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Der Kampf geht in die heiße Phase

Das Fürther Ringen um den Ausbau der S-Bahn entlang der Bestandstrasse - 23.08.2010 13:00 Uhr

Über freies Feld soll die S-Bahn nach der von Fürth energisch bekämpften Planung in einem großen Bogen am bestehenden Bahnhof in Stadeln vorbei zum Industriegebiet Schmalau geführt werden, © Hans-Joachim Winckler


Der Ton wird rauer, der Druck nimmt zu. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) drohen offen, dass Fürths Bedenken den S-Bahn-Bau insgesamt verzögern könnten. Dabei untersuchen bis Ende September noch Vertreter der Bahn, der Stadt und des Ministeriums in einer vom Wirtschaftsministerium eingesetzten Arbeitsgruppe das Für und Wider der verschiedenen Trassen.

Die Kommune hat sich gewappnet und attackiert mit einem Tüv-Gutachten die Bahnberechnungen, wonach ein Schwenk der Strecke zur Schmalau wirtschaftlicher erscheint. Den gut erschlossenen Bahnhof Vach in Stadeln wollen die Fürther nicht gegen eine schlecht angebundene Station im Niemandsland tauschen. In einem Aktionsbündnis pochen zahlreiche Organisationen auf ihre Interessen an einer S-Bahn-Trasse entlang der Bestandsstrecke. Unterstützung haben sie beim Eltersdorfer Nachbarn gefunden. Die Bahn ficht das jedoch nicht an. Dabei hat sie nach den Worten des städtischen Verkehrsplaners Matthias Bohlinger bereit 2001 errechnet, das ein Ausbau an der bestehenden Bahnlinie durchaus möglich ist. Mit Petitionen haben sich die Fürther vor einiger Zeit schon an den Bundestag und Landtag gewandt. Wie der Fürther SPD-Landtagsabgeordnete Horst Arnold berichtet, soll über beide Anträge in einem gemeinsamen Verfahren entschieden werden. Dazu werde auch ein Ortstermin erwogen.

Kein "gallisches Dorf"

Arnold wendet sich gegen die Legendenbildung, dass die Fürther mit ihrem Widerstand ein gallisches Dorf aufbauen. Zu schaffen machen dem Landtagsabgeordneten dabei vor allem die Querschüsse von Nürnberger Parteifreunden, die sich von einem Schwenk Impulse für das größtenteils auf Nürnberger Gebiet liegende Gewerbegebiet Schmalau erhoffen. Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) nennt dieses nicht abgestimmte Vorgehen egoistisch.

Auf ein halbes Jahr hin oder her dürfe es angesichts der Folgen einer möglichen Fehlentscheidung nicht ankommen. Als zutreffend bestätigt Jung Arnolds Hinweis, dass für den Weiterbau der S-Bahn von Erlangen nach Forchheim noch gar keine Mittel vorgesehen seien. Dies hatte Herrmann kürzlich für falsch erklärt.

Bund Naturschutz und die Grünen haben sich bereits klar gegen einen Schwenk durch das Knoblauchsland ausgesprochen. Heute Abend um 19.30 Uhr diskutieren Fürther Politiker mit Hilmar Laug, Geschäftsleiter der DB Regio Mittelfranken, im Pavillon der Adenaueranlage über den umstrittenen Schwenk. Moderiert wird die öffentliche Podiumsdiskussion von Arno Stoffels, Redakteur der Nürnberger Nachrichten.
  

VOLKER DITTMAR

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