Donnerstag, 06.05.2021

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Aus für Schulbuslinie in Cadolzburg: Kinder sollen umsteigen

Appell: Weniger Eltern-Taxis, mehr Fahrgemeinschaften - 15.04.2021 16:00 Uhr

Vor dem westlichen Ortsausgang Cadolzburgs bietet eine Insel nicht nur Schulkindern die Möglichkeit, die vielbefahrene Staatsstraße zu überqueren. Allerdings können auch hier die Autos mit Tempo 50 vorbeirauschen.

13.04.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Das Aus für die Schulbuslinie sorgt weiter für Diskussionen im Markt. Den Beschluss des Gemeinderats erläuterte jetzt unter anderem Bürgermeister Bernd Obst den betroffenen Eltern in einem Gespräch. Die Mütter und Väter konnten Fragen stellen und Vorschläge machen, an der grundlegenden Entscheidung aber nicht mehr rütteln. Allerdings gibt es eine Alternative.


Corona und übervolle Schulbusse: Eltern sorgen sich


Zwei Stunden dauerte die Unterredung, an der Vertreter und Vertreterinnen der Eltern, der Gemeindeverwaltung, der Polizei, des Landratsamts und der Fraktionen des Gemeinderats teilnahmen. Danach war das Stimmungsbild bei den Eltern gemischt. "Wir hätten die Buslinie sehr gerne behalten", sagte ihr Sprecher Christoph Häfner gegenüber den FN. Es wäre die bequemste Lösung gewesen, weil sich der kommunal finanzierte Bus nach den Schulzeiten gerichtet und die Kinder in Wohnortnähe abgeholt hätte.

60.000 Euro bezahlt

Die Gemeinde stellt aber erneut klar, dass die Schulbuslinie "nicht wirtschaftlich" sei. Vier Jahre lang zahlte die Kommune jährlich mehr als 60.000 Euro für das Angebot, ohne rechtlich dazu verpflichtet zu sein. Bei einer neuen Ausschreibung wäre es wohl noch teurer geworden, berichtete Bürgermeister Bernd Obst von Gesprächen mit dem Busunternehmen.

Ebenfalls Teil der Rechnung: Die Schulbuslinie betrifft maximal 39 der 447 Cadolzburger Kinder, die, rein juristisch betrachtet, zum Unterricht laufen sollen statt fahren. Grund: Sie wohnen weniger als zwei Kilometer von der Schule entfernt. "Da geht es auch um Gerechtigkeit", sagte Obst.

Der Schulweg ist angeblich "objektiv sicher"

Für Kinder, deren Schulweg mehr als zwei Kilometer beträgt, zahlt der Freistaat einen Zuschuss von 60 bis 70 Prozent für die Beförderung. Bei den 39 näher wohnenden Schulkindern im Süden Cadolzburgs würde der Freistaat jedoch nur zahlen, wenn der Schulweg als gefährlich eingestuft würde. Das wollten im Gespräch aber weder die Polizei noch das Landratsamt machen.

Der Weg sei trotz der Staatsstraße 2409 "objektiv sicher", sagte die anwesende Polizistin, die selbst in Cadolzburg wohnt. Bis zu dem nun erfolgten Treffen hatte es die Gemeinde immerhin geschafft, den Eltern eine Alternative anzubieten: die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Eine örtliche Buslinie wurde so umdisponiert, dass sie früh und mittags zeitlich passend an den relevanten Haltestellen am Kupfersgarten und am Aussichtsturm stoppt.

Keine Verkehrswende in Sicht

Einige Eltern wollen für ihre Kinder dem Vernehmen nach zumindest früh den ÖPNV in Anspruch nehmen. Aber: "Viele Eltern werden ihre Kinder selbst fahren", prophezeit Sprecher Häfner. Dass sich nach dem Aus der Schulbuslinie der Verkehr wegen sogenannter "Mütter-Taxis" weiter erhöhen könnte, war bereits im Vorfeld befürchtet worden.


Für Tempo 30: Cadolzburg gibt nach dem Modellversuch Gas


In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats hatte Christian Löbel (Linke) just davor gewarnt. Er hatte sich gewünscht, dass die Gemeinde die Linie weiter finanziert. Deren Aus konterkariere Cadolzburgs Bemühen um eine Verkehrswende, sagte Löbel. Wegen der unsicheren Finanzlage in der Pandemie stelle er aber keinen entsprechenden Antrag.

Ebenfalls in der Sitzung hatte Bernd Obst auf die Alternative ÖPNV verwiesen und den Wunsch geäußert, dass die Kinder nicht unmittelbar vor die Schule gebracht würden. An die Eltern appellierte er nun, zumindest Fahrgemeinschaften zu bilden oder den Nachwuchs mit Abstand aussteigen zu lassen, um wenigstens den Verkehr in Schulnähe möglichst gering zu halten.

Eltern als Schülerlotsen?

Löbel und die Eltern lobten die Gesprächsbereitschaft der Gemeinde. Die Fakten transparent darzulegen sei ihm wichtig gewesen, sagte der Bürgermeister, selbst Vater zweier Schulkinder. Er nehme das Ansinnen "sehr ernst" und verstehe es, wenn es Eltern beim Gedanken an den täglichen Schulweg an der Staatsstraße entlang "etwas mulmig" werde, wie Christian Häfner seine Gefühle formuliert. Häfner selbst will nun mit seinen Kindern den Schulweg üben und mit anderen Betroffenen kleine Gruppen von drei bis fünf Kindern bilden.

Ob Eltern das Angebot der Polizei annehmen und sich als Schülerlotsen zur Verfügung stellen, blieb ebenso offen wie die Frage, ob diese jetzt noch etwas unternehmen wollen. Direkt nach dem Gespräch seien die Wunden "noch sehr frisch" gewesen, sagt Häfner. Man wolle sich aber noch zusammensetzen und über mögliche Schritte beraten.

Martin Kypta

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