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Freitag, 26.04.2019

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Architektonisches Ausrufezeichen am Rathaus

Neubau für die Lebenshilfe hat Gestalt angenommen - Fassade und Dach bilden Einheit - Anderer Farbton - 19.03.2008

Einen Blickfang bildet der moderne Neubau in der von historischen Bauten geprägten Ludwig-Erhard-Straße. Architekt Peter Dürschinger setzt auf die Spannung der Kontraste. © Thomas Scherer


Mit seiner Besonderheit: der Einheit von Fassade und Dach, hat der Neubau die Kritik des Stadtheimatpflegers Alexander Mayer auf sich gezogen. Die Rede war von «Sargdeckel-Bunker-Architektur». Dürschinger hingegen ist stolz, dass es diese Gebäudeform weltweit nur fünf Mal gibt. Architektur muss spannend sein, lautet sein Credo.

Während sich die Ludwig-Erhard-Straße in Mayers Augen in eine «Geisterbahn» verwandelt hat, fügt sich der Neubau nach Einschätzung des Architekten organisch in den Straßenraum ein. Die vorhandenen Baufluchten würden eingehalten - was Mayer bestreitet. Von einem neuzeitlichen Dialog mit der gewachsenen Umgebung spricht Dürschinger.

Wie eine Skulptur

Ein skulpturaler Ansatz zeichnet seinen Entwurf aus. Unterstrichen wird das durch die Fassaden- und Dachverkleidung mit Faserzementplatten. Der Architekt bevorzugte einen Schieferton, OB Thomas Jung bestand im Streit um die Architektur auf einem Braunton. Der sollte sich, so der OB, besser in die Umgebung einfügen. Dass der Braunton den Baukörper jedoch noch mehr hervortreten lässt, stellt auch der Architekt fest.

Die bei der verworfenen dunkleren Variante hell geplanten Fensterrahmen und Fassadenprofile wurden nun dunkel abgesetzt. Verschiedene Grüntöne in den Fensterlaibungen sorgen laut Dürschinger für «Lebhaftigkeit auf den zweiten Blick».

Als aufgeblasen empfindet der Stadtheimatpfleger die Betonung gegenüber den benachbarten Altbauten. Viel besser sei das Problem beim Neubau des Technischen Rathauses in der Hirschenstraße gelöst worden. Das verglaste Treppenhaus mit Laubengang soll dem Neubau einen kommunikativen Charakter geben. Dürschinger kam es auf den Blickbezug zum Rathaus und zur Michaelskirche an. Zum Hof hin sorgen wohnliche Elemente wie Terrassen und Balkone für ein völlig anderes Gepräge.

Dem entspricht die Gebäudenutzung einerseits als Hauptverwaltung und Familienhilfe-Stützpunkt der Fürther Lebenshilfe und andererseits als Adresse von vier exklusiven Maisonette-Wohnungen, die über zwei Etagen verfügen. Am 13. April können sich Interessenten hier umschauen. Derzeit wird eine hochwertig ausgestattete Musterwohnung eingerichtet. Bauherr ist die WohnFürth der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (WBG). BauFürth-Geschäftsführer Rolf Perlhofer, zugleich Technischer Leiter der WBG, ist mit dem Ergebnis der einjährigen Bauarbeiten unter Regie eines Burgfarrnbacher Bauunternehmens überaus zufrieden. Er spricht von einem «sehr anspruchsvollen Bau, den ein privater Bauträger so wohl nicht hingestellt hätte». Das Gebäude füge sich zudem noch gut in seine Umgebung ein. Die Baukosten von rund 1,4 Millionen Euro seien eingehalten worden. Für den Neubau mussten zwei nicht unter Denkmalschutz stehende Altbauten abgerissen werden. Den hier angesiedelten Geschäften wurde Ersatz im

Technischen Rathaus angeboten. Im Erdgeschoss des Neubaus wird wieder ein Laden eingerichtet. Hier können Produkte der Lebenshilfe präsentiert werden. Dominiert wird der Eingang der Ludwig-Erhard-Straße von einem 164 Jahre alten Wohnhaus mit schmuck verziertem Giebel. 

Volker Dittmar

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