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Die Quelle-Delle fast wieder ausgebügelt

Der Fürther Arbeitsmarkt 2010: Nur glückliche Umstände haben den befürchteten GAU verhindert - 13.01.2011 22:00 Uhr

Wieder gut gefüllt mit Autos von Landesamtsmitarbeitern ist der ehemalige Quelle-Parkplatz an der Nürnberger Straße. Im Hintergrund: das frühere Quelle-Verwaltungsgebäude, das nun die Staatsbehörde beherbergt. © Mark Johnston


Von den rund 800 Quelle-Beschäftigten aus Stadt und Landkreis sind derzeit nur noch 162 arbeitslos gemeldet. 111 davon sind über 50 Jahre alt. Ein Wunder ist freilich nicht geschehen. Vielmehr haben Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen viele Entlassene aufgefangen. „Wir schönen keine Statistik“, versichert der Leiter der Fürther Arbeitsagentur, Günther Meth. Fakt ist, dass die Qualifizierungsmaßnahmen nicht bei den Arbeitslosenzahlen auftauchen.

Auch der Rückzug aus dem Berufsleben, vorgezogener Ruhestand, Krankheit und der Schritt in die Selbstständigkeit haben neben der Vermittlung neuer Stellen zur Entspannung beigetragen. Meth: „Wir hatten schon mit einer Arbeitslosenquote von zwölf Prozent gerechnet. Tatsächlich wurden vor einem Jahr aber nur 8,5 Prozent erreicht.“

Zugnummer Post

Während Quelle die Waagschale ins Minus drückte, sorgte die Post mit ihrem neuen E-Brief-Callcenter in der Uferstadt für eine spürbare Belebung des Arbeitsmarktes. Bis zu 500 Arbeitsplätze bessern die Bilanz auf. Hinzu kommt der Umzug des Landesamtes für Statistik von München nach Fürth. Meth rechnet damit, dass nur 20 Prozent der Mitarbeiter mit nach Fürth ziehen werden. Eine weitere Chance für den Arbeitsmarkt. Im künftigen Landesamtsgebäude in der ehemaligen Quelle-Verwaltung an der Nürnberger Straße sind jetzt befristete Arbeitsplätze zur Datenerfassung für den Zensus 2011 eingerichtet.

Schlimmer hätte die Quelle-Pleite Fürth nach Ansicht des Arbeitsagenturchefs treffen können, wenn das in Leipzig geschaffene Versandzentrum hier errichtet worden wäre. Das Desaster bei Quelle brachte in Fürth allerdings auch zahlreiche Zulieferer in größte Schwierigkeiten. Vor allem das Transportgewerbe war vom Auftragsrückgang extrem betroffen. Gerade rechtzeitig ist im Mai 2010 der Konjunkturmotor wieder angesprungen, um für die dringend benötigten neuen Aufträge zu sorgen.

Auch der Ausbildungsmarkt stand unter dem Eindruck des Niedergangs der Quelle. „Viele kleinere Handwerksbetriebe wussten nicht, ob sie neue Aufträge bekommen und besetzten ihre Lehrstellen zunächst einmal nicht“, berichtet Ursula Schöbel, in der Fürther Agentur zuständig für den Arbeitgeberservice. Inzwischen suchen gerade Handwerker händeringend Nachwuchs. Meth hofft, dass die stärker berufspraktisch orientierten neuen Mittelschulen für Ausgleich sorgen. Denn die Realschüler drängen immer noch in den bereits übersättigten kaufmännischen Bereich.

Von der Wiederbelebung des Arbeitsmarktes profitierten im vergangenen Jahr vor allem die Zeitarbeitsfirmen. Sie stellten die Arbeitskräfte für rund 40 Prozent der gemeldeten Stellen. Entsprechend hoch ist die Fluktuationsrate der Arbeitslosigkeit in Fürth. Über 25500 Menschen haben sich vergangenes Jahr in Fürth arbeitslos gemeldet. Im Monatsdurchschnitt waren in Stadt und Land 7241 Arbeitslose registriert.

Die Zahl der Beschäftigten weist insgesamt eine rückläufige Tendenz aus. Um 1300 hat sie im Vergleich zu 2009 abgenommen und liegt jetzt bei 58600. Wobei sich der Landkreis mit rund 20000 Beschäftigten stabiler zeigt als die Stadt. Deutlich zugelegt haben 2010 die zur Vermittlung gemeldeten Stellen. „Es entstehen derzeit wieder mehr neue Arbeitsplätze als anderswo abgebaut werden“, sagt Meth. Regelrechter Arbeitskräftemangel herrsche vor allem im Handwerk, das mit energetischer Sanierung befasst ist. Der Markt für qualifizierte Arbeitskräfte sei praktisch leergefegt.

Grund zum Jubeln gibt es für den Agenturchef im Rückblick auf 2010 nicht. „Fürth ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen“, kommentiert Meth die Lage.

 

Volker Dittmar

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