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Bekommt Roßtal ein Gymnasium?

Der Landkreis wird in den nächsten Jahren viel Geld für seine Schulen in die Hand nehmen müssen - 26.07.2020 16:00 Uhr

Auch das Gymnasium Stein, das aktuell saniert wird, hat in den kommenden Jahren angesichts steigender Schülerzahlen Erweiterungsbedarf. Es ist auch beim Nürnberger Nachwuchs beliebt.

© Foto: Thomas Scherer


Im Schulausschuss des Landkreises Fürth präsentierte Statistiker Christian Rindsfüßer die Resultate seiner umfangreichen Untersuchung vor. Er erstellt bereits seit 18 Jahren solche Analysen für den Landkreis, er hat daher einen guten Überblick über die demografische Entwicklung.

Und die ist zunächst erfreulich: Nach Jahren des Geburtenrückgangs gibt es wieder mehr Babys. Im Durchschnitt bekommt jede Frau im gebärfähigen Alter 1,63 Kinder (bayerischer Durchschnitt 1,53). Außerdem ziehen besonders Familien gerne in das Fürther Umland. Das Plus an jungen Landkreisbürgern wirkt sich auf die Schulen aus. Heuer werden erstmals mehr als 1000 Kinder eingeschult. Von den aktuellen Erstklässlern werden dank der überdurchschnittlich hohen Übertrittsquoten in vier Jahren rund 45 Prozent an die Gymnasien und zirka 25 Prozent an die Realschulen wechseln. Schulen, für die der Landkreis der Sachaufwandsträger ist. Ab dem Jahr 2025 und darüber hinaus wird mit einem bedeutenden Anstieg der Schülerzahlen an den drei Landkreis-Gymnasien und den beiden Realschulen gerechnet.

Alle wachsen

Konkret bedeutet das für die Realschule Langenzenn einen Zuwachs von fast 40 Prozent bis zum Jahr 2037. Die Realschule Zirndorf kann bis zu 24 Prozent mehr Schüler in diesem Zeitraum erwarten.

Deutlich fällt das Plus auch beim Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Oberasbach aus, dessen Schülerzahl langfristig auf 1532 (prozentual fast 33) ansteigen könnte.

Noch übertroffen wird das vom Gymnasium Stein, das mit über 40 Prozent mehr Gymnasiasten kalkulieren muss oder einem Anstieg auf 1255 junge Menschen. Wobei Stein ein Sonderfall ist, denn ein Drittel der Kinder und Jugendlichen stammt aus Nürnberg. Deutlich höher fällt die Prognose für das Wolfgang-Borchert-Gymnasium Langenzenn aus: fast 51 Prozent plus oder ein Anstieg auf 1152 Schüler.

Außer der Zirndorfer Realschule müssen alle Schulen über Erweiterungen nachdenken. Für die Realschule Langenzenn soll geprüft werden, ob ein kompletter Neubau Sinn macht.

Doch möglicherweise kommen die Erweiterungen an den drei Landkreis-Gymnasien am Ende teurer als ein Neubau. Wegen dieser Frage wurde hochgerechnet, welche Effekte ein viertes Gymnasium auf die übrigen Schulen hätte.

Drei potenzielle Standorte waren im Gespräch: Zirndorf, Cadolzburg und Roßtal. Am günstigsten fiel die Kalkulation für Roßtal aus: Dort könnte ein kleines Gymnasium Bestand haben, das die Nachbarschulen nicht gefährden würde.

Landrat Dießl mahnte aber ausdrücklich: "Es wäre zu früh, heute zu sagen, wir bauen ein viertes Gymnasium in Roßtal." Diese Entscheidung könne man nicht treffen, bevor nicht wichtige Fakten über mögliche Grundstücke oder Baukosten geklärt seien. Nicht zu vergessen: Der Freistaat hat dabei ein gewichtiges Wort mitzureden. Denn er genehmigt den Neubau und gibt die Zuschüsse, allerdings nur, wenn alle Voraussetzungen stimmen. Das ist neben den Schülerzahlen auch die Garantie, dass kein bestehendes Gymnasium bedroht ist.

Weitere Auswirkungen auf die Entwicklung im Landkreis könnten Schulneubauten in Fürth und Nürnberg sowie die aktuelle Rückkehr zum neunstufigen Gymnasium haben.

Spätestens 2021 muss der Landkreis eine Grundsatzentscheidung treffen: Gymnasium Nummer vier oder Erweiterungen? Vorab wird die Landkreisverwaltung die verschiedenen Szenarien, natürlich auch für die Realschulen und die Förderschule in Cadolzburg, kalkulieren.

Beate Dietz

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