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Chance für Zugtunnel zwischen Doos und Kronach schwindet

Ausbaustrecke genießt im neuen Bundesverkehrswegeplan keine Priorität - 24.03.2016 06:00 Uhr

Ein Planspiel ohne Aussicht auf baldige Realisierung: Parallel zum Frankenschnellweg könnten Güterzüge in ferner Zukunft einmal unterirdisch geführt werden. © Grafik: Deutsche Bahn / Vectrovision


Anfang Februar noch hatte der Fürther CSU-Bundestagsabgeordnete und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt eine baldige Entscheidung angemahnt. Im neuen Bundesverkehrswegeplan rangiert das 300-Millionen-Projekt nun aber nur noch unter ferner liefen. Der städtische Verkehrsplaner Matthias Bohlinger meint auf Anfrage der FN, man könne darüber streiten, ob es sich um eine Beerdigung dritter Klasse handelt. Die Realisierung des Güterzugtunnels sei jedenfalls deutlich unwahrscheinlicher geworden. Im Plan werde nur noch ein potenzieller Bedarf festgestellt.

Den Grund dafür vermutet Bohlinger in einem Konkurrenzprojekt: Zur Aufnahme des Güterverkehrs wird nämlich auch eine zweigleisige Trasse zwischen Hof und Regensburg in Erwägung gezogen. Außerdem zieht der Verkehrsplaner auch das rückläufige Güteraufkommen der Bahn ins Kalkül. Bahnsprecher Frank Kniestedt bestätigt, dass über verschiedene Korridore diskutiert wird, will aber die aktuellen Planvorgaben des Bundes nicht kommentieren. Die Bahn sei nur ausführendes Organ.

Das separate Führen der Güterzüge ist in Fürth eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Kapazitäten für den Personenfernverkehr frei werden. Wie berichtet, will die Bahn mittelfristig wieder Intercity-Züge im Zweistundentakt im Hauptbahnhof halten lassen. Zugleich würde die Tunnellösung auch die Lärmbelastung von Wohngebieten reduzieren. Kniestedt zufolge ist sie noch lange nicht verworfen. Vielmehr handle es sich um ein sehr langfristiges Vorhaben, dessen Umsetzung einfach noch nicht absehbar sei. Außerdem sieht er darin eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, da es auch um Verteilung von Infrastruktur gehe. Es sei durchaus möglich, dass sowohl die Güterzugtrasse zwischen Regensburg und Hof als auch der Tunnel zwischen Nürnberg und Fürth einmal realisiert werden.

Stadt lehnt S-Bahn-Schwenk ab

Was das Projekt im Untergrund aber auch bremst, ist die Ungewissheit über die Führung der S-Bahn zwischen Stadeln und Eltersdorf. Wie berichtet, lehnt die Stadt den von der Bahn geplanten Schwenk durch das Knoblauchsland zur Schmalau seit Jahrzehnten vehement ab. Stattdessen fordert sie eine Trassenführung entlang der Bestandsstrecke, die weniger in die Landschaft eingreift.

Der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Ebensfeld entwickelt sich indes, so Kniestedt, zunehmend kontinuierlicher. Der Bundesverkehrswegeplan sieht nach Informationen von Matthias Bohlinger zudem ein drittes Gleis auf der Würzburger Strecke bei Siegelsdorf vor. Damit soll ein Engpass im Fernverkehr beseitigt werden. Der Verkehrsplaner bedauert, dass nur etwa ein Drittel der Finanzmittel für Neubauprojekte vorgesehen sei. Der überwiegende Teil fließe in den Unterhalt.

Keine Bewegung bringt das Bundespaket für ein weiteres Fürther Langzeitprojekt: den Hüttendorfer Talübergang. Zuständig ist hier der Freistaat Bayern. Der stuft das von Naturschützern kritisierte Vorhaben laut Bohlinger weiterhin für nicht vordringlich ein. Vor 2020 sei mit einer Entscheidung kaum zu rechnen

Erstmals können Bürger, Firmen und Verbände jetzt Stellung zum Entwurf des Bundesverkehrswegeplans nehmen. Informationen zur Auslegung vor Ort gibt es online unter: www.bmvi.de/bvwp2030-flyer. Stellungnahmen können bis zum 2. Mai über folgende Internetseite abgegeben werden: www.bmvi.de/bvwp2030. Außerdem ist eine Telefon-Hotline zur Öffentlichkeitsbeteiligung unter der Rufnummer (030) 20 08 23 45 eingerichtet. 

Volker Dittmar

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