Altstadtzwist: Abschied von der „Schindel“

30.8.2011, 16:00 Uhr

"Wie ein zweites Zuhause": Stammgäste sagen, dass die Schindelgasse 13 anders als andere Kneipen war. © Gerd Axmann

Das Fachwerkhaus in der Schindelgasse 13 hat schon viele verschiedene Zeiten mitgemacht. Als sich Klaus Mau (46) und Dietmar Elster (45) 2008 entschieden, das denkmalgeschützte Haus zu kaufen, sah man ihm an, dass die Jahre zuvor nicht rosig gewesen sein konnten: „Das Haus war komplett heruntergekommen“, erinnert sich Mau.

Er und Elster kannten die Geschichten über das Publikum, das „die Schindel“ zuletzt aufgesucht hatte. „Jugendliche Schlägertypen“, sagt Mau, der eine ganz andere Kneipe wollte: Freundschaftlich, familiär und friedlich sollte es zugehen.

Mau und Elster brachten das alte Haus einen Sommer lang auf Vordermann, sie fanden Mieter für die Wohnungen in den oberen Stockwerken und freuten sich über die ersten Gäste. Mau hatte mit der Quelle-Pleite gerade seine Arbeit verloren, doch das schien nur noch halb so schlimm zu sein.

Drei Jahre später haben Mau und Elster noch einmal alle Stammgäste eingeladen. Am Samstag wurde das letzte Bier gezapft, seit Sonntagabend bleibt „die Schindel“ zu. Ein halbes Jahr lang wollen Mau und Elster die Kneipe ruhen lassen. Und dann? „Vielleicht bauen wir die Wirtschaft zu einer Wohnung um“, sagt Mau. Er scheint ein wenig ungläubig, dass der Traum zu Ende sein soll.

Die Gründe sind vielfältig. Die Vorgeschichte der Kneipe spielt eine Rolle: Wegen des Ärgers, den es in der schmalen Gasse vor Jahren so oft gab, galten für den Biergarten eingeschränkte Freischankzeiten. Immer wieder baten die neuen Inhaber das Ordnungsamt, die Sonderregelung aufzuheben: „Wir haben mit der Konkurrenz nicht mithalten können, im Sommer laufen uns die Gäste davon.“ Längere Ausschankzeiten aber, dafür stehen freilich gerade jetzt die Karten schlecht, wo die Stadt um einen Kompromiss zwischen Anwohnern und Wirten bemüht ist.

Leise Musik, geschlossene Fenster

Die Musik in der Kneipe musste leise sein, sagt Mau, die Fenster ab 22 Uhr geschlossen. Und dennoch gab es zuletzt einzelne Nachbarn, die sich gestört fühlten. Im Ordnungsamt gelten die beiden Betreiber indes als „zuverlässig“, auf Nachfrage der FN sagt Leiter Hans-Peter Kürzdörfer: „Ich würde es nicht gut finden, wenn die aufhören, die haben den Laden ordentlich geführt, das war nicht immer so.“ Aber er verstehe auch die Anwohner: „Die Schindelgasse ist recht schmal, wenn da nachts ein paar Raucher stehen, kriegt das jeder mit.“

Das Ruhebedürfnis der Anwohner — natürlich ist es am letzten Abend Thema unter den Stammgästen der Schindelgasse, die ihr liebgewonnenes Lokal verlieren. „Seit die beiden es übernommen haben, hat es sich doch gut entwickelt“, sagt Harald Kircher und erzählt, dass er schon vor 30 Jahren zum Dart-Spielen hierher kam. Er habe Verständnis für die Anwohner, doch hatte er den Eindruck, dass das Zusammenleben bis vor einiger Zeit in der Schindelgasse wieder ganz gut klappte. „Es mutet seltsam an, wenn die Kritik dann von Leuten kommt, die erst vor kurzem hergezogen sind“, sagt Klaus Tiefel, der mit am Tisch sitzt. Das Flair der Altstadt gehe so verloren.

Auslöser für die Entscheidung, die Kneipe zuzumachen, war ein Brief, der Mau vor kurzem ins Haus flatterte. Wie von einigen anderen Gastwirten fordert die Stadtentwässerung auch von ihm einen neuen Fettabscheider, der das Fett besser trennt und den Kanal schont. In einem denkmalgeschützten Haus aber ist der Einbau sehr schwierig, andere Städte drücken da schon mal ein Auge zu. Bis zu 15.000 Euro kann so ein Gerät kosten — ein Betrag, den Mau und Elster nicht mehr stemmen „wollen und können“. Das Haus habe viel Geld geschluckt, „das müssen wir jetzt erst verdienen.“ Mit anderen Jobs. Zu steinig scheint der Weg geworden zu sein.

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