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Bornschlegels abgefahrene Fingerübungen

„Bornzero“ begeistert mit Gitarrenartistik in der Löwenbar - 03.12.2014 18:00 Uhr

Mit ungewöhnlicher Spieltechnik erzielt der Gitarrist spannende Effekte. © Foto: Romir


„Gitarre, aber anders“ — das verspricht „Bornzero“ den Besuchern in der Löwenbar. Noch aber steht der Musiker aus Dortmund gemütlich am Tresen. Kurz nach dem offiziellen Konzertbeginn haben sich nämlich nur eine handvoll Besucher in den kleinen Raum hinter der Wirtschaft „Gelber Löwe“ in der Gustavstraße eingefunden. Und Bornschlegel nutzt die Zeit, um ein wenig mit den Leuten zu plaudern.

Ein bodenständiger, unverkrampfter Typ, der den direkten Kontakt zum Publikum in der Mini-Location sichtbar genießt. Dabei steht er schon seit 1966 auf mehr oder minder großen Bühnen. Damals debütierte er als Zwölfjähriger mit der Band „The Dead Cops“. Nach Gastspielen mit „Atlantis“ und „Guru Guru“ war er in letzter Zeit vor allem solo unterwegs.

Das heißt: Genau genommen spielt da zwar nur eine Person, aber es klingt trotzdem wie eine Band. Denn Bornschlegel nutzt seine akustische Gitarre auf sehr ungewöhnliche Weise: Meist hat er sie quer über die Beine gelegt und spielt sie wie ein Tasteninstrument, während er mit dem Handrücken den Beat auf dem Korpus der Gitarre schlägt. Dazu kommen schließlich per Effekt-Pedal eingespielte Verzerrungen, so dass man bei geschlossenen Augen glaubt, ein Trio aus Drums, Keyboards und eben Gitarre zu hören.

Dazu passen auch die ungewöhnlichen poetischen Texte, die oft von verzweifelten Situationen erzählen – und von dem Mut, sie zu überwinden: „Wenn nichts mehr geht, geht vielleicht noch alles. Nichts hält Dich auf – also lauf!“ Während der Gesang vor sich hinperlt, führen die Finger einen wilden Tanz auf dem Instrument auf. Das Tempo ist atemberaubend. Doch Bornschlegel bleibt cool: „Nett, gell? Aber es könnte noch ein bisschen schneller sein“, kommentiert er die eigene Musik – um dann noch einen Zahn zuzulegen, bis das Spiel die Schallmauer durchbricht.

Der Aufforderung, seine „Ängste mal wegzutanzen“, kommt dagegen niemand nach, obwohl die schummrige Club-Atmosphäre durchaus dazu einladen würde. Dafür hat „Bornzero“ gespannt lauschende und experimentierfreudige Zuhörer gefunden, die ihn erst nach mehreren Zugaben von der Bühne lassen. Diese sind dann zur Abwechslung mal hemmungslos romantische Schmusestücke. 

PETER ROMIR

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