Dienstag, 25.02.2020

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Begehrte Laseranlagen kommen aus Stadeln

Die Erlanger Firma LPKF Laser Welding ist in die frühere Spiegelfabrik Hans Lang gezogen - 11.03.2014 11:00 Uhr

In der früheren Spiegelfabrik Hans Lang werden neuerdings Hightech-Maschinen fürs Kunststoff-Laserschweißen gebaut. Mehr als 125 Mitarbeiter sind hier beschäftigt – in den nächsten Jahren soll die Zahl weiterwachsen. © Berny Meyer


Will man zwei Kunststoffteile miteinander verbinden, kann man sie aneinander schrauben, sie zusammenkleben – oder sie mittels Lasertechnologie zusammenschweißen. Der Vorteil von Variante Nummer drei: Die Materialien sehen aus, als seien sie miteinander verschmolzen. „Die Fugenqualität ist so perfekt, da sehen Sie nichts mehr“, schwärmt Armin Schalk, einer der beiden Geschäftsführer der Firma LPKF Laser Welding, die die Maschinen fürs Laserschweißen baut und verkauft.

Der Sportartikelhersteller Adidas fand die Technik so interessant, dass er vor den Olympischen Spielen 2012 ein Experiment wagte: Unter anderem mit Hilfe der Technik von LPKF produzierte man einen neuartigen, superleichten Sprintschuh mit einer lasergeschweißten Sohle, der keine 100 Gramm wiegt und dem US-Sprinter Tyson Gay dabei helfen sollte, sich vom großen Konkurrenten Usain Bolt nicht abhängen zu lassen. Freilich waren die Erfolgsaussichten nicht die besten, war Usain Bolt doch der Konkurrenz auch schon mit halboffenem Schuh davongelaufen.

Ein Modell des roten Sportschuhs ist mit in die neuen Räume nach Fürth umgezogen. Für die Stadt sei LPKF ein Glücksfall, sagte Wirtschaftsreferent Horst Müller jüngst beim Rundgang durch die Produktionshalle, die die Traditionsfirma Hans Lang erst 2008 errichtet hatte. Damals deutete noch nichts darauf hin, dass die Spiegelfabrik, Teil der Mekra-Lang-Gruppe, 2013 die Fertigung einstellen würde. Wie berichtet, konnte man nach Firmenangaben dem Preisdruck aus Asien nicht standhalten. „So tragisch wie das war, so erfreulich ist jetzt die neue Nutzung“, sagt Müller.

14 Millionen Euro hat sich LPKF Laser Welding den Umzug kosten lassen. Seit November arbeiten alle der rund 130 Mitarbeiter am Fürther Standort; etliche von ihnen, heißt es, sind ohnehin in der Kleeblattstadt zuhause. Auf 10000 Quadratmetern konnte man sich hier ausbreiten. Das ist doppelt so viel Platz wie in Erlangen – aber immer noch nicht genug: Ab dem Frühjahr soll ein Anbau für Büros und Labore errichtet werden.

Die Lasersysteme von LPKF kommen vor allem bei der Fertigung von Smartphones, Autoteilen, Solaranlagen oder Geräten der Medizintechnik zum Einsatz. Der Spezialmaschinenbauer ist ein Tochterunternehmen der LPKF Laser&Electronics AG, die ihren Hauptsitz in Garbsen bei Hannover hat und deren Jahresumsatz inzwischen bei 115,1 Millionen Euro liegt. Fast 90 Prozent ihres Geschäfts macht die Firma mit dem Export, der überwiegend nach Asien geht.

Weltweit gehört sie auf ihrem Spezialgebiet zu den führenden Anbietern, nach eigenen Angaben ist man die Nummer eins in Europa. Mit am Standort Fürth befindet sich auch die Tochter LaserMicronics, die bei geringen Stückzahlen das Schweißen für Firmen übernimmt, die sich die teuren Anlagen nicht leisten können.

„Hier werden die wertvollsten Produkte von ganz Fürth hergestellt“, sagte Oberbürgermeister Thomas Jung beim Besuch. „So eine Anlage kostet so viel wie ein Rolls Royce und ist es auch wert.“ Als „Perle“ bezeichnete er die Firma, die Fürth hochwertige Arbeitsplätze, darunter Techniker und Ingenieure, beschere.

Im Gegenzug versicherten die Geschäftsführer Frank Brunnecker und Armin Schalk, dass Fürth auch für sie interessant sei. Besonders spannend finden sie – man konnte es ahnen – die Uferstadt mit dem Technikum Neue Materialien und den Werkstoffwissenschaftlern.

CLAUDIA ZIOB

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