Bester Klavierbauer kommt aus Fürth

30.1.2017, 11:00 Uhr
Feinjustierung: Mit einem Stimmhammer stellt Klavierbauer Felix Eul die circa 300 Wirbel eines Flügels ein. Für die 60- bis 90-minütige Arbeit braucht es Geduld und ein geschultes Gehör.

© Fotos: Giulia Iannicelli Feinjustierung: Mit einem Stimmhammer stellt Klavierbauer Felix Eul die circa 300 Wirbel eines Flügels ein. Für die 60- bis 90-minütige Arbeit braucht es Geduld und ein geschultes Gehör.

Wenn Felix Eul achtsam die Tasten des Klaviers berührt, dann sieht man, dass er ein besonderes Verhältnis zu dem Instrument hat. Mit sechs Jahren begann er, das Klavierspiel zu lernen. Es folgten 16 Jahre Unterricht und der Besuch des musischen Labenwolf-Gymnasiums in Nürnberg samt Musik-Leistungskurs.

Trotzdem, sagt der 28-Jährige, hatte er nie vor, die Musik zu seinem Beruf zu machen. Dass er letztlich Klavier- und Cembalobauer wurde, sei ebenfalls nicht geplant gewesen. Erst als Eul merkte, dass weder die Medizintechnik noch ein anderer Studiengang so recht zu ihm passen wollte, entschied er sich für die dreieinhalbjährige Ausbildung in dem Fürther Familienunternehmen, das inzwischen auf dem ehemaligen Brauereigelände in der Südstadt beheimatet ist.

Musikalisches Gehör sei für einen erfolgreichen Abschluss als Klavierbauer nicht unbedingt nötig, erklärt Eul, wohl aber technisches Gehör: „Das ist nicht von der Musikalität abhängig, das kann jeder trainieren.“ Hunderte von Stunden Arbeit steckten darin, bis man ein Klavier wohlklingend stimmen könne, so dass es den Ansprüchen der Profis genüge.

„Man muss sich selbst immer wieder motivieren und ein optimales Ergebnis wollen“, ergänzt Euls Ausbilder und Chef, Klavierbaumeister Thomas Kreisel. „Ganz viel kommt während der Ausbildung durch Erfolgserlebnisse.“ Deshalb sei das Regulieren der sensiblen Pianomechanik und das Stimmen von Klavieren von Anfang an Inhalt der Ausbildung.

Auch im Leistungswettbewerb der deutschen Handwerksjugend darf es nicht fehlen. Was sonst noch abgeprüft wird, bleibt allerdings eine Überraschung. Eul etwa musste eine Schmiege bauen: ein Gerät, mit dem ein Winkel an einer Stelle des Pianos gemessen und an eine andere übertragen werden kann.

„Die Herausforderung bei dem Wettbewerb ist, dass man von einem Unbekannten auf etwas Unbekanntes geprüft wird“, resümiert Euls Ausbilder, der die Werkstatt bei Kreisel leitet. „Ich habe vor allem versucht, Felix darauf vorzubereiten, sich auf seine Lösungskompetenz und sein Können zu verlassen.“

"Man braucht Sitzfleisch"

Dass man als Klavierbauer in einer Reparatur- und Restaurierungswerkstatt immer wieder noch nie da gewesene Probleme lösen und improvisieren muss, macht denn auch für Eul mit den Reiz seines Berufs aus. „Ich wollte keine 08/15-Ausbildung, nichts Alltägliches“, sagt der 28-Jährige, der zu Jahresbeginn als Geselle bei Klavier Kreisel übernommen worden ist. „Und ich mag die Abwechslung: Den Kundenkontakt beim Klavierstimmen im Außendienst, die Arbeit in der Werkstatt mit verschiedenen Marken.“

Zu gängigen Wartungstätigkeiten gehört neben dem Stimmen und Reparaturen an den 88 Tasten zum Beispiel das Abziehen der tropfenförmig zulaufenden Hammerkopffilze, die dafür in circa eineinhalbtägiger Arbeit aus dem Klavier ausgebaut, abgeschliffen und wieder eingebaut werden müssen. „Angehende Klavierbauer brauchen Sitzfleisch, müssen 88 oder gar 300 Mal denselben Handgriff ausführen und lernen, regelmäßig zu arbeiten“, beschreibt Ausbilder Kreisel.

Eine Passion für gute Musik

„Der Bewerber muss vorher kein Klavier spielen können, aber bereit sein, es zu lernen.“ Das sei so ähnlich wie bei einem angehenden Kfz-Mechatroniker, der zu Ausbildungsbeginn keinen Führerschein haben, wohl aber die Bereitschaft mitbringen müsse, einen zu erwerben. Zudem sei eine „Passion“ der Bewerber für Musik wünschenswert, nicht unbedingt für Klassik, aber für „gute“ Musik.

Eine typische Reparatur: Felix Eul schleift die Hammerkopffilze eines Klaviers.

Eine typische Reparatur: Felix Eul schleift die Hammerkopffilze eines Klaviers.

Der Klavierbau weise viele Besonderheiten auf, sagt Kreisel. So sei es zwar – wie in vielen anderen Berufen auch – schwer, Auszubildende zu finden. Doch wenn sich jemand auf die deutschlandweit ausgeschriebenen Lehrstellen bei dem Fürther Handwerksbetrieb bewerbe, bei dem Kreisel in sechster Generation tätig ist, dann bringe er in aller Regel gleich die richtigen Voraussetzungen mit.

Auch ließen sich die drei Standbeine des Unternehmens – der Verkauf von neuen und gebrauchten Klavieren, die Reparatur/Restaurierung und das Stimmen sowie anderer Service – nicht klar voneinander trennen. „Das ist sehr, sehr symbiotisch“, berichtet Kreisel, der zusammen mit seiner Mutter Sylvia, sie ist Inhaberin, und den acht Angestellten vor allem Kunden in der Metropolregion Nürnberg bedient. Dazu zählen neben vielen Privatpersonen beispielsweise der Bayerische Rundfunk, die Musikhochschule und das Staatstheater Nürnberg.

Wenn Thomas Kreisel einen Konzertflügel – mitunter Stunden – gewartet hat, nimmt er sich meist fünf Minuten, um ein paar Takte darauf zu spielen. Das, sagt er, gehöre zu den schönsten Momenten seines Berufs.

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