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Montag, 16.09.2019

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Ammerndorf: Ab heute hat man wieder freie Fahrt

Der Umbau der Staatsstraße ist abgeschlossen - Tempolimit wurde aufgehoben - 02.08.2019 08:00 Uhr

Alles gut einzusehen: Die Abzweigung von Steinbach auf die Staatsstraße präsentiert sich nun ohne enge Kurve und gefährliche Kuppe. © Thomas Scherer


Es ist ein vollkommen neues Gefühl: Wer von Steinbach kommend auf die Staatsstraße 2409 einbiegen will, muss sich nicht mehr den Hals verrenken, um zu sehen, ob aus Richtung Cadolzburg Fahrzeuge heranrollen. Möglich macht das der rechte Winkel der Einmündung. Rechts- und Linksabbieger haben nun ebenfalls genug Platz.

Und wer von Ammerndorf aus nach Steinbach unterwegs ist, braucht nicht mehr über die bisherige Kuppe setzen. Da der weitere Verlauf der Straße dabei nur zu erahnen war, fehlt künftig das mulmige Gefühl in der Magengrube, das ganz sicher den einen oder anderen Ortsfremden an dieser Stelle ereilt hatte.

Nun herrscht hier freie Sicht in alle Richtungen. Und das auf wenigstens 200 Meter, wie Christoph Eichler, beim Staatlichen Bauamt Nürnberg als Abteilungsleiter für den Landkreis Fürth zuständig, betont. Dafür mussten jedoch Grundstückseigentümer – teils äußerst widerwillig – Flächen verkaufen. Weil die gesamte Straße um 50 Meter nach Nordwesten verschoben wurde, um den Kurvenradius aufzuweiten, gab es massive Eingriffe in den Wald und ebenso heftige Proteste von Naturschützern.

Der Preis dafür, dass sich die insgesamt knapp zwei Kilometer lange Strecke wie folgt präsentiert: Durchwegs ist die Trasse nun 6,50 Meter breit, die enge Kurvenführung gehört ebenso der Vergangenheit an wie der unstete Verlauf der Straße. In Euro meint das: 4,4 Millionen hat das Projekt im Zuge des Landesprogramms "Sichere Landstraße" gekostet. Im Sommer 2018 wurde der erste 480 Meter lange Abschnitt vom Steinbacher Abzweig Richtung Cadolzburg realisiert, ab Mai dieses Jahres dann das zweite Streckenstück bis fast zum Ortseingang von Ammerndorf. Vor Baubeginn stand noch eine Summe von knapp drei Millionen Euro im Raum. Doch diese Schätzung hatte, laut Eichler, bereits einige Jahre auf dem Buckel. Zudem gab es eine faustdicke Überraschung, mit der niemand gerechnet hatte.

Bevor die Arbeiter anrückten, ließ das Staatliche Bauamt Bohrkerne ziehen, um zu prüfen, ob belastetes Material zu erwarten sei. Unter der Fahrbahn fand sich Schotter – so weit, so gut. Doch als dann die Baumaschinen die Trasse beseitigten, kam darunter eine noch ältere Straße vermutlich aus den 1950er oder 1960er Jahren zum Vorschein und mit ihr bituminöse Stoffe wie Teer, die teuer entsorgt werden mussten.

Vorbei ist es auf der neuen Straße auch mit den Geschwindigkeitsbeschränkungen: 80 Kilometer pro Stunde bzw. 60 im Bereich Steinbacher Kurve. Angeordnet waren die Limits, weil sich in der Vergangenheit hier immer wieder schwere Unfälle ereignet hatten. Dies war ein Hauptargument für die Baumaßnahme gewesen.

Neue Rennstrecke?

Ab jetzt gilt Tempo 100. Gegner des Ausbaus, zu denen neben vornehmlich Steinbacher Bürgern anfangs sogar viele Cadolzburger Gemeinderäte zählten, sehen eine neue "Rennstrecke" kommen. Dem widerspricht Christoph Eichler nachdrücklich. Statistiken zeigten, dass sich auf ausgebauten Strecken weniger Unfälle ereigneten.

Neue Straßen ziehen in der Regel freilich mehr Verkehr an. Laut der letzten Zählung aus dem Jahr 2015 rollen täglich rund 5000 Fahrzeuge über die ST 2409. Damit liegt sie über dem Durchschnittswert für Staatsstraßen in Bayern (4000). Für 2020 ist eine aktuelle Zählung vorgesehen.

Nackter Lehm prägt derzeit noch das Bild links und rechts des neuen Asphaltbandes. Doch sowohl die Böschung nördlich und westlich der Straße wird bepflanzt, als auch die Fläche beim Steinbacher Abzweig zwischen der Straße und der neuen Zufahrt, die den landwirtschaftlichen Verkehr zum darunter liegenden Fuß- und Radweg bringt. Der blieb auf der gesamten Länge unangetastet, ausgenommen an den Weihern bei Ammerndorf. Dort ist nicht nur die Schutzvorrichtung zum Wasser neu, sondern auch der Belag. Wenn die Baustelle am Freitag Vergangenheit ist, sind fünfeinhalb Monate verstrichen, ursprünglich waren für beide Abschnitte acht Monate eingeplant. 

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