Montag, 28.09.2020

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Comödie Fürth: Mit diesem Konzept geht's in die neue Saison

"Unkraut vergeht nicht!" hat heute Premiere vor höchstens 160 Zuschauern - 15.09.2020 12:00 Uhr

Es geht doch nichts über gesunde Ernährung: Martin Rassau, Sabrina Anderlik, Volker Heißmann, André Sultan-Sade und Christin Deuker (v.li.) bringen eine verschlafene Gartenkolonie gründlich auf Trab.

© Hans-Joachim Winckler


Die gute Nachricht vorweg: Die neue Produktion der Comödie hat inhaltlich nichts, aber auch gar nichts mit dem C-Wort zu tun. "Unkraut vergeht nicht!" hätte auch 2019 oder 1999 auf dem Spielplan stehen können. Der ganze saublöde Virenkrempel lässt sich also ab diesem Dienstag am Comödien-Platz gut bis sehr gut vergessen, 90 Minuten lang, mit einer Pause.

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In Diensten der Lachmuskeln: Die Comödie von Heißmann und Rassau

Kinder, wie die Zeit vergeht: Am 8. Mai 1991 eröffneten Volker Heißmann und Martin Rassau ihr erstes eigenes Theater im Nürnberger Mautkeller. Seit 1998 sind die Komiker Chefs der Comödie in der Fürther Theresienstraße. Eine Erfolgsgeschichte in Bildern.


Aber dann ist er eben doch da, der weiße Elefant im Saal. Niemand sieht ihn, gleichwohl wissen alle, dass er natürlich auch durch die Comödie trampelt. Kurz glaubt der Generalprobenbesucher nämlich, dass die Hausherren das Thema Bestuhlung erst noch angehen müssen. Aber nein, haben sie längst. Durchs Parkett kannst du jetzt mit Inlinern fahren. Die vorderste Tischreihe ist zwei Meter von der Bühne entfernt. Denn es ist, wie es ist: 160 Leute dürfen ab sofort rein in den Saal, der sonst 380 fasst. Für Comödien-Gänger, die sich nach Herzenslust ausstrecken wollen, vermutlich eine gute Nachricht.

An den großzügig auseinander gerückten Tischen finden vier Besucher Platz, der Ticket-Verkauf für "Unkraut vergeht nicht!" läuft nur blockweise. Heißt: Gruppen in Vier-Personen-Stärke müssen einen Tisch kaufen, drei verschiedene Preiskategorien - von 100 bis 180 Euro - gibt es hier. Ein Tisch, ein Hausstand. Paare und Dreier-Gruppen platzieren die Gastgeber oben im Rang.

Niemand muss Angst haben

"Wir wollen zeigen: Unser Publikum muss keine Angst haben, man kann wieder ausgehen und Theater genießen", sagt Volker Heißmann, der für die Lage, in der die freie Theaterszene aktuell steckt, nicht mal mehr Galgenhumor übrig hat. "Im Hofbräuhaus, das sonst über 1000 Gäste fasst, dürfen jetzt 750 sitzen. In einem Saal. Das können Sie niemandem mehr erklären. Es ist ein Unding, dass in der Kultur nichts weiter geht."

Entsprechend groß ist die Hoffnung der Fürther Comödianten, dass aus 160 Besuchern bald wieder 380 werden. Mittelfristig jedoch wird das nicht möglich sein. Aus diesem Grund hat das Haus für die gesamte, heute startende Saison das Abonnement-Angebot ausgesetzt.

Der Logistik-Aufwand in einem Taifun aus Absagen, Terminverschiebungen und kurzfristigen Ausfällen wäre mörderisch. Immerhin, wer im Besitz eines Abos ist, erhält in dieser Saison 50 Prozent Preisnachlass - und wer bereits eine Eintrittskarte hat, aber in Quarantäne muss, bekommt sein Geld zurück. Theater 2020, so schaut’s aus.

Getränkeversorgung am Tisch

Für ein möglichst unbeschwertes Theatererlebnis sorgen ferner eine pausenlos arbeitende Lüftungsanlage, der neue Besucheraufzug, der in Bälde in Betrieb genommen wird, sowie eine Getränkeversorgung am Tisch (Gäste im Rang können Getränke an der Foyer-Bar bestellen).

Dennoch fahren Heißmann und Rassau auf Sicht, statt der üblichen 30 Abende steht "Unkraut vergeht nicht!" 13 Mal auf dem Spielplan, Mitte Oktober beginnen die Gastspiele der Kabarettisten und Comedians. Zum Jahresende ist die Wiederaufnahme der "Lustigen Witwe" geplant - eine Hausproduktion, allerdings mit Riesenaufwand und XL-Besetzung. Weiß der Himmel, ob das klappt.

Völlig durchgedrehte Schlager-Gala

Und womit beginnt "Unkraut vergeht nicht"? Mit einem herzhaft fränkisch ausgetragenen Machtkampf in der Chefetage eines Kleingartenvereins. Hat in Zukunft Siggi (Rassau) das Sagen oder Fritz (Heißmann)? Und wie, zum Teufel, lässt sich das Finanzamt bei Laune halten? Antwort: Mit einer schlagerseligen Benefiz-Gala, die nach der Pause jegliches Unkraut im Kopf vergessen lässt.

"Der Raub der Sabinerinnen" hätte es zum Saisonstart sein sollen, ein opulenter Schwank-Klassiker; doch die neuen Umstände erfordern das genaue Gegenteil eines großen Ensembles. So entwickelten Heißmann und Rassau - ergänzt um den Feinschliff von Haus-Dramaturgin Stephanie Schimmer - seit dem Frühjahr das Konzept für diesen Kleingärtner-Spaß, der neben den Hausherren (und Mitstreiter Marcel Gasde) vier weitere Schauspielerinnen und Schauspieler in Lohn und Brot hält - Lohn und Brot, möglich gemacht durch ein Förderprogramm des Freistaats, um dessen Teilhabe sich die Comödie beworben hatte, und das nun ermöglicht, dass die Comödien-Geschäftsführer mit ihrem knapp 90köpfigen Team zumindest bis Jahresende ruhig schlafen können. Unkraut vergeht nicht. Hoffentlich.

"Unkraut vergeht nicht": Premiere am 15. September, 19.30 Uhr, Comödie (Comödien-Platz 1). Karten-Tel. 74 93 40. 13 Aufführungen bis 4. Oktober.

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