Sonntag, 29.03.2020

|

All together!

Die Kammeroper München bezaubert im Stadttheater Fürth mit Haydns "Die Welt auf dem Mond". - 29.01.2020 18:00 Uhr

Quirliges Verwirrspiel: Das Ensemble der Kammeroper München überzeugte bei seinem Gastspiel im Stadttheater ausnahmslos. © Foto: Kammeroper München


  Auf den Mond schießen müsste man diesen Sturkopf! Graf Ernst Olaf und Eccliticus machen den Töchtern des so überbesorgten wie starrsinnigen Herrn von Gutglauben den Hof – vergeblich. Da überlegen sie sich eine List: Den alten Hobby-Sterngucker lässt Eccliticus durch ein Fernrohr schauen, das ein paradiesisches Leben auf dem Mond zu versprechen scheint. Als ihn gar der (ebenfalls frei erfundene) Mond-Kaiser zum Besuch einlädt, reist auch Gutglauben mit; ein Zaubertrank soll Verdunstung bewirken und die Reisenden auf diese Weise schwerelos ins All gleiten lassen. So wähnt sich der betäubte Griesgram im "lunarisierten" Garten – und stimmt dem ausdrücklichen Willen des Mond-Kaisers zu, die Liebespaare zu vermählen. Hinters Mond-Licht geführt.

Es ist Markenzeichen der Kammeroper München, bunt bewegte Stoffe zu kostbaren Miniaturen zu formen. Dominik Wilgenbus, in Fürth 2018 als Regisseur der Glanert-Oper "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" überregional beachtet, hat Goldonis Text kongenial ins Deutsche übersetzt und den feinen Witz herausgekehrt. Auch ohne Übertitel ist das bestens zu verfolgen. Unter den sieben Protagonisten entwickelte sich ein quirliges Verwirrspiel, dessen Wendungen und Pointen das Publikum im Stadttheater prima unterhalten.

Peter Engels Bühne ist knapp möbliert: Ein großer metallischer Ring, in die Schräge gekippt und mit Requisiten bestückt, lässt sphärisches Raumgefühl entstehen. Herrlich ist das Schlussbild, dessen fahles Mondlicht alle und alles in einen Traum von blauem Firmament taucht.

Ein Streichquintett und drei Holzbläser, Gitarre und Akkordeon auf halbhohem Orchesterpodium: Sebastian Beckedorf leitete seine Musiker in wunderbar süffige Klangwelten, in die sich kühl-außerirdische Celesta-Harmonien vortrefflich einmischten. Oliver Weidinger füllt die Rolle des mondsüchtigen Fernrohrspähers perfekt aus, weckt Sympathie als besorgter Vater wie lunarer Neubürger, den die Vorzüge des Gestirns immer jünger werden lassen.

Ebenso stark der scharfzüngige Eccliticus von Stefan Hahn, der diabolisch mit den Anziehungskräften der Erd- und Himmelskörper spielt. Thomas Lichtenecker, Virgil Mischok, Friederike Mauß, Polly Ott und Vanessa Fasoli geben ihren Rollen große individuelle Ausstrahlung. Insbesondere die Tableaux am Ende jedes der drei Akte gelingen stimmlich herausragend. Eine begeisternde Mondlandung auf Fürths Bühnenbrettern.

MICHAEL VIETH

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth