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DB beklagt „Pfusch“ beim S-Bahn-Ausbau

Hunderte Bohrpfähle neben den Gleisen sollen zu dünn sein — Sanierungskonzept wird gefordert - 23.07.2011 13:00 Uhr

Im Bild ist rechts ein Teil der Bohrpfähle zu sehen, die — wie die Bahn bestätigt — im unteren Bereich nicht den gewünschten Durchmesser aufweisen. Nachdem Platz für zwei neue S-Bahn-Gleise geschaffen wurde, sollen sie den Hang stabilisieren. © Hans Winckler


Für Karl G. ist die Sache klar: „Um Geld zu sparen, hat es sich hier eine Firma besonders leicht gemacht“, sagt der Fachmann, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Nach seiner Beobachtung geht es um 300 bis 400 sogenannte Bohrpfähle, die an der Bahnstrecke platziert wurden. Ihre Aufgabe: Nach dem viergleisigen Ausbau der Strecke müssen sie den Hang neben den Gleisen stabilisieren.

Lang und breit ragen die Pfähle in die Höhe, und genau in dieser Breite sollten sie auch im Boden verankert sein. Doch dem ist nicht so. „Die Pfähle verjüngen sich im Erdreich, sie werden schmaler.“ Karl G. wirft dem Unternehmen vor, dies bewusst gemacht zu haben. „Je breiter man in den Sandstein bohrt, desto aufwendiger und teurer ist das Ganze natürlich.“

Auf FN-Anfrage bestätigte die Deutsche Bahn die Vorwürfe. Von vorsätzlicher Täuschung will Bahnsprecher Frank Kniestedt zwar nichts wissen, er sagt aber: „Das ist, wie man volkstümlich sagt, Pfusch am Bau.“ Zwar stimme die Tiefe der Pfähle, aber nicht ihr Durchmesser im unteren Bereich. Die Bahn habe den Mangel angezeigt und einen Gutachter eingesetzt. Stichprobenartige Untersuchungen hätten ergeben, dass so gut wie alle Bohrpfähle im Bereich von Hardbrücke und Würzburger Straße dieses Manko aufweisen — insgesamt mehrere Hundert Stück.

Laut Kniestedt gibt es zwar kein „Standsicherheitsproblem“, nichts drohe einzustürzen. Dennoch will die Bahn darauf pochen, dass der Mangel behoben wird. „In der Ausschreibung der Bauarbeiten war eindeutig festgelegt, wie die Bohrpfähle — auch im Boden — auszusehen haben“, beharrt der Sprecher.

Aufgrund des geringeren Durchmessers sei zu befürchten, dass die Pfähle nicht die rund 100 Jahre alt werden, wie es eigentlich gewährleistet sein sollte. Langfristig könnten „chemische Prozesse“ ihre Stabilität beeinträchtigen.

Die DB habe daher inzwischen die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Fürther Bogen, die für den Ausbau der S-Bahnstrecke in diesem Bereich verantwortlich ist, aufgefordert, „ein Sanierungskonzept vorzulegen“. Wie das im Detail aussehen wird, ist noch unklar. Nicht denkbar sei jedenfalls, die Pfähle einfach wie kaputte Zähne zu ziehen und zu ersetzen.

Frist wird eingehalten

Wesentlich zugeknöpfter gibt man sich bei der Arge Fürther Bogen, einem Verbund der Baununternehmen Züblin und Heilit-Wörner. Die Firma, die für die Bohrpfähle verantwortlich zeichnet, sei ein Subunternehmer der Arge, heißt es. Weder bestätigen noch dementieren wollte man auf Anfrage unserer Zeitung die Nachricht, dass die Arge die Zusammenarbeit mit dem besagten Unternehmen vorzeitig beendet habe.

Aktuell könne man nicht mehr zu der Sache sagen. Man sei intern noch dabei, die Angelegenheit zu prüfen. Fest stehe lediglich: Die Arge werde die vertragliche Fertigstellungsfrist – Dezember 2012 – des S-Bahn-Ausbaus im Bereich zwischen Siebenbogenbrücke und Regnitzbrücke einhalten.

Die Bahn als Bauherrin will nun ganz genau hinschauen, wenn die nächsten Bohrpfähle gesetzt werden, kündigt Kniestedt an. Welcher Schaden entstanden ist, lasse sich noch nicht beziffern. Man behalte sich jedoch vor, „bauvertragliche Ansprüche“, sprich Schadenersatz, zu fordern.

Johannes Alles

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