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Bei Siemens-SIS ist Feuer unterm Dach

Angekündigte Ausgründung bereitet den Beschäftigten auf der Hardhöhe große Sorgen - 02.02.2010

In der Krise rücken Fürther Siemens-Beschäftigte zusammen. Jeden Montag ziehen sie um die Mittagszeit vor das Betriebstor. © Hans-Joachim Winckler


Schon einmal, von 1997 bis Juni 2008, war der Geschäftsbereich in eine GmbH umgewandelt worden. Damals noch als 100-prozentige Siemens-Tochter. Diesmal befürchtet Betriebsratsvorsitzender Dieter Domabil Schlimmeres.

Dabei hatten die rund 750 Beschäftigten mit dem Verzicht auf zwölf Prozent ihres Gehalts, auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie durch Mehrarbeit ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung geleistet. Jetzt ist von einem Verkauf der Sparte nach China die Rede.

Den ersten Schritt zur Zerschlagung sieht Domabils Kollege Armin-Christian Reuß in der betrieblichen Neustrukturierung am 22. Februar. Dann gibt es zwei SIS- Betriebe: einen in Erlangen und einen nordbayerischen. Auf die Siemens- Familie von einst geben die verunsicherten Beschäftigten heute nicht mehr viel. «Die Mitarbeiter werden inzwischen nur noch wie Gegenstände behandelt», klagt die Fürther IG- Metall-Beauftragte Anny Heike.

Dass ausgerechnet in Zeiten satter Gewinne die Auslagerung eines so sensiblen Unternehmensbereichs wie das gesamte Software-Know-how in sicherheitsproblematische Länder in Erwägung gezogen wird, können Domabil und seine Kollegen nicht verstehen. Der Zulauf zu den Montags-Umzügen - offiziell handelt es sich nicht um Demonstrationen - nimmt ständig zu. Über 200 Marschierer waren es gestern. Erstmals beteiligten sich aus Solidarität auch Beschäftigte der benachbarten Siemens-Betriebe.

Rund 1900 Mitarbeiter beschäftigt Siemens ohne die SIS-Belegschaft auf der Hardhöhe. Nach dem Aus von Grundig und Quelle handelt es sich um das größte Fürther Unternehmen. Wirtschaftsreferent Horst Müller betrachtet die Entwicklung denn auch mit großer Sorge.

Für wenig sensibel hat er bereits die Ausgründungsankündigung ausgerechnet zu Weihnachten eingestuft. Nachdem er aber seither keine weiteren Informationen über das Vorhaben bekam, stufte Müller es als erledigt ein. Die Aktivitäten der Beschäftigten veranlassen ihn nun allerdings, im Sinne einer Standortsicherung tätig zu werden. Genau diese Unterstützung von kommunaler Seite wünschen sich die Beschäftigten auch.

Noch stehen die zur Ausgründung notwendigen Beratungen mit Gesamtbetriebsrat und IG-Metall aus, doch an der Ernsthaftigkeit des Planes besteht für die Beschäftigten kein Zweifel mehr. Dass sie die Realisierung verhindern können, daran glaubt inzwischen selbst Reuß nicht mehr. Aber Einfluss nehmen will er schon, um wenigstens die Umstände der Ausgliederung für die Betroffenen annehmbar zu machen. Domabil betont jedoch: «Wir sind stolz darauf, Siemensianer zu sein und werden alles rechtlich Mögliche versuchen, um es auch zu bleiben.»

Nicht betroffen von den aktuell geplanten Einschnitten sind die an der Breslauer Straße und Siemensstraße angesiedelten Siemensbereiche mit häufig wechselnden Namen. Hier werden Elektronikbauteile wie Wechselrichter für Solaranlagen gefertigt und Geräte repariert. Es gibt aber auch ein Demonstrationszentrum für Siemens-Großanlagen zum Transport von Öl und Gas.

Von den Abbaumaßnahmen, wie sie Siemens im schrumpfenden Großanlagengeschäft etwa in Erlangen und Neustadt/Saale verfolgt, bleibt Fürth momentan noch verschont. Und Wirtschaftsreferent Müller will dafür kämpfen, dass es auch so bleibt. 

Volker Dittmar

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