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Freitag, 07.08.2020

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Die Fürther kamen massenhaft zum Antrittsbesuch

Großer Ansturm: Das neue Stadtmuseum Ludwig Erhard wurde gestern von vielen Interessierten begutachtet - 29.03.2010

Jürgen Hain


»Die Ausstellung ist sehr schön geworden, wir sehen uns bald genauer um und bringen noch mehr Zeit mit», sagt das Ehepaar, das die Info-Tafel über die Geschichte des Otto-Schulhauses aber gestern schon einmal genau studierte: »Wir wollen schließlich wissen, wo wir wohnen.»

Ein bildschönes Stück Fürther Geschichte konnten die beiden sogar mitnehmen: »Wir haben bei der Tombola des Fördervereins ein Handtuch mit ,Adler’-Stickerei gewonnen», freute sich Uschi Braun.

Sven Mörtel zählte auch zu den Ersten, die am Morgen ins Museum kamen. Der 25-Jährige beschäftigte sich besonders intensiv mit »der Geschichte der letzten 40, 50 Jahre», fand aber zudem die ausgestellten Siegel sehenswert. »Das Riesenfoto aus der Schwabacher Straße habe ich mir eben angeschaut, da wo heute Fußgängerzone ist, fuhr ja früher die Straßenbahn - das habe ich noch nie so gesehen», sagt Sven und gleicht interessiert Haus für Haus mit dem heutigen Straßenbild ab.

Noch mit den Zweigen vom Palmsonntagsgottesdienst in St. Michael in der Tasche kam Helga Eddeling ins Stadtmuseum. Die 48-Jährige ist Altenpflegerin und stammt vom Bodensee, nicht nur aus beruflichem Interesse macht sie sich mit Fürths Geschichte vertraut: »Es ist mir wichtig, dass ich gut mich auskenne, wenn mir zum Beispiel alte Fürther erzählen, wo sie früher gewohnt und was sie in der Stadt erlebt haben.» Solche »Biografiearbeit» sei nicht zuletzt bei Demenzkranken sehr wichtig. Die Gestaltung der Ausstellung sagt ihr zu: »Ich überlege, ob ich nicht für Rüstige eine Exkursion hierher anbieten kann.»

In Erinnerungen versunken steht Stilla Stapf vor der Fotogalerie bekannter Fürther: »Beim Max Grundig habe ich 35 Jahre lang im Fürther Messlabor gearbeitet», erzählt die 80-Jährige, die 1950 aus der Oberpfalz nach Fürth zog. Ehemann Theodor kam schon im Mai 1945 in die Kleeblattstadt: »In Regensburg hatte ich eine Lehre bei Messerschmitt als Metallflugzeugbauer begonnen, hier habe ich die Ausbildung dann in der Spielwarenfabrik Götz & Sohn in der Jakobinenstraße abgeschlossen.» Ihn erinnern natürlich auch die Porträts der Fußball-Stars Karl Mai und Herbert Erhardt an vergangene Zeiten: »Ich war öfter im Ronhof.»

Jürgen Hain (66) nickt: ». . . da konnte man dann die ,Blutgrätsche‘ von Ertl bewundern.» Der Spielvereinigung fühlt sich Hain nicht zuletzt deshalb verbunden, weil »mein Großvater Hans Ruff zu den Gründern gehörte». Auch zum neuen Stadtmuseum hat der Fürther eine besondere Beziehung: »Hier bin ich in die Schule gegangen - natürlich auf der Jungenseite, wir wurden getrennt von den Mädchen unterrichtet.»

Genau auf Augenhöhe hat Noah Dörrer gerade den großen Durchblick in Sachen Eisenbahn: Der Achtjährige untersucht hochkonzentriert ein historisches Diorama zum »Adler», das den Weg der Dampflok von Nürnberg nach Fürth nachzeichnet. Die neue Ausstellung findet der Drittklässler »ganz schön» und nur ein ganz klein bisschen langweilig. »Noch mehr Filme», sagt er, wären für ihn perfekt.

Noah nahm das neue Stadtmuseum gestern mit seinen Geschwistern Mara (12), Jasmin (11) und Lucas (6) und den Eltern unter die Lupe. Für Gabriele (40) und Michael Dörrer (44) war der Ausflug ein prima Start in die Osterferien der Kinder. Von dem Gesehenen waren die beiden angetan: »Ich mag die Zeitleiste besonders gern, durch den Bezug zur Weltgeschichte kann man sehr gut einordnen, was in Fürth geschah», sagt Gabriele Dörrer. Tochter Mara fand den ausgestellten Schmuck schön und sah sich »Medaillon, Kreuzkette und Armbänder von ganz früher» genau an. Objektives Resümee der Zwölfjährigen: »Es ist ganz cool, mehr über Fürth zu erfahren.»

Umfrage: SABINE REMPE

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