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Diskussion mit OB-Kandidaten: Fürther Radler in Lebensgefahr?

Thema Radverkehr in Fürth offenbart Differenzen zwischen den Politikern - 17.02.2020 18:41 Uhr

Wie gefährlich ist es, in Fürth mit dem Rad zu fahren? OB Thomas Jung sieht Fortschritte, manchen Mitbewerbern geht das längst nicht schnell genug. © Hans-Joachim Winckler


Besonders Amtsinhaber Thomas Jung (SPD) verwahrte sich vehement gegen die Einschätzung einiger Zuschauer und vor allem seines grünen Kontrahenten Kamran Salimi. "Risiko und Gefahr sind nicht die Erfahrungen, die ich täglich als Radfahrer mache", so Jung. Fortschritte würden nicht anerkannt, es werde "nur gemeckert". Das empöre ihn, denn nur mit Begeisterung könne man die Menschen zum Umsteigen aufs Rad bewegen.

Dass Salimi wie auch Ulrich Schönweiß, der den OB-Kandidaten der Linken, Niklas Haupt, auf der Bühne vertrat, ein Gesamtkonzept vermissen, konnte Jung ebenfalls nicht nachvollziehen. Er verstehe sich als "Macher", der mit einzelnen Maßnahmen die Situation des Radverkehrs peu à peu zu verbessern sucht. Hätten die Grünen schon vor 30 Jahren etwas zu sagen gehabt, argwöhnte Jung, "wäre wegen des Naturschutzes kein einziger Radweg gebaut worden".

Autos raus aus der Stadt?

Ebenfalls einig waren sich Salimi und Schönweiß mit der Forderung nach "Gleichberechtigung" bzw. "Demokratisierung" des öffentlichen Verkehrsraums. Dass dies zu Lasten der Autofahrer gehen muss, liegt für sie auf der Hand. Viel zu lange sei der motorisierte Individualverkehr bevorzugt worden. "Das Konzept der Freiwilligkeit ist gescheitert", so Salimi. Die Politik müsse das regeln – auf Straßen etwa in Form von Tempolimits oder Parkverboten. Mit Ausgrenzung, vor der Dietmar Helm warnte, habe dies nichts zu tun.

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Der CSU-Kandidat kritisierte, dass es zu lange versäumt wurde, einen Verkehrsentwicklungsplan zu entwerfen, der die Mobilität auch überregional erfasst. Beim ÖPNV wie beim Radverkehr müsse man vernetzt denken und die Nachbar-Landkreise einbeziehen. Die Forderung eines Zuschauers nach einer durchgehenden Radwegverbindung von Oberfürberg nach Cadolzburg griff Helm gerne auf und sah dabei alle anderen Parteien in der Pflicht: "Dann kommt’s zum Schwur, denn dort müsste Wald gefällt werden – und die Frage wird sein: Sind alle dabei?"

Ein leistungsfähiges Radwegenetz muss her 

Mit – allerdings unfreiwilliger – Komik lockerte Heidi Lau (Freie Wähler) die Atmosphäre auf. Sie schlug vor, die (Park-) Platzsituation zu entspannen, indem man "Autos und Autofahrer unter die Erde bringt". Auch Laus Idee, Fahranfängern den Führerschein zu finanzieren, wenn diese sich dafür verpflichten, 20 Jahre Carsharing zu praktizieren und aufs eigene Auto zu verzichten, konnte die Mehrheit der knapp 100 Gäste offensichtlich wenig abgewinnen.

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Die waren überwiegend passionierte Radler, die trotz aller Widrigkeiten "die Verkehrswende schon gemacht haben", wie ein Teilnehmer sagte. "In der Zukunft muss es darum gehen, viel mehr Menschen aus ihren Autos zu holen." Das müsse zwar zügig geschehen, "aber wir sollten aufpassen, dass der Radverkehr nicht das Opfer seines eigenen Erfolgs wird", warnte Stephan Eichmann (FDP). Schon jetzt stießen manche Achsen wie im Wiesengrund an Kapazitätsgrenzen. Wie vor Jahrzehnten für den Autoverkehr müssten jetzt Pläne für die Radwege konzipiert werden, die aufzeigen, "wo wir in 20 Jahren stehen wollen".

Gäbe es attraktive Alternativen zum Auto, dann würden die Menschen umsteigen, glaubt Eichmann und sagt: "Es muss sich viel ändern, aber nicht mit Zwang."

Armin Leberzammer

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