Auch das Allgäu will von Fürth lernen

9.4.2014, 21:00 Uhr
Für die MIB-Baustelle interessierte sich unter anderem der Bürgermeister von Füssen.

Für die MIB-Baustelle interessierte sich unter anderem der Bürgermeister von Füssen. © Hans-Joachim Winckler

Leer stehende Geschäfte in der City? Einzelhändler in Not? „Da haben viele Städte wohl ähnliche Probleme“, sagt Siegfried Knaak, Wirtschaftsreferent aus Kaufbeuren. Mitverantwortlich für die Misere sei unter anderem, dass Kunden heutzutage bequem im Internet oder in Einkaufszentren auf der sogenannten grünen Wiese shoppen können. Auch in Kaufbeuren stehen Läden leer, sagt Knaak. In Fürth will er sich Anregungen holen, um dieser Entwicklung als Kommune „aktiv gegenzusteuern“.

„Attraktive Innenstädte und Stadtteile schaffen — Investoren gewinnen“ lautet der Titel des Seminars, zu dem eine Kanzlei für öffentliches Wirtschaftsrecht eingeladen hat. Rechtsanwalt Arnd Bühner rührt damit in eigener Sache kräftig die Werbetrommel: Sein Büro hat im Auftrag des Fürther Rathauses beim Projekt Neue Mitte das wettbewerbliche Verfahren zur Investorensuche rechtlich begleitet. Bühner schwärmt von diesem „neuen Weg der Stadtentwicklung“, der nur möglich gewesen sei, weil sich die Stadt im Vorfeld die Grundstücke gesichert und den Investoren vor dem Verkauf Vorgaben gemacht hat. Bei der Ausschreibung für die Neue Mitte, so Bühner, „ging es nicht nur um den Preis, sondern um Qualität“. Fürth habe viel Aufwand betrieben und den Bewerbern einiges abverlangt.

Bühners Seminar soll anderen Städten und Immobilienentwicklern diesen neuen Weg, wie er ihn nennt, erschließen. Auf 15 Teilnehmer warten an einem Tag sechs Referenten — von Bühner selbst über MIB-Chef Uwe Laule und Fürths Wirtschaftsreferent Horst Müller bis hin zu Architekt Christofer Hornstein, der sich früher in der Bürgerinitiative Bessere Mitte engagiert hat.

Hornstein will in Bühners Jubel nicht vorbehaltlos einstimmen. „Sicher, das Verfahren in Fürth war besser als in Erlangen“, sagt er. Bei den Arcaden habe man den Investor einfach machen lassen. Allerdings sei das wettbewerbliche Verfahren nach Fürther Art noch ausbaufähig. Den Architektenwettbewerb etwa hätte die Stadt nicht in die Hände des Investors geben dürfen, sondern selbst durchführen und erst danach die Verträge mit MIB unterschreiben sollen. Dabei hat Hornstein an der geplanten Architektur der Neuen Mitte wenig auszusetzen. „Aber es hätte im Rahmen dieses Wettbewerbs auch deutlich schlimmer kommen können“, sagt er. „Das Ergebnis ist okay, aber der Ablauf war katastrophal.“

Vor der Mittagspause steht eine Besichtung der Baustelle auf dem Programm des Seminars. „Bislang war es hochinteressant“, sagt Paul Iacob. Der Bürgermeister von Füssen steht vor den denkmalgeschützten Fassaden in der Breitscheidstraße, die in den Einkaufsschwerpunkt eingebunden werden. Der Denkmalschutz sei im Allgäu fast ein Dogma, sagt er; einerseits zu Recht, denn der Tourismus sei Füssens größtes Kapital. Und andererseits? „Ich finde, man muss auch abwägen dürfen, es braucht Kompromisse“, sagt er. Der Denkmalschutz dürfe nicht per se einer Innenstadtbelebung im Weg stehen. Fürth scheint ihm ein gutes Beispiel zu sein.

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