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Die EU hat noch Nachholbedarf

Landkreis-Jusos befragen Fürther SPD-Kandidaten Matthias Dornhuber zur EU - 07.01.2019 20:58 Uhr

Heimspiel: Matthias Dornhuber, Fürther SPD-Kandidat für die Europawahl, bei den Jusos im Fürther Land. © Peter Romir


"Wir werden die härtesten der harten Fragen stellen", kündigt der Partei-Nachwuchs vollmundig an, als der Fürther Kandidat für das Europaparlament, Matthias Dornhuber, im Awo-Haus eingetroffen ist. Und tatsächlich gibt es keinen Raum für Smalltalk, als sich die Runde in einem Stuhlkreis zusammensetzt. Statt über Herkunft und Motivation des Kandidaten zu reden, geht es gleich ans Eingemachte: "Wozu brauchen wir eigentlich die EU?", wollen die Jung-SPDler wissen. "Nenne uns drei Gründe."

Dornhuber überlegt nicht lange: "Die Sicherung des Friedens, die Gestaltung der Globalisierung und das Schaffen von Gerechtigkeit."

Kann das die EU? Die Jusos sind skeptisch: "Entweder hört man gar nichts aus dem Europaparlament oder schlechte Nachrichten, wie die Einführung eines Upload-Filters."

Entschädigung bei Verspätung

Das will Dornhuber nicht auf den Volksvertretern sitzen lassen: "Die EU macht auch viel Gutes. Etwa, dass Bahnkunden jetzt viel bessere Entschädigungen bekommen, wenn Züge Verspätung haben. Nur wird das leider nicht zu deutlich kommuniziert."

Für mehr Kommunikation will er sich einsetzen, sollte er gewählt werden: "Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Sozialdemokraten aller Länder zweimal im Jahr treffen, um sich auszutauschen und Ideen zu entwickeln. Das gibt Öffentlichkeit und kostet wenig Geld."

Warum es dann nicht schon längst so gemacht wird? Auch das wollen die Jusos wissen: "Vermutlich, weil in der Spitzenpolitik Zeit noch knapper ist als Euros", spekuliert Dornhuber. Eine der "harten Fragen" gibt er gleich an das Plenum zurück, nämlich die, ob es eine europäische Armee braucht.

Die meisten Jusos finden das als Zukunftsvision akzeptabel, insofern sie nicht komplett gegen Armeen sind, aber zum jetzigen Zeitpunkt übereilt.

Gewaltprävention im Blick

Dornhuber sieht das ähnlich: "Wir befinden uns in einer Übergangszeit. Die EU ist noch sehr unvollkommen und weit weg vom Ideal. Aber immerhin hat sie uns 70 Jahre Frieden gebracht." Wichtiger als eine Armee ist deshalb für ihn ein Gremium zur Prävention von Gewalt.

Insgesamt präsentiert sich Dornhuber als Kandidat, der auf jede Stammtisch-Polemik verzichtet und differenziert antwortet. Etwa auf die Frage, ob die EU einen gemeinsamen Finanzminister braucht: "In Zukunft kann das gut sein, aber zuerst sollte man soziale Standards klären."

Auch über das Wahlsystem des Parlaments wird gesprochen. Da die Listen der Parteien bundesweit besetzt werden und fix sind – Kandidaten also nicht nach oben gewählt werden können – ist es schwer für Aspiranten aus Mittelfranken, nach Brüssel zu ziehen.

Momentan hat nur Die Linke mit dem Fürther Thomas Händel einen Kandidaten im EU-Parlament. Und auch Dornhuber wird aller Voraussicht nach zu Hause bleiben: Auf der 35 Namen umfassenden Liste der SPD steht er auf Platz 32. 

Peter Romir

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