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Montag, 30.03.2020

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Altstadtbewohner wehren sich

Fürther kämpfen gegen den Lärm bei Festivitäten - 21.03.2011

Für die einen Grund zur Freude, für die anderen eine Belastung: Lautstarke Musik, wie hier beim Fürth-Festival auf dem Grünen Markt, geht Anwohnern des Altstadtviertels zunehmend auf die Nerven. © Hans-Joachim Winckler


„Die Anwohner hatten bislang kein geeignetes Sprachrohr, um sich bei der Stadt beziehungsweise den Wirten Gehör zu verschaffen.“ So erklären zwei der Initiatoren, Marcel Schwalme und Matthias Bauer, warum man sich nun unter dem Dach des Altstadtvereins zusammengeschlossen hat.

Das vorrangige Ziel lautet: mehr Nachtruhe. In den vergangen Jahren habe sich in der Altstadt, speziell in der Gustavstraße, viel verändert, sagt Schwalme. Etliche Gebäude seien saniert worden, viele neue Bewohner, aber auch Einzelhändler haben hier ein neues Zuhause gefunden. Daher sei es nicht mehr zeitgemäß, dass die Interessen der Wirte über allem anderen stehen. „Wohnen, Einzelhandel und Gastronomie müssen gleichberechtigt sein“, fordert Schwalme, der selbst erst seit 2008 in der Gustavstraße wohnt.

Matthias Bauer hingegen lebt hier schon weitaus länger. Und deshalb gehen ihm Sprüche nach dem Motto „Wärst halt net hierhergezogen, wenn’s dir net passt“ ziemlich auf die Nerven. Als er sich 1991 entschloss, in der Gustavstraße ein Haus zu sanieren, gab es dort nach seinen Worten neun Kneipen weniger als heute — und mit den Grafflmärkten lediglich zwei Großveranstaltungen pro Jahr.

Inzwischen sind das Fürth-Festival, das Weinfest und das Stadtfest hinzugekommen – jeweils mit Live-Musik. Die Sperrzeiten sind gefallen, was es Kneipen theoretisch ermöglicht, bis fünf Uhr morgens zu öffnen. In Verbindung mit dem Rauchverbot sei das geradezu verheerend, so Bauer, weil nun auch um zwei Uhr nachts noch Raucher vor der Tür stünden.

Eine weitere Veränderung der letzten Jahre: Laut einem Stadtratsbeschluss dürfen die Gäste schon ab Mitte Mai und bis Mitte September ihr Bier im Freien genießen, und das wochentags bis 23.30 Uhr und am Wochenende bis 24 Uhr. Alles in allem habe man damit die Geduld der Anwohner überstrapaziert.

Nach den Worten von Schwalme und Bauer hat die Stadt bislang sämtliche Wünsche der Gastronomen bedenkenlos erfüllt. Die Nachbarn hätten die meisten Änderungen erst „in der Praxis“ erfahren. Mit der neuen Interessengemeinschaft soll das anders werden. „Wir wollen darauf hinarbeiten, in das Verfahren einbezogen zu werden“, sagt Bauer.

Weitere Kritikpunkte: Bislang haben er und Schwalme das Gefühl, dass man in der Altstadt machen könne, was man wolle, da die Stadt keinen Rahmen vorgebe bezüglich Uhrzeiten, Grenzwerte für Lärmemmission oder Stellflächen bei Straßenfesten. Auch hier müsse sich etwas ändern.

Trotz aller Kritik betonen beide, dass sie die Gustavstraße „keinesfalls totberuhigen“ wollen. Ihr Ziel sei „ein friedliches Miteinander“ mit der Gastronomie, „um an einem großen Tisch eine außergerichtliche Lösung zu finden“.

Auch von der „Gegenseite“ kommen positive Signale. Bernd Hausner, Wirt der „Bar“ in der Gustavstraße, erinnert daran, dass die Wirte bereits beschlossen haben, beispielsweise beim Fürth-Festival abends früher Schluss zu machen mit der Live-Musik. Zudem werde man darauf achten, dass die Schaufenster der Einzelhändler bei den Festen nicht zugestellt werden. „Wir tun unser Möglichstes, um wieder Frieden in die Straße reinzubringen“, sagt Hausner.

Die neue Interessengemeinschaft „Wohnqualität Altstadt“ wird erstmals am kommenden Donnerstag größer in Erscheinung treten. Im Rahmen der Hauptversammlung des Altstadtvereins will sie über Ziele und das bisher Erreichte berichten. Vertreter der Stadtratsfraktionen sind ebenso geladen wie die Wirte. 

 

JOHANNES ALLES

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