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Donnerstag, 02.04.2020

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Demeter oder Bioland: Im Dschungel der Etiketten

Welche Aussagekraft haben Bio-Siegel? Klaus-Dieter Arndt klärte auf Einladung des BN in Zirndorf auf - 20.02.2020 06:00 Uhr

Einen Überblick über Bio-Labels lieferte erst unlängst die Biofach in Nürnberg, von der dieses Foto stammt. Doch längst sind Produkte mit Öko-Auszeichnung nicht mehr nur im Fachhandel zu haben, sondern auch im Discounter und Supermarkt. © Günter Distler


Das bestätigt auch Klaus-Dieter Arndt während seines Info-Abends beim Bund Naturschutz in Zirndorf. Der Lehrer aus Erlangen hat sich gründlich mit der Materie beschäftigt und jede Menge Papier gewälzt. "Allein die Hintergründe zum EU-Bio-Siegel – das aus Sternen geformte Blatt auf grünem Grund – umfassen 100 Seiten, davon sind 30 Seiten nur Definitionen", berichtet er. "Und dabei bewertet dieses Siegel allein den Umgang mit Tieren und Pflanzen. Ob das Produkt für den Menschen gesund ist, wird dabei gar nicht gefragt."

Und die großen Labels, wie das EU-Siegel, sind nur die Spitze des Eisbergs: Über 100 verschiedene Bio-Zeichen fand Arndt bei seiner Recherche – und die Zahl geht nach oben. Denn: "Bei Produkten mit Bio-Siegel steigt die Kaufwahrscheinlichkeit um fünf Prozent und der Preis um 15 Prozent."

Da liegt es nahe, dass auch schwarze Schafe ein Stück vom Bio-Kuchen abknabbern wollen: "Die nutzen dann schwammige Formulierungen wie ,aus kontrolliertem Anbau‘ oder ,von staatlich anerkannten Bauernhöfen‘, die in Wirklichkeit gar nichts aussagen, da sie nicht geschützt sind."

Nach persönlichem Gusto

Woran also soll sich der Kunde orientieren? "Das kommt drauf an, was ihm am wichtigsten ist", meint Arndt. Manche Siegel legen mehr Wert auf Regionalität, andere auf faire Produktion, wieder andere auf das Tierwohl. Wer sich nicht so genau festlegen möchte, könne beherzt zu den Produkten von Demeter greifen: "Diese Betriebe haben insgesamt die strengsten Regeln für die Einhaltung eines natürlichen Kreislaufes."

Aber auch das kann sich in den nächsten Jahren ändern: Immer mehr Discounter springen auf den Bio-Zug auf, der Wettbewerb zwischen den Anbietern verschärft sich. Manche Siegel laufen aus, neue kommen hinzu.

Einen Vorschlag, wie man das Dickicht lichten könnte, hat Arndt: "Ich mag das Nutri-Score-Etikett, das einen nicht mit Kleingedrucktem erschlägt, sondern auf einen Blick in Rot und Grün zeigt, was an dem Produkt gut oder schlecht ist." Natürlich könne es auch hier zu Missbrauch und Scharlatanerie kommen, aber dennoch sollte man so oft wie möglich Bio-Lebensmittel kaufen: "Wer das nicht tut, fördert die Industrialisierung der Landwirtschaft. Außerdem tut man sich mit Bio-Lebensmitteln selbst etwas Gutes."

Peter Romir

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