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Dienstag, 07.07.2020

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Comödie gegen Corona: Waltraud & Mariechen im Netz

Heißmann und Rassau bieten Lach-Therapie per Live-Übertragung an - 20.03.2020 16:00 Uhr

Die Art der Präsentation macht auch eine andere Art der Feuilleton-Kritik erforderlich: FN-Mitarbeiterin Sabine Rempe verfolgt den Auftritt mit Stift und Block auf ihrem PC-Bildschirm. © Foto: Rempe


Keine sozialen Kontakte. Klar, das ist ein Gebot dieser Tage. Volker Heißmann und Martin Rassau tun’s trotzdem. Sie sind da, ganz nah – und doch garantiert ungefährlich. Bei der ersten Direkt-Sendung aus der Comödie Fürth, die auf Facebook und Instagram von vielen begeisterten Zuschauern miterlebt wurde, war nur eines ansteckend: der Spaß.

Schick und farbenfreudig sehen die beiden aus, wie immer eben. Auch die Bühne wirkt vertraut, wie sie so auf dem heimischen PC-Bildschirm auftaucht. Was natürlich nur die beiden Humorhelden sehen, die jetzt ins Blickfeld rücken, sind die leeren Stühle in ihrer guten Stube.

Kein Begrüßungsapplaus, kein Klatschen als Antwort auf die Gags ist vernehmbar. Dafür machen sich ab jetzt die zeitweise mehr als 2000 Online-Mitgucker – rechnet man Facebook und Instagram zusammen – bemerkbar. Im Sekundentakt ploppen Smileys, Herzen und Emojis auf, die klatschende Hände zeigen.

Das können Martin Rassau und Volker Heißmann in diesem Moment freilich noch nicht sehen. Trotzdem sind die beiden vom Start weg in Spiellaune, sie sind spontan, schlagfertig und auf den Punkt präsent. Allein dafür: Chapeau. Es ist sind dann auch genau diese Eigenschaften, die die Sketche beflügeln, die jetzt kommen.

Bilderstrecke zum Thema

In Diensten der Lachmuskeln: Die Comödie von Heißmann und Rassau

Kinder, wie die Zeit vergeht: Am 8. Mai 1991 eröffneten Volker Heißmann und Martin Rassau ihr erstes eigenes Theater im Nürnberger Mautkeller. Seit 1998 sind die Komiker Chefs der Comödie in der Fürther Theresienstraße. Eine Erfolgsgeschichte in Bildern.


In der mitlaufenden Kommentarspalte bei Facebook stellen sich inzwischen die fernen Mitlacher vor. Da werden Grüße aus Arizona und Brasilien, aus Scharbeutz und Seukendorf geschickt. Ein weltweiter Spaß, der ganz nebenbei Fränkisch-Kenntnisse vertieft.

Immerhin ist ab jetzt jedem klar, dass "Dulaggn etwas größer sind als Dellen". Oder wer hätte geahnt, dass "Veganer eine eigene Gottheit haben, den Kräuter-Buddha"? Richtig, auch das ist ein Witz, den – nur so als Beispiel – Hannoveraner vielleicht nicht zur Gänze goutieren.

Selbst die Freunde der Hochkultur kommen in den gut 60 Live-Spielminuten auf ihre Kosten. Der elegante Parforce-Ritt durch das Operetten- und Opernrepertoire hat Klasse. Denn Martin Rassau stimmt Evergreens von Gräfin Mariza bis La Bohème an, und er tanzt sogar dazu.

Eingebettet ist das Vergnügen in einen heiteren Sketch aus einem Kartenvorverkaufsbüro. Ein Thema, das für die Comödie als Privattheater in diesen Tagen eine besondere Bedeutung hat. Aktuell werden alle Vorstellungen bis 20. April verlegt. Die Karten behalten aber ihre Gültigkeit, Ersatztermine werden derzeit gesucht.

Für das private Theater mit seinen vielen freien und festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie vertraglichen Verpflichtungen mit vielen Künstlerinnen und Künstlern ist das eine außergewöhnliche Belastung – versteht sich.

Von solchen Sorgen ist allerdings während der Online-Übertragung nichts zu spüren. Volker Heißmann lässt stattdessen die Gedanken Karussell fahren, als er von seinen Erlebnissen mit einer Henne erzählt. Nach 46 Minuten treten dann Fürths Vorzeige-Witwen vor die Kamera.

 

Außergewöhnlich offen

 

Waltraud und Mariechen feiern ihr Wiedersehen mit dem derzeit gebührenden Abstand, sind aber ansonsten außergewöhnlich offenherzig. So verrät Waltraud, dass bei ihrer Aussegnung dereinst brachiale Klänge von Rammstein gespielt werden. Und wer hätte gedacht, dass Mariechen im weltweiten Netz ihr Alter offenbart? Weil man das bei alten Damen einfach nicht tut, sei das hier indes nicht enthüllt. Aber der Geburtstag: "Es ist der 31. Oktober", verrät sie. Ein Tag, an dem seither "Hallo Wien" gefeiert werde . . .

Im leeren Saal der Comödie ist es inzwischen übrigens nicht mehr komplett still: jemand lacht. Und bei den Facebook-Kommentaren freuen sich alle und wollen wissen, wer sich da so mitreißend freut. Für den Bruchteil einer Sekunde gelingt es Marcel Gasde, der anscheinend die Kamera bedient, das Geheimnis zu lüften: Es ist die Dramaturgin und Regisseurin Stephanie Schimmer. Und die hat gleich wieder einen Lach-Grund, wundert sich doch Waltraud über sexistische Werbung im Fürther OB-Wahlkampf: " . . . wer sich so halbnackert auf einem Paddelbrett in den Fluss nei stellt. . ."

Zum Abschied gibt es ein Versprechen von Heißmann und Rassau: "Wir kommen wieder" – und zwar schon diesen Freitagabend um 19 Uhr. Auf Facebook ist ihr Auftritt auf der Seite der Comödie immer noch abrufbar – und kann am Morgen danach schon längst mehr als 30 000 Aufrufe verzeichnen.

FÜRTH. VON SABINE REMPE

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