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Bibertbadpreise: Es bleibt bei der Erhöhung

Freie Wähler forderten eine Nachbesserung bei den Tickets, blitzten jedoch ab - 28.05.2019 21:00 Uhr

„Unser Bad ist eines der wärmsten und saubersten in der Region, das lieben unsere Gäste“, sagt Werkleiter Timo Schäfer. Schwimmmeisterin Kathi Krämer notiert die Wassertemperatur. © Archivfoto: Hans-Joachim Winckler


Erhöht wurden die Eintrittspreise im Freibad letztmals 2009, was, genau besehen, allerdings eine Reduzierung war, wie Werkleiter Timo Schäfer erklärt. Denn damals wurde eine zuvor abgeschaffte Ermäßigung zurückgenommen. Und die Erhöhung der Hallenbadpreise vom September 2015 sollte der Stadtrat ebenfalls wieder herunterfahren. Insoweit wäre es schon fast einer Tradition gleichgekommen, hätte der Stadtrat jetzt erneut die zu Beginn der Freibadsaison angehobenen Preise wieder reduziert.

So zumindest hatte es die Fraktion der Freien Wähler (FW) beantragt, scheiterte aber an der Mehrheit der anderen Fraktionen. Frank Bauer (SPD) hätte den Punkt am liebsten von der Tagesordnung abgesetzt, weil die neuerliche Befassung dem Ansehen von Bäderausschuss und Werkleiter nur schade. Was die anderen Fraktionen jedoch ablehnten.

Vorneweg hatte Schwimmmeisterin Kathi Krämer von der Bäderleitung im Namen ihrer Kollegen, die zum Großteil auch in der Sitzung anwesend waren, eine Erklärung verlesen und darum gebeten, sich hinter das Bad und dessen Belegschaft zu stellen. Nicht nachvollziehbar sei es für die Bad-Belegschaft, wie der Stadtrat einen einstimmig gefassten Beschluss des zuständigen Ausschusses in Frage stellen könne. Ein Beschluss auch, der, so erklärte Zweite Bürgermeisterin Sandra Hauber, bindend sei. Insoweit hätte das Thema gar nicht mehr im Stadtrat behandelt werden müssen. Dass es trotzdem auf der Tagesordnung landete, sei auf ausdrücklichen Wunsch von Werkleiter Schäfer geschehen. Dem ging es "um Transparenz und Sachargumente", wie er sagte. Und dazu lieferte er einige Zahlen.

Im Schnitt exakt 10,43 Euro hat ein Hallenbadbesucher dem Bibertbad im ersten Quartal des Jahres gekostet, unabhängig von Alter oder Verweildauer. Die Preise für Strom, Fernwärme oder Wasser seien binnen zehn Jahren um 8 bis 50 Prozent gestiegen. "Unser Bad ist eines der wärmsten und saubersten in der Region, und das lieben unsere Gäste", so Schäfer.

17 Beschwerden

Ihren Antrag, die neuen Preise zu korrigieren, hätten die FW mit "massiver Kritik" begründet. Doch ihm, so Schäfer, seien inklusive der in den FN veröffentlichten Leserbriefe 17 Beschwerden bekannt, die sich vor allem auf wegfallende Stunden- und den gestrichenen Feierabendtarif bezogen. Doch wer sich bisher ein Zwei-Stunden-Ticket für 4,50 Euro fürs Hallenbad gekauft habe, bezahle mit der 200-Euro-Geldwertkarte nun 4,80 Euro für den ganzen Tag mit Hallen- sowie Freibad, machte er eine von diversen Rechnungen auf. Allen Unkenrufen zum Trotz, die Badegäste würden sich umorientieren, sei mit 12 817 Besuchern bis zum Tag der Stadtratssitzung kein Einbruch bei den Zahlen zu notieren gewesen. "Wir haben viele Begünstigungen hinbekommen", allein die 20 000 Kinder unter sechs Jahren, die 2018 das Bad besuchten und von denen alle ab drei Jahren einen Euro zahlten, hätten jetzt freien Eintritt.

Politischer Tenor sei, so Schäfer, die Personalkosten zu senken und das Defizit (heuer voraussichtlich 2,95 Millionen Euro) zu reduzieren. "Doch nach der Preisänderung sind ihnen die Tarife zu hoch." Gleichzeitig setzte der Stadtrat in den Etatsitzungen den Planungsansatz für ein Nichtschwimmerbecken durch, das mindestens 1,2 Millionen Euro kosten würde, geschätzt 220 000 Euro an jährlichen Betriebskosten verursache und auch mehr Personal benötige. "Da beißt sich die Katze in den Schwanz, wie soll ich mit solchen Vorgaben umgehen, mehr von allem einerseits und das andererseits bei weniger Kosten." Ein Rätsel sei ihm, so Schäfer, wie die Zusammenarbeit zwischen Politik, Werkleitung und Belegschaft unter solchen Vorzeichen funktionieren solle.

Sein Appell fand Gehör. Zwar beharrte FW-Sprecher Marcus Baritsch darauf, dass einige Preise der "Öffentlichkeit nicht vermittelbar" seien. Er forderte zum Beispiel eine Familiensaisonkarte zu 350 Euro und unisono mit Marcus Spath (SPD) ein günstigeres Familienticket. Doch letztlich stellte sich die Mehrheit hinter die Preiserhöhung. "Nach zehn Jahren", so Dieter Sebastian (CSU), "sollte eine Preiserhöhung drin sein." Gehe jemand mit Familie ins Kino, komme er nicht so günstig weg. Und auch aus der Grünen-Fraktion war zu hören, man solle dem Bad jetzt Zeit bis September geben und nach einer Evaluation entscheiden, wie es weitergeht.

Sabine Dietz

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