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Die Bibertbahn ist aufs Abstellgleis manövriert

Nach Prüfung des RSE-Betreibermodells verabschiedet sich der Verkehrsausschuss von der Reaktivierung - 24.09.2012 09:00 Uhr

Die Linie Dombühl–Dinkelsbühl im Landkreis Ansbach soll im Gegensatz zur Bibertbahn bis 2016 reaktiviert werden. Bei Probefahrten in einem RegioSprinter konnten sich die Fahrgäste 1995 über die Strecke und die Fahrzeuge informieren. © privat


Wie wiederholt berichtet, hatte sich mit der Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH (RSE) ein Eisenbahnunternehmen angedient, die Infrastruktur der Bibert-Bärbel auf eigene Kosten instand zu setzen. Die von dem Unternehmen vorgelegten Kalkulationen zu Investitionen, Einnahmen, Betriebsführungskosten sowie eine Einnahmen- und Ausgabenrechnung über eine Laufzeit von 22 Jahren hat die Kreisverwaltung zwischenzeitlich auf ihre Plausibilität prüfen lassen.

Messen lassen mussten sich die Zahlen der RSE an den Kosten, die VGN, das Gutachter-Büro intraplan sowie das Ingenieurbüro Gauff Rail Engineering bei der Machbarkeitsstudie 2011 ermittelt hatten. Während diese Studie von Investitionen in Höhe von 20,8 Millionen Euro ausgeht, rechnet die RSE mit 10,3 Millionen Euro, also mit nicht einmal der Hälfte.

Im Vergleich haben sich nach Einschätzung Dießls „einige deutliche Abweichungen“ gezeigt, allen voran diverse Kostenrisiken. Ins Detail geht die Sitzungsvorlage der Kreisverwaltung: So beruhe die Schätzung der RSE nur auf dem Streckenabschnitt ab dem Bahnhof Stein bis Leichendorf, die Machbarkeitsstudie schließe jedoch auch die Strecke vom Bahnhof Stein bis Nürnberg Hauptbahnhof ein. Zwei Millionen Euro setzt die VGN-Studie dafür an. Rein rechtlich wäre die Wiederherstellung dieses Trassenabschnitts Sache der DB Netz AG. Dass sich die dafür in die Pflicht nehmen lassen würde, ziehen die Verkehrsplaner im Landratsamt laut Sitzungsvorlage jedoch in Zweifel.

Zudem tauchten einige wesentliche und erforderliche Maßnahmen in der RSE-Studie gar nicht auf: so etwa die Kosten für den Rückkauf der Trassengrundstücke auf Nürnberger Stadtgebiet, der Haltepunkt „Zirndorf Bad“ fehle komplett, bei der Eisenbahnbrücke über die Rednitz sehe die RSE lediglich eine Sanierung vor, die Machbarkeitsstudie dagegen gehe von einem Neubau aus. Kosten für zwei weitere Fußgängerbrücken seien ebenfalls nicht enthalten

„Selbst wenn nur ein kleiner Teil davon zuträfe“, zeige die Prüfung, so Landrat Dießl, dass das Betreibermodell der RSE „außerhalb jeglicher Refinanzierungsmöglichkeiten liegt“. Wenn die RSE die Belastungen nicht mehr tragen könne, so seine Befürchtung, „landet das doch irgendwann bei uns auf dem Tisch“. Das Fazit der Kreisverwaltung: „Das gesamte Betreibermodell der RSE ist als nicht tragfähig einzustufen.“

Insbesondere sah Dießl eine zwingende Bedingung der RSE — dass der Freistaat über die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) tatsächlich die Züge bestellt und das auf eine Laufzeit von 22 Jahren — nicht erfüllt. Zwar habe die BEG die Bestellung auf Basis veralteter Fahrgastprognosen und der Beschlusslage im Landkreis, keine Angebotsverschlechterung und keine höheren Defizite bei den Buslinien hinzunehmen, verweigert, doch habe sie sich auch nicht klar dazu geäußert, ob eine Bestellzusage auf Jahre möglich sei. Zudem könnten die Züge erst mit der nächsten Wiedervergabe des Dieselnetzes Nürnberg 2019 ausgeschrieben werden. Zusammenfassend meinte er: „Zu den Bedingungen, wie sie sich jetzt darstellen, müssen wir einfach sagen: es ist nichts.“

Allerdings, betonte Dießl, werde der Landkreis die Bibertbahn-Trasse weiterhin für den öffentlichen Personennahverkehr freihalten und gleichzeitig die Optimierung der Busanbindung im Bereich der Rothenburger Straße vorantreiben.

Zu Wort meldeten sich vor der Abstimmung lediglich zwei Ausschussmitglieder: Zum einen begrüßte Marianne Schwämmlein (Grüne) die Marschroute, die ÖPNV-Widmung der Trasse aufrechtzuerhalten, „das ist wichtig, wenn die Verkehrssituation auf der Rothenburger Straße weiter eskaliert“. Und Puschendorfs Bürgermeister Wolfgang Kistner (CSU) erklärte: Sollte die RSE, die das Ergebnis der Plausibilitätsprüfung erst fünf Tage vor der Ausschusssitzung erhielt, nicht noch völlig andere Fakten bis zur Kreistagssitzung vorbringen, seien die Zahlen eindeutig. „Jetzt haben wir es schwarz auf weiß. Niemand kann uns nun einen Vorwurf machen, wir hätten das Ganze nicht geprüft.“ 



  

Sabine Dietz

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