "Onkel Karl" sagt Dieter Sendner: "Er war ein sehr unterhaltsamer Mensch, einer, der einen Haufen Geschichten wusste, der gern erzählt hat, und ich hab’ ihm gern zugehört." Karl Trost, ein Mann mit vier Geschwistern, war Straßenbahnschaffner und Straßenbahnfahrer, "ein Auto hatte er nie".

Die Trosts und die Prells haben nach Darstellung ihres Nachfahren in der Ludwigstraße 24 gewohnt, das Haus aber nie besessen. Das Foto, das seine Angehörigen vor einem der ersten Häuser der Südstadt zeigt, stammt aus dem Nachlass seines Großvaters. Dieter Sendner hat es Lothar Berthold von der Fürther Geschichtswerkstatt überlassen.

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