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Donnerstag, 18.04.2019

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Der Verfall wird nicht aufgehalten

Die Untere Mühle des Fürther Wolfsgruber-Ensembles ist dem Untergang geweiht - 31.01.2006

Während der Fachwerkbau (Untere Mühle) bereits als nicht mehr zu retten gilt, sind die Pläne für eine Nutzung des Klinkerbaues dahinter noch nicht begraben. Foto: Günter B. Kögler


Kurz vor Weihnachten blieben die bisherigen Bemühungen zur Vermarktung des Geländes im Sand stecken. Eine Neumarkter Baufirma hatte neue Pläne zur Errichtung einer Seniorenwohnanlage hinter dem Sozialrathaus vorgelegt. Doch die Neubauten waren der Stadt zu hoch, wie Stadtplaner Peter Liebers erklärt. Diese sollen laut Bebauungsplan zum Fluss hin deutlich niedriger als das vorgelagerte Sozialrathaus sein.

Fest steht: Nur im Zusammenhang mit einer Verwertung des 6900 Quadratmeter großen Grundstücks kann die aufwändige Sanierung des alten Mühlenensembles geschultert werden. An Plänen hat es nicht gemangelt. Ein Multiplexkino mit Restaurant in der Mühle an der Pegnitz war schon einmal im Gespräch gewesen, und auch als Thermalbad-Standort wurde das Gelände gehandelt. Zerschlagen hat sich ferner das Vorhaben der Firma Regionalkonzept, im alten Mühlenkomplex ein modernes Dienstleistungszentrum zu etablieren. Mitgeschäftsführer Dieter Christoph hält inzwischen eine Wohnnutzung des zentralen Klinkerbaues aus dem Jahre 1913 für aussichtsreicher. Eine Idee, für die sich auch Stadtheimatpfleger Alexander Mayer begeistert.

Nässe und Quecksilber

Die unmittelbar anschließende Untere Mühle hat Ralf Röder, Technischer Leiter der Fürther Gebäudewirtschaft, längst abgeschrieben. Nach einem Brand nur notdürftig wieder verschlossen, hat der Fachwerkbau unter der Feuchtigkeit arg gelitten. Das von Schädlingen und Schimmelpilz befallene Gebälk ist laut Röder nicht mehr zu retten. Problematischer noch sei die Altlast aus der Zeit, in der das Gebäude als Spiegelfabrik genutzt wurde: Quecksilber.

Zwar könne die Kommune Eigentümer maroder Altbauten zur Sanierung verpflichten, doch vom Zwang lässt sie laut Röder lieber die Finger, weil damit sehr viel Ärger verbunden ist. Vielmehr konzentriere man sich auf die Beratung. Anstatt sich mit wenig aussichtsreichen Vorhaben vom Schlage der Unteren Mühle abzumühen, setze man lieber auf leicht realisierbare Instandsetzungen. Einen Schwerpunkt bildet dabei das Gebiet der westlichen Innenstadt. Hier unterstützt das Quartiersmanagement die Sanierungsbemühungen.

Als wichtiger Anreiz zur Sanierung erweist sich nach Röders Worten die in diesem Stadtbereich gewährte Städtebauförderung. Damit könnten Kurzgutachten zur Abklärung des Sanierungsaufwands finanziert werden, aber auch ausgewachsene Sanierungsgutachten. «Ohne staatliche Zuschüsse hätten wir hier schlechte Karten“, meint der Amtsleiter.

Im Hinblick auf die Sanierung der Wolfsgrubermühle ist seiner Ansicht nach noch Geduld nötig. Ein Problem sieht Stadtheimatpfleger Mayer in der Statik des von großen Mauerankern in Form gehaltenen Klinkerbaues. Historisch gesehen sei die Wolfsgrubermühle unbestreitbar von herausragender Bedeutung für Fürth. 

VOLKER DITTMAR

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