Samstag, 20.04.2019

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Alte Fürther Bausubstanz erfordert viel Zuwendung

Einige Gebäude warten schon lange auf Sanierung - 06.12.2016 06:00 Uhr

Seine besten Tag hat das Zink-Haus in der Königstraße 109 längst hinter sich. Gegenüber dem schmucken Stadttheater macht es derzeit einen erbärmlichen Eindruck. © Hans-Joachim Winckler


Die Kommune plant, wie berichtet, die Königstraße zwischen Rathaus und Schickedanzstraße neu zu gestalten. Der Verkehr soll besser geordnet werden, was insbesondere Fußgängern und Radlern entgegenkommt, die mehr Bewegungsfreiheit bekommen. Daneben will die Stadt die trostlosen Plätze vor der alten Feuerwache und dem Amtsgericht in großzügige urbane Aufenthaltsbereiche verwandeln.

Ein ehrgeiziges Vorhaben, das allerdings noch mit etlichen Schönheitsfehlern behaftet ist. Denn nicht alle Fassaden der Baudenkmäler in diesem Straßenabschnitt können sich sehen lassen. In einem erbärmlichen Zustand ist beispielsweise die Königstraße 109, auf die der Blick des Theaterpublikums in den Pausen fällt. Zerfetzte Plastikfolie zeugt vom Bemühen, die historischen Fledermausgauben des Satteldachs notdürftig abzudichten.

Kein Leben rührt sich mehr hinter der heruntergekommenen Fassade mit ihren trostlos leeren Fenstern. Schon lange hat die Sattlerei- und Tapezierfirma Zink ihren Betrieb eingestellt. Einen Teil ihrer alten Gerätschaften kann man im Stadtmuseum bestaunen. Zuletzt waren in den Schaufenstern noch Gemälde des 2006 im Alter von 78 Jahren verstorbenen Geschäftsinhabers Günther Zink ausgestellt, der sich auch als freischaffender Künstler betätigt hatte.

Alarm geschlagen

2014 schon schlug der damalige Stadtheimatpfleger Alexander Mayer Alarm, um den Verfall des verwaisten Zink-Hauses zu verhindern. Geschehen ist außer provisorischen Maßnahmen zur Gebäudesicherung jedoch nichts. Auch Lothar Berthold, jetzt stellvertretender Stadtheimatpfleger, berichtet vom jahrelangen erfolglosen Bemühen um das Baudenkmal. Nachdem Passanten aufgefallen sei, dass historische Holzteile entfernt wurden, habe er die sogenannte Untere Denkmalschutzbehörde im städtischen Bauamt verständigt.

Das Gebäude, zu dem ein Hinterhaus in Backsteinbauweise aus dem 19. Jahrhundert gehört, wurde laut dem Fürther Denkmalverzeichnis von Heinrich Habel wie die benachbarte ehemalige Theatergaststätte, jetzt „Andalusischer Hund“, bereits im Jahre 1767 errichtet. Bauherr war der Goldschmied Simon Gröber. Nach einem Brand 1840 verpasste ihm Maurermeister Johann Michael Zink als neuer Eigentümer seine jetzige Gestalt mit der spätklassizistischen Fassade. Zink zeichnete auch für die ebenfalls veränderte Gestalt des Nachbarhauses verantwortlich – hier allerdings nur im Auftrag.

Der Leiter des Stadtplanungsamtes, Dietmar Most, bescheinigt der Königstraße 109 auf Nachfrage der Fürther Nachrichten ein „großes Entwicklungspotenzial“. Seine Mitarbeiter von der Denkmalbehörde seien im Gespräch mit dem neuen Eigentümern hinsichtlich möglicher Umbauten für eine neue Nutzung. Bertholds Einschätzung nach eignet sich das historische Ensemble mit seiner Lage am Pegnitztalrand hervorragend als Wohnadresse. Die Stadt will im Zuge der Umgestaltung der Königstraße auch den Fußgänger- und Radfahrer-Überweg zwischen Stadttheater und Wiesengrund großzügig ausbauen.

Während der Zahn der Zeit noch immer ungehindert am Zink-Haus nagt, präsentiert sich ein prominentes Exemplar der Prachtbauten aus der Gründerzeit wie neu geboren. An der Ecke Königswarter- und Luisenstraße ist das 1893 vom Brauereibesitzer, Zimmermeister und Bauunternehmer Wilhelm Evora errichtete Wohnhaus sorgfältig aufgemöbelt worden. Die letzte Renovierung liegt bereits 36 Jahre zurück. Durch unsachgemäße Imprägnierung hatte die Sandsteinfassade gelitten. Aber auch Taubenkot, der sich unter den Sitzplätzen der Vögel bis zu zehn Zentimeter hoch aufgehäuft hatte, sorgte für Ärger.

)Aufwändig erneuert wurden neben Sandsteinen auch Holzteile, das Ecktürmchen, Balkongeländer und Ziergitter. Mit rund 200 000 Euro schlug das Unternehmen zu Buche. Die Kosten teilen sich die zehn Wohnungseigentümer. Damit die Tauben nicht mehr landen können, wurden Netze vor die Balkone gespannt und Drahtbarrieren auf die Simse montiert.

Nicht nur äußerlich ist das Evorahaus jetzt wieder ein Hingucker, auch seine Inneneinrichtung mit der prächtigen Durchfahrt, der Steintreppe mit spiraligem Eisengeländer, den Stuckdecken und der Ornamentmalerei kann sich sehen lassen. Bei Stadtführungen ist das reich gegliederte Gebäude im Neubarockstil nicht ohne Grund eine beliebte Anlaufstelle.

Übrigens stehen auch die Königswarterstraße und die parallele Hornschuchpromenade auf der kommunalen Agenda für eine groß angelegte Straßenraumerneuerung. 

Volker Dittmar

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