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Das Trauerspiel um die alte Wolfsgrubermühle

Verfall des markanten Baudenkmals schreitet rapide voran - Untere Mühle ist schon zum Abbruch vorgesehen - 12.02.2009

Neben dem massiven Klinkerbau aus dem Jahre 1913 gibt die Untere Mühle aus dem 18. Jahrhundert ein Bild des Jammers ab. Die Abbruchgenehmigung ist zwar 2007 abgelaufen, die Stadt will einen Abriss aber nicht verhindern. © Hans–Joachim Winckler


Der Zahn der Zeit nagt unerbittlich am alten Gemäuer. Gerade jetzt, da kein grüner Blättervorhang die Schadstellen verbirgt, wird das offenkundig. Und was der Verfall nicht leistet, das besorgt der Vandalismus. Scheiben werden eingeworfen, Feuer gelegt.

Der Verfall insbesondere der Unteren Mühle, Mühlstraße 23, ist schon nicht mehr aufzuhalten. Die Balken des obendrein mit Quecksilber belasteten Fachwerkbaues - ehemals eine Spiegelpolierstätte - sind total morsch, das fensterlose Gemäuer völlig marode.

Die Stadt hat das Baudenkmal, das ihr zur Hälfte gehört, längst zum Abbruch freigegeben und möchte zur Aufwertung des Areals an seiner Stelle einen weiteren Steg über die Pegnitz schlagen. Allerdings ist die Abbruchgenehmigung 2007 abgelaufen. Dass die Stadt den Abbruch jederzeit wieder genehmigen wird, teilt der Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft, Ralf Röder, auf Anfrage der Fürther Nachrichten mit.

Widerstand angekündigt

Allerdings gegen den entschiedenen Widerstand der Denkmalpflege. Die muss vor einer erneuten Genehmigung jedenfalls zur Stellungnahme hinzugezogen werden. Wie Stadtheimatpfleger Alexander Mayer zu bedenken gibt, sind mit Quecksilber belastete Gebäude andernorts schließlich erfolgreich saniert worden.

Vergeblich hat sich die Stadt nach Röders Worten im Kontakt mit verschiedenen Investoren um Sanierungskonzepte bemüht. Der Amtsleiter bedauert den Verlust zwar, meint aber, es gebe aussichtsreichere Sanierungsobjekte in Fürth, für die ein Engagement lohnender sei. Auch Alexander Mayer hat sich in Gesprächen mit Investoren für einen Erhalt der Unteren Mühle eingesetzt. Ebenfalls erfolglos.

«Der Letzte hat mich angeschaut wie ein Marsmännchen», schildert Mayer die Aussichtslosigkeit seines Einsatzes. Der Erhalt sei einfach nicht rentabel. Außerdem räumt der Stadtheimatpfleger ein: «Wenn man sämtliche Fachwerkbalken rausreißen muss, handelt es sich nicht mehr um das historische Gebäude.» Gleichwohl sei jeder Abriss eines alten Fachwerk- oder Sandsteingebäudes ein unwiederbringlicher Verlust, weil solche Häuser heute aus Kosten- und Energiespargründen nicht mehr baubar seien. Eine Renovierung der Unteren Mühle hätte man sinnvollerweise bereits in den 1980er Jahren in Angriff nehmen müssen.

Als besonders wertvoll stuft Mayer das ein- bis zweigeschossige Wirtschaftsgebäude der Wolfsgrubermühle ein. Über dem Portal prangt die Jahreszahl 1737. Von Bedeutung ist die Wolfsgrubermühle als historisches Wirtschaftszentrum. Hier hatte unter anderem der berühmte Münzmacher Conrad Stutz seine Werkstatt.

Augenfällig ist heute insbesondere der markante Klinkerbau aus dem Jahre 1913. Um ihn macht sich der Stadtheimatpfleger die wenigsten Sorgen, da dieser zur Aufnahme eines schweren Mahlwerks sehr massiv gebaut worden sei.

Nachdem Pläne zur Errichtung eines Multiplexkinos, Thermalbades, Dienstleistungszentrums und einer Seniorenwohnanlage auf dem 6900 Quadratmeter großen Wolfsguberareal gescheitert sind, ist derzeit eine Nutzung der Mühle für Wohnzwecke, Tagungen und Seminare im Gespräch. Weil Nachbarn damit nicht einverstanden sind, beschäftigt sich zunächst das Verwaltungsgericht mit dem Projekt.

Wenig Hoffnungen gibt es inzwischen für das älteste Denkmal der Fürther Eisenbahngeschichte, den Lokschuppen aus dem Jahre 1860. Ausgerechnet im Vorfeld des 175-jährigen Jubiläums der ersten deutschen Eisenbahnlinie hat die Bahn-Tochter Aurelis einen Abbruchantrag gestellt. Damit reagiert die Immobiliengesellschaft auf die städtische Anordnung des sofortigen Vollzugs von Notsicherungsmaßnahmen.

Durch das eingebrochene Dach dringen ungehindert Frost und Feuchtigkeit in das Gemäuer ein. Die Sanierungskosten wurden auf 705 000 Euro geschätzt. Eine Notsicherung würde dagegen nur rund 40 000 Euro kosten. Bereits 1968 war unweit des Lokschuppens das älteste Bahnwärterhäuschens Deutschlands abgerissen worden.

Volker Dittmar

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