Mittwoch, 29.01.2020

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Dörrfuß-Säule: Mahnmal wird saniert

Vorschläge für einen neuen Standort für das Kunstwerk, das an Kriegsgefangene erinnert - 27.10.2018 16:00 Uhr

Vom Holzverschlag befreit wurde die Sgraffito-Säule von Karl Dörrfuß aus dem Jahr 1951 als Dokument der Nachkriegskunst im Stadtpark. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Unter dem Eindruck der eigenen Kriegsgefangenschaft hat der Fürther Mitbegründer des Rings Fürther Künstler (heute: Kulturring C) Karl Dörrfuß 1951 die Sgraffito-Säule geschaffen. In den frischen Putz sind Bilder von ausgemergelten Gestalten hinter Stacheldraht eingeritzt. Um den Sockel zieht sich die Inschrift: "Vergesst uns nicht".

Das war den Stadtvätern einst Auftrag. Sie ließen die Säule mitten in den Pavillon der Adenaueranlage setzen, wo sie vielen Menschen ins Auge fallen musste. Doch die Kriegserinnerung verblasste mit dem Abstand der Jahre. Außerdem bekam das Denkmal durch jährliche Gedenkfeiern der Vertriebenenverbände eine politische Dimension.

Nachdem die Feiern mangels Beteiligung längst eingestellt worden sind, bot die öffentlich geförderte Generalsanierung der Grünanlage 2004 Gelegenheit, die unzeitgemäße Säule wegzuschaffen. Man verfrachtete sie in den Stadtpark hinter die Auferstehungskirche, wo ihr mangels des bisherigen Daches die Witterung übel zusetzte.

Um sie vor dem Verfall zu schützen, wurde sie mit einem Holzkasten umgeben. Nachdem der kaufmännische Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft im August gegenüber den FN noch erklärte, man warte auf weitere Entscheidungen, teilt der neue technische Leiter, Aynsley Röder, nun mit, dass die Säule saniert wird. Das ist dringend nötig, wie Risse und Abplatzungen zeigen.

Laut Röder wird darüber nachgedacht, das Kunstwerk wieder mehr ins Blickfeld der Menschen zu rücken. Dazu stimme er sich mit Stadtarchivar Martin Schramm und Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz ab. Erste Vorschläge gibt es bereits. Sowohl Jungkunz als auch Schramm plädieren für eine Rückkehr der Säule in die Adenaueranlage. "Da gehört sie schließlich hin", sagt die Stadtheimatpflegerin.

Und Schramm findet: "Es ist ganz gut, wenn die Menschen daran erinnert werden, dass es auch mal Krieg und Leid gegeben hat." Dass die Säule aus heutigem Empfinden heraus vielleicht die Harmonie der schmucken Grünanlage ein wenig stört, könne in Kauf genommen werden. Für ein Dach müsse man freilich sorgen. Im Stadtmuseum könne das Kunstwerk wegen seines Gewichts nicht untergebracht werden.

Als Notlösung hatte Schramm an einen Standort auf dem Friedhof gedacht. Damit kann sich die Stadtheimatpflegerin jedoch nicht anfreunden. Auch der Hinweis aus der Stadtverwaltung, man müsse einen Standort finden, der einigermaßen sicher sei vor Vandalismus, stimmt sie nicht um. Es handle sich schließlich um Kunst im öffentlichen Raum und man dürfe nicht im vorauseilenden Gehorsam vor möglichen Übergriffen einknicken.

Dabei denkt sie auch an die häufigen Zerstörungen von Märchenfiguren der Fürther Bildhauerin Gudrun Kunstmann im Stadtpark. Nachdem wiederholt Schneewittchen vom Sockel gestoßen worden ist, wurde jetzt Aschenbrödel beschädigt. Viel Arbeit für die Restauratoren. Doch wenn man sie vernachlässigt, geht ein Stück Geschichte verloren.

So wurde mangels Pflege schon eine Schmuckwand der Fürther Künstler Hans Langhoyer und Georg Weidenbacher oberhalb des Stadtparkweihers vernichtet. In den letzten Jahren hat sich allerdings ein neues Bewusstsein für die Bedeutung der nicht mehr modernen Kunst entwickelt. Paradebeispiel dafür ist das mit großem Aufwand bei der energetischen Sanierung erhaltene Mosaik an der Berufsschule in der Jahnstraße.

Volker Dittmar

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