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Burgfarrnbach: Umstrittene Pläne für Hochwasserschutz

Die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes zur Sicherheit stoßen vor Ort auf starke Vorbehalte - 27.10.2016 06:00 Uhr

Verbaut, versandet und zugewuchert ist der Farrnbach im Burgfarrnbacher Ortsbereich. Pflegemaßnahmen werden für längst überfällig angesehen.

25.10.2016 © Foto: Ralf Rödel


Während die Burgfarrnbacher vor allem unter den Überschwemmungen nach Starkregen an der Regelsbacher Brücke leiden, arbeitet das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg an Vorkehrungen zum Schutz vor einem extremen Hochwasser, wie es statistisch gesehen nur alle 100 Jahre vorkommt. Dazu wurde, wie mehrfach berichtet, eine 185 Meter lange und 1,35 Meter hohe Ufermauer am Farrnbach oberhalb der Weinmühle geplant, alternativ ein 1,65 Meter hoher Deich, der einschließlich Wirtschaftsweg jedoch einen 17 Meter breiten Uferstreifen beanspruchen würde.

Weil weder die mit hohem technischen Aufwand verbundene Ufermauer noch der sehr viel Grundstücksfläche beanspruchende Deich bei Anwohnern ungeteilte Zustimmung findet, hat die Behörde als dritte Schutzvariante einen 180 Meter langen, an seiner Sohle 50 Meter breiten und sieben Meter hohen Querdamm präsentiert. Neu ist dieser Vorschlag im Prinzip allerdings nicht. Schon vor vielen Jahren war einmal ein Querdamm im Gespräch gewesen. Damals allerdings noch ein paar Nummern kleiner.

Warum die einst für tauglich eingestufte Lösung heute nicht mehr ausreichen soll, will vielen Burgfarrnbachern nicht einleuchten. Eine sanfte Lösung der Hochwasserproblematik fordert insbesondere auch Franz Stich, CSU-Stadtrat und früherer Burgfarrnbacher Bürgervereinsvorsitzender. Viel wäre nach Ansicht des jetzigen Bürgervereinschefs und Vorsitzenden der CSU-Stadtratsfraktion Dietmar Helm schon gewonnen, wenn das Wasserwirtschaftsamt beim Gewässerunterhalt sorgfältiger wäre. Damit Hochwasser besser abfließen kann, hält er vor allem den Rückschnitt der Ufervegetation und das Ausbaggern der Bachsohle für nötig.

Die große Hochwasserlösung verteidigen das Wasserwirtschaftsamt und die Fürther Bauverwaltung mit dem Hinweis auf die inzwischen viel strengeren Anforderungen an Schutzmaßnahmen. Die Kriterien sind nach den dramatischen Überschwemmungen in jüngster Zeit unter dem Eindruck des Klimawandels verschärft worden.

Schon weil für das Rückhaltevolumen von 590.000 Kubikmeter eine Fläche von 26 Hektar erworben werden müsste, werden der großen Damm-Variante die geringsten Realisierungschancen gegeben. Kritiker sehen in diesem Vorschlag deshalb nur den Zweck, die ungeliebten anderen Lösungen zu befördern.

Ginge es nach den Anwohnern, dann sollte die Stadt zunächst für einen besseren Ablauf des Regenwassers in den Farrnbach sorgen. Denn fürs Regenwasser ist die Stadt zuständig, während der Farrnbach Sache des Wasserwirtschaftsamts ist. Doch Baureferent Joachim Krauße warnt vor Eingriffen, die hernach korrigiert werden müssen, wenn klar ist, wie der Schutz vor 100-jährigem Hochwasser aussieht. So müsse man auf ein an der Regelsbacher Brücke geplantes Pumpwerk Rücksicht nehmen.

Neue Bestandsaufnahme

Die Anregung, den Hochwasserschutz doch nur in der kleineren Variante zu verwirklichen, wenn die Betroffenen bereit wären, im Notfall auf Schadenersatz verzichten, wertet Rechtsreferent Mathias Kreitinger als nicht realistisch. Schließlich sei das Wasserwirtschaftsamt verpflichtet, die Auflagen zu erfüllen. Um in der Diskussion nicht länger auf der Stelle zu treten, hat der Bauausschuss die Verwaltung beauftragt, ein Planfeststellungsverfahren für den Hochwasserschutz einzuleiten. Dazu ist eine Bestandsaufnahme aller relevanten Einflussfaktoren nötig – auch in den Nachbargemeinden westlich von Burgfarrnbach. Der Arbeitsauftrag geht ans Wasserwirtschaftsamt. Es muss nun Fakten auf den Tisch legen, um die Debatte zu versachlichen.

VOLKER DITTMAR

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