Corona-Kontaktdaten: Fürths Wirte wollen keine Sheriffs sein

Birgit Heidingsfelder
Birgit Heidingsfelder

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4.10.2020, 06:00 Uhr
Die Registrierung der Gäste-Kontaktdaten wurde in Corona-Zeiten für das Gastro-Personal Teil des Jobs.

© Foto: Hans-Joachim Winckler Die Registrierung der Gäste-Kontaktdaten wurde in Corona-Zeiten für das Gastro-Personal Teil des Jobs.

Bund und Länder haben Bußgelder für Gäste angekündigt, die in Cafés und Restaurants zur Nachverfolgung möglicher Corona-Infektionsketten falsche Daten hinterlassen. Gastronomen sollen die Angaben auf Plausibiliät prüfen. Ob die Kontrollpflicht soweit geht, dass sie bei Falschangaben auch zur Kasse gebeten werden, blieb vorerst unklar.

Sie könne sich allenfalls vorstellen, dass Wirte "offenkundige Unrichtigkeiten" wie die Namensangabe Donald Duck anmahnen müssten, sagte die Leiterin des Fürther Rechtsamts, Hannah Gawehns. Aber: Noch fehle eine rechtsverbindliche Grundlage. "Wir müssen abwarten, was die Staatsregierung genau formuliert." Kontaktdatenlistenverstöße gab es in Fürth bisher nur "sehr vereinzelt".

Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Ingrid Hartges, mahnte bereits: "Es ist ein Streit unter Rechtsexperten, ob Gastwirte das Recht haben, sich den Personalausweis vorzeigen zu lassen." Ihr Kollege Paul Reubel, Dehoga-Vorsitzender in Stadt und Landkreis Fürth, sieht die Sache so: "Eine Plausibiliätskontrolle wäre eine Passkontrolle, und das ist was Hoheitsrechtliches, das müsste die Polizei machen."

Reubel, der in Zirndorf ein Hotel und Restaurant betreibt, betont, sein Personal unterziehe die Formulare stets einem prüfenden Blick. Zweimal habe man es mit Mickey Mouse zu tun gehabt. "Dann mahnen Sie das an, und wenn der Gast danach Huber, Meier oder Schmidt hinschreibt, müssen Sie das glauben."

Solche Momente seien nicht die Regel, verursachten aber ein "ungutes Gefühl". Man habe als Wirt ja eine "Verpflichtung gegenüber dem Personal und der Gesellschaft". Aber wenn der Gesetzgeber Kontrollen einfordert, werde man zum "Hilfssheriff".

Wassilis Chassiotis, Wirt des griechischen Lokals "Penelope", versucht, seit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown die Corona-Auflagen "zu hundert Prozent" umzusetzen, er bietet Desinfektionsmittel an, lässt Kontaktdaten aufschreiben. . . Würde die Regierung ihm nun bei den Gästeformularen einen Teil der Verantwortung übertragen, fände er das "ein Unding". Doch glaubt er nicht, dass dieser Fall eintritt. Falls doch, geht er davon aus, dass die Bürger protestieren würden. "Es hätte doch niemand Verständnis dafür, dass man sich beim Restaurantbesuch ausweisen muss, bei Reisen über Ländergrenzen aber nicht."

Vertrauen als Basis für ein gutes Verhältnis

Sarah Stutzmann, Wirtin der Gaststätten "Sieben Schwaben" und "Herr&Kaiser", findet, dass Vertrauen die Basis für das Verhältnis zwischen Gastronom und Gast sein muss. Sie erlebt das Gros ihrer Kundschaft als kooperativ, auch wenn mitunter "kryptische Namen" auf den Zetteln stehen. "Aber wir haben halt nicht nur deutsche Gäste."

Ein Bußgeld für Falschangaben von 50 oder gar 1000 Euro, wie in Schleswig-Holstein angekündigt, findet sie irritierend. "Sicher, es gehe um die Gesundheit. Aber ist ein Zahlendreher bei der Telefonnummer Vorsatz oder Versehen? Und wer kontrolliert das alles?"

Stutzmann, die die Corona-Auflagen "sehr ernst" nimmt, wundert sich über manche Bäckerkette, vor der in der City "Tisch an Tisch und Stuhl an Stuhl steht". Und sie kennt "keinen Kollegen, der schon mal kontrolliert wurde."

Ordnungsamtschef Jürgen Tölk hat im August erklärt, aus personellen Grünen werde nicht jedes Lokal überprüft. Der Fokus lag laut Gawehns auf dem Schutz- und Hygienekonzept. Verstöße dagegen wie der Verzicht auf Gästedaten seien allerdings bisher "ein blinder Fleck in der Infektionsschutzverordnung".


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