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Sonntag, 26.05.2019

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Bildet aus! Stadt hilft kleinen Firmen

100 zusätzliche Lehrstellen sollen entstehen: Lotsen unterstützen Betriebe - 18.04.2019 06:00 Uhr

Gerade in kleinen Unternehmen, glaubt man im Rathaus, fehle es den Verantwortlichen an Zeit, Wissen, aber auch an Mut, um selber auszubilden. Den Betrieben dabei zu helfen, doch einen Lehrling einzustellen, ist das Ziel der neuen Ausbildungslotsen. © Armin Leberzammer


Diese Entwicklung schockiert auch den Fürther Wirtschaftsreferenten: In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl derer, die sich in der Kleeblattstadt um einen Ausbildungsplatz bewerben, um 20 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig sank die Zahl der Lehrstellen um 13 Prozent.

Nicht nur Horst Müller findet, dass dies keine guten Nachrichten sind – weder für junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen, noch für Unternehmen, denen es an Nachwuchs fehlt. Der viel zitierte Fachkräftemangel – das weiß das Rathaus aus einer Umfrage – steht auf der Sorgenliste der Fürther Unternehmen unter den Top drei. Zwei Drittel der kleinen Firmen fürchten, künftig Probleme damit zu haben, Stellen zu besetzen. Eine alternde Gesellschaft und die Tatsache, dass immer mehr junge Menschen studieren möchten, befeuern den Fachkräftemangel in den Ausbildungsberufen.

Allerdings nehmen gerade kleine Unternehmen immer seltener die Mühe auf sich, einen Lehrling einzustellen. Auch dazu hat das Wirtschaftsrathaus Zahlen: Von den rund 1700 sogenannten Klein- und Kleinstunternehmen in Fürth bilden nur noch 334 aus.

Vor allem diese Firmen mit einem Mitarbeiterstamm von eins bis 50 stehen im Blickfeld der neuen Ausbildungslotsen, die im April ihre Arbeit aufgenommen haben. "Vielen Betrieben fehlt oft die Zeit, das Wissen, aber auch der Mut, um Nachwuchs zu akquirieren", sagt Sonja Soydan, die das Projekt im Fürther Rathaus koordiniert. Anders als in großen Unternehmen, so Soydan, müssten dort die Aufgaben einer Ausbildungsabteilung im Tagesgeschäft miterledigt werden.

Auf die drei neuen Ausbildungslotsen kommt also viel Überzeugungsarbeit zu. Sie sollen die Verantwortlichen in den Firmen intensiv beraten, zum einen über eine Telefon-Hotline, zum anderen mit Schulungen, Workshops und bei Besuchen in den Betrieben. "Wir bieten da ein Rundum-Sorglos-Paket", verspricht Soydan. Das Ziel: Kleine Unternehmer sollen mit der Unterstützung der Lotsen erstmals ausbilden oder nach einer Pause wieder in die Ausbildung einsteigen. Binnen drei Jahren sollen auf diese Weise 100 zusätzliche Lehrstellen in Fürth entstehen.

In Zusammenarbeit mit dem Bildungsbüro will das Wirtschaftsrathaus zudem dafür Sorge tragen, dass diese Posten auch besetzt werden. Das Potenzial dafür sei vorhanden. Nach den Worten von Veit Bronnenmeyer gelangen immer mehr Mittelschülerinnen und Mittelschüler nach der neunten Klasse nicht direkt in eine Ausbildung.

Das Gehalt zahlen andere

Stattdessen hängen sie in Warteschleifen. "Bei den Jugendlichen macht sich eine immer größere Orientierungslosigkeit breit", bedauert Bronnenmeyer. Aber auch an Realschulen und Gymnasien wollen sie geeignete Bewerber für die neuen Lehrstellen finden.

Die Stadt Fürth muss für das Projekt in den kommenden drei Jahren rund 100.000 Euro in die Hand nehmen. Für das "Drumherum" wie Veranstaltungen und dergleichen, heißt es aus dem Wirtschaftsrathaus. Das Gehalt der drei Ausbildungslotsen sowie einer 15-Stunden-Verwaltungskraft wird in dieser Zeit allerdings mit Bundes- und EU-Mittel gezahlt.

InfoKick-off für das Projekt Ausbildungslotsen ist eine Veranstaltung für kleine Unternehmen am 14. Mai, 18 Uhr, in den Räumen der Firma Schmidt & Schmidt im Golfpark. Die Ausbildungs-Hotline: (09 11) 974 18 99. 

Johannes Alles

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