Die Lichter im „Volksgarten“ gehen aus

4.8.2013, 16:00 Uhr
Seit dem 21. Juli hat die Gaststätte „Volksgarten“ in Unterasbach geschlossen. Ein Investor will das Gebäude zur Kinderkrippe umbauen, allerdings könnte hier auch Wohnraum entstehen. Die Stadträte sind noch unschlüssig.

Seit dem 21. Juli hat die Gaststätte „Volksgarten“ in Unterasbach geschlossen. Ein Investor will das Gebäude zur Kinderkrippe umbauen, allerdings könnte hier auch Wohnraum entstehen. Die Stadträte sind noch unschlüssig. © Scherer

Eigentlich müsste man im Rathaus Purzelbäume schlagen: Ein privater Investor, die Firmengruppe des Duisburgers Dieter Conle, will die alteingesessene Wirtschaft in der Frühlingstraße zu einer Kindertagesstätte umbauen, in der künftig drei Krippengruppen Platz finden. Eine vorläufige grobe Kostenschätzung geht von Kosten von rund 1,18 Millionen Euro aus. Der gesetzliche städtische Zuschuss würde sich auf circa 150000 Euro belaufen. Als Träger sind die Johanniter im Gespräch.

Vorteile für die Stadt

Die aus dem Projekt resultierenden „großen Vorteile“ für die Kommune beschrieb der geschäftsleitende Beamte Wilfried Stünzendörfer wie folgt: Die Stadt könne nicht nur auf den geplanten Neu- beziehungsweise Anbau beim Kindergarten an der Schwabacher Straße verzichten, sondern würde darüber hinaus die festgelegten Ausbauziele für die Krippenplätze in Oberasbach im Zuge der noch bis Ende 2014 geltenden erhöhten staatlichen Förderung erreichen.

In den vergangenen Jahren hatte die seit 21. Juli geschlossene Gaststätte unter Pächterwechseln und mangelndem Besuch gelitten, baulich wären wohl Investitionen nötig gewesen. So beschrieb jedenfalls Jürgen Schwarz-Boeck die Situation aus seiner Sicht, deshalb hatte der CSU-Fraktionssprecher bei dem vorgesehenen Projekt einen Nutzen für alle Beteiligten ausgemacht. In der Fraktionssitzung, so berichtete er im Stadtrat, sei ihm allerdings „Unruhe“ entgegengeschlagen, „deshalb bin ich eine Tür weiter zur SPD gegangen, und da war es genau das Gleiche“.

Der Knackpunkt: Das Gartenrestaurant, das seit über 80 Jahren existiert, ist nicht nur eine ortsprägende Einrichtung, in der Geburten, Hochzeiten und andere Familienfeste gefeiert wurden, sondern auch die Heimat zahlreicher Vereine. Bei deren Mitgliedern handle es sich oft um ältere, nicht mehr so mobile Bürger, darauf verwies SPD-Fraktionssprecher Peter Heinl. „Bevor dort irgendetwas anderes hinkommt, soll eine Kinderkrippe rein, aber uns tut das auch weh.“ Wie die CSU will die SPD deshalb die Meinungen der Bürger hören, die sich an die Stadträte, die Verwaltung oder die Bürgermeisterin wenden sollen.

Deutlich wurde auch, dass der Stadtrat noch erheblichen Aufklärungsbedarf sieht. So will etwa die SPD zu den Johannitern als Träger konkrete Information. Gleiches gilt für das Finanzierungsmodell des Investors — das mahnte Lothar Schmitt (CSU) an, nicht dass die Stadt in die Bresche springen müsse: „Wenn wir das machen, dann muss es eine saubere Geschichte sein.“

Man könne den Investor auch bitten, zu erläutern, warum das Gartenrestaurant nicht weiter betrieben werden soll, sagte Schwarz-Boeck. Dafür stehen die Chancen aber wohl mehr als schlecht: Weit über 100 solcher Objekte soll der Investor in seinem Bestand haben, nur ein sehr geringer Anteil davon wird wahrscheinlich überhaupt weiter als Gaststätten betrieben, der Rest verwertet.

Auch in Fürth bekannt

Auch in Fürth ist die Firmengruppe von Dieter Conle keine unbekannte Größe. Dessen Immobiliengesellschaft hatte Anfang der 90er Jahre knapp 50 Fürther Gaststätten von der örtlichen Patrizier-Brauerei gekauft — in der Folge waren die Pachtkosten für die Wirte massiv gestiegen.

Ob denn bei einer Vertagung des Themas der Zeitkorridor noch ausreiche, um das Vorhaben zu stemmen, fragte Felix Kisslinger (FW). Nach seiner persönlichen Einschätzung müsste es noch klappen, meinte Stünzendörfer. Allerdings sei der Investor von der Zustimmung des Stadtrates ausgegangen.

Gegen eine Vertagung wandte sich Norbert Schikora (Bündnis 90/Die Grünen). Man wisse, dass eine Gaststätte an diesem Standort nicht funktioniere. Eine Krippe sei allemal besser als eine Luxussanierung. Eine, durchaus mögliche, massiv verdichtete Wohnbebauung an dieser Stelle, dies machten einzelne Stimmen deutlich, sähe der Stadtrat ebenfalls ungern. Die Mehrheit des Gremiums aus CSU und SPD votierte freilich — gegen die Stimmen von FW, Grünen, FDP/FOB und der Bürgermeisterin — dafür, sich eine Atempause zu nehmen. Im September wird sich der Stadtrat voraussichtlich erneut mit der Thematik beschäftigen.

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