Samstag, 29.02.2020

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Dr. pak. Bruno Jonas teilt aus

"Nur mal angenommen": Aus dem Ernst der aktuellen Lage macht der Kabarettist das Beste. - 14.02.2020 14:10 Uhr

Querdenken ist sein Ding: Bruno Jonas, hier bei einem Auftritt im Neumarkter Reitstadl 2019, ist Fleischesser, macht mit bei „Suicide for Future“, hält Huawei für eine niederbayerische Mobilfunk-Firma - und hat dennoch den Durchblick.


Nur mal angenommen, dass die Partei der guten politischen Kabarettisten Deutschlands (PdgKD) einen neuen Vorsitzenden bräuchte. Wäre dann Bruno Jonas bereit, sich wählen zu lassen? Vermutlich nicht, denn er ist mit einem neuen Vollzeit-Job ausgelastet – als Paketannehmer in seinem Münchner Viertel stapelt er, der Packl-Bruno, die Lieferungen von Zusteller Murat, er ist sozusagen das letzte Glied in der Zustellkette von DHL und plant sogar die Immatrikulation für den Studiengang Paketannahme mit dem Endziel einer Promotion zum Dr. pak.

Erfurter Machtergreifung

Außerdem hat er mit dem Wählen so seine Probleme, wie ja die Vorgänge in Thüringen bewiesen haben: An der ganzen Erfurter Misere – "eine Mischung aus Untergang des Abendlandes und Machtergreifung mit inkludiertem Minderheitenschutz für die FDP" – ist doch der Wähler schuld, der diesen Scheiß zusammengewählt hat! Sein Wille war doch unverkennbar eine Koalition aus AfD und den Linken – oder etwa nicht? Schon der alte Platon erkannte das grundlegende Problem der Demokratie: Es gibt im Volk zu viele Deppen.

Es gehört also für das Publikum in der ausverkauften Comödie schon ein bisschen geistige Anstrengung dazu, die hintersinnige Sophistik von Bruno Jonas in seinem Programm "Nur mal angenommen" zu durchschauen. Das ist nichts für Schenkelklopfer, die auf ein bisschen pauschales Politiker-Bashing hoffen, obwohl der Passauer Kabarettist doch angeblich anstrebt, 100 Prozent Zustimmung zu erreichen ("Ich sage Ihnen, was Sie gerne hören!"). Stattdessen präsentiert er einen Gedanken-Parcours voll ironischer Dialektik, der immer wieder in die Grundfrage mündet: "Kann der Falsche auch was Richtiges sagen?"

Bruno Jonas ist auf der Bühne eine multiple Persönlichkeit, die durch Verwirrung Sinn stiften will: ein Klugscheißer, der zur Gitarre die Verszeilen intoniert: "Ich muss immer alles besser wissen, weil ich so gescheit bin." Gleichzeitig ist er ein Sokrates-Jünger, der weiß, dass er nichts weiß, und ein verbaler Geröll-Produzent, der weiß, dass dumm daherreden immer gut ankommt.

Außerdem outet er sich trotz Klimakrise als trotziger Fleischesser (Carpaccio vom Baby-Eisbären oder panierter Hamster mit Kardamom und Ingwer), als Pressesprecher der Aktion "Suicide for Future" und der niederbayerischen Mobilfunk-Firma Huawei sowie als Warner vor dem neuerdings in Deutschland oft gehörten Satz "Wir übernehmen Verantwortung".

In seiner atemlosen, mit vielen Satzbrüchen garnierten zweieinhalbstündigen Suada kommen natürlich die üblichen Verdächtigen (Donald Trump, Andi Scheuer, Claudia Roth) vor, aber Jonas gestattet sich auch Exkurse in den absurden Nonsens, wenn er etwa dem Edeka-Lieferdienst erlaubt, zwei Paletten gefrorenen Frischfisch in seinem Schlafzimmer abzustellen.

Mit einem hoffnungsvollen Gedanken – sowie einer Betrachtung über den Konjunktiv als Zugabe – entlässt der leidenschaftliche Querdenker sein Fürther Publikum in eine nasskalte Februarnacht: Der Mensch ist vernunftbegabt, er hat also noch Potenzial. Angenommen und angekommen!

Wolfgang Reitzammer

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