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Donnerstag, 02.07.2020

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Der Fürther Stromspar-Check kommt aufs Land

Initiative absolviert derzeit in Langenzenn einen Testlauf mit großer Nachfrage - 31.01.2020 21:00 Uhr

Der Zähler soll nicht so schnell laufen: Dabei will der Stromspar-Check mit seiner Beratung helfen. Neue Geräte und ein verändertes Verhalten machen es möglich. © Julian Stratenschulte/dpa


Und gerade in Haushalten mit kleinem Einkommen belasten solche Ausgaben das Budget besonders. Das muss aber nicht sein.

In Fürth hat sich die Kirchliche Beschäftigungsinitiative (KBI) seit fast zehn Jahren mit dem Stromspar-Check dem Ziel verschrieben, diese Belastungen zu senken. Seit kurzem können sich Bürger auch in Langenzenn beraten lassen.

Deutschlandweit gibt es mittlerweile etwa 150 vom Bundesumweltministerium geförderte Standorte des Projekts. Um eigenständig zu sein, sei Langenzenn zwar nicht groß genug, erläutert Susanne Wich von der KBI, dank der Nähe zu Fürth könne die Kleinstadt nun aber von dort aus beraten werden. Die Nachfrage ist offenbar groß. Schon neun der probeweise 30 zwischen Stadt, Stadtwerken und KBI vereinbarten Checks wurden laut Wich in den ersten Wochen fest terminiert.

"Das ist bereits jetzt ein toller Erfolg, den wir so nicht erwartet haben", sagt sie. Großen Anteil daran hat ihrer Ansicht nach KBI-Mitarbeiterin Anita Schaller. Egal, ob bei der örtlichen Tafel, wo sich Bedürftige mit Lebensmittel versorgen können, oder am Infostand im Gebäude der Stadtwerke: "Ihr gelingt es, gut mit den betroffenen Menschen ins Gespräch zu kommen." Das Angebot ist ganz auf Haushalte mit geringem Einkommen zugeschnitten. Beim ersten Besuch werden sämtliche Strom- und Wasserverbräuche dokumentiert. Zusammen mit dem Nutzungsverhalten werden diese Angaben anschließend individuell analysiert und die entsprechenden Einsparpotenziale berechnet.

Bei einem zweiten Besuch erhält der Haushalt dann kostenlos die jeweils sinnvollen Energie- und Wassersparartikel sowie praktische Tipps für weitere Einsparmöglichkeiten durch Veränderungen der eigenen Gewohnheiten – beispielsweise beim Heizen und Lüften, Kochen oder Waschen.

"Beratung auf Augenhöhe" nennt Susanne Wich diese nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Zusätzlich ist es möglich, einen Zuschuss von 100 Euro für einen neuen Kühlschrank der Effizienzklasse A+++ zu erhalten – sofern der alte auch tatsächlich entsorgt wird.

Auch die Stadtwerke Langenzenn legen noch einmal 50 Euro drauf, "wenn die Beratenen bei uns Kunden werden", erklärt deren Leiter Ralph Lampert. Kunden, die mit ihren Zahlungen in Verzug sind, sprechen die Stadtwerke inzwischen direkt auf die Möglichkeit des Stromspar-Checks an. Bürgermeister Jürgen Habel zeigt sich mit dem Auftakt des Projekts mehr als zufrieden, schließlich werde das Beratungsangebot überraschend stark angenommen.

Anregung der Grünen

Angestoßen wurde es im vergangenen Jahr von den Langenzenner Grünen. "Wir wollen damit Menschen erreichen, die sonst kaum Gelegenheit haben, von der Energiewende zu profitieren", betont Stadträtin Margit Ritter. Für sie ist Sensibilisierung das A und O. Beratung und verbrauchsärmere Geräte seien ein Anfang, durch langfristige Verhaltensänderungen seien noch weitere spürbare Einsparungen möglich.

Für die KBI stellt die Ausweitung des Projekts nach Langenzenn ebenfalls einen interessanten Testlauf dar. "Wenn es gut läuft, würden wir zusätzlich gerne in anderen Kommunen des Landkreises beraten und könnten dann vielleicht sogar einen weiteren Mitarbeiter einstellen", sagt Susanne Wich. Dann würden noch mehr profitieren, denn die geschulten Stromsparhelfer waren in der Regel zuvor selbst langzeitarbeitslos.

Armin Leberzammer

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