Sonntag, 08.12.2019

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Aktion: Fürther Händler trotzen der Online-Konkurrenz

Geschäftsleute machen auf die Vorzüge von Läden vor Ort aufmerksam - 30.11.2018 11:28 Uhr

Mit abgeklebten Schaufenstern, wie hier in der Gustavstraße, warnten Rita Erhardt (li.) und andere Geschäftsleute vor der immer stärkeren Dominanz des Online-Handels. © Leberzammer


Leerstände, Tristesse und zugeklebte Schaufenster, hinter denen nur verstaubte Stellflächen zu sehen sind: In vielen Innenstädten ist dies zum Teil schon traurige Realität. In Fürth noch nicht, hier waren die verhängten Fenster gestern lediglich Teil der Kampagne unter dem Motto: "Ohne Sie stirbt der Fachhandel."

"Wir wollen die Leute wachrütteln und zum Nachdenken bringen", erklärt Rita Erhardt, "weil die Stadt ohne den Einzelhandel sonst bald immer so aussehen könnte." Auch Erhardt hat die Fenster ihres Dessous-Geschäfts "Mona Lisa" in der Gustavstraße mit braunen Packpapierbahnen zugeklebt – so wie 33 weitere Läden, die sich an der Aktion beteiligten. "Es wollten noch einige mehr mitmachen, aber unsere Idee haben wir recht kurzfristig umgesetzt", sagt Erhardt.

Man wolle kein Mitleid

Mitinitiiert hat den Aktionstag Markus Kallweit, der in der Marienstraße das Geschäft "Deinheim - Wohnen & Wein" betreibt. Ihm ist wichtig zu betonen, dass die Einzelhändler damit keineswegs Mitleid erregen wollen: "Der Slogan funktioniert von zwei Seiten, von den Händlern und den Kunden aus betrachtet." Schließlich belebe ein gesunder Branchenmix mit inhabergeführten Geschäften eine Stadt.

Und es hänge ein "richtiger Rattenschwanz" daran, denn wenn immer mehr Geschäfte aufgeben, leide auch die Gastronomie – eine Spirale nach unten wird in Gang gesetzt. Außerdem gebe es im Internet zwar praktisch alles, doch Beratung, Persönlichkeit oder gar Prosecco oder Glühwein zum Bummel – das werde man dort nicht finden. "Wir wollen die Leute hier vor Ort erreichen und verführen", so Kallweit. "Das ist doch das Wichtigste im Einzelhandel."

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Für Fürths Innenstadtbeauftragte Karin Hackbarth-Herrmann erfüllen Handel und Gewerbe darüber hinaus eine wichtige soziale Funktion: Sie böten den Bürgern einen Ort des Austauschs und der Begegnung. "Man könnte natürlich auch Wohnungen daraus machen, und die wären ruckzuck vermietet", weiß Hackbarth-Herrmann. Doch ein derartiges Szenario könne sich niemand wünschen.

Rückläufige Verkaufsfläche

In den vergangenen zehn Jahren habe der Fürther Innenstadthandel bereits fast ein Zehntel seiner Verkaufsfläche verloren, rechnet Hackbarth-Hermann vor. Verfügte er 2007 noch über 54.000 Quadratmeter, so waren es 2017 nur noch knapp über 50.000. Insgesamt habe man im Stadtgebiet dagegen einen Zuwachs von etwa 45.000 Quadratmetern registriert, aber vor allem die großen Möbelhäuser am Stadtrand sorgten dafür.

Hackbarth-Herrmann begrüßt die Aktion der Innenstadt-Geschäfte deshalb: "Wir haben die letzten Wochen genug von Black Friday bis Cyber Monday gehört. Es ist gut, dass die Innenstadthändler jetzt auf sich und ihre Stärken aufmerksam machen."

Armin Leberzammer

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