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Drei Dompteure für den Gelben Löwen

Fürther Traditions-Wirtshaus versucht den Neustart nach fünf Monaten Renovierung - 02.04.2011 16:00 Uhr

Fernsehbier kommt ihnen nicht ins Fass (v.li.): die Löwen-Chefs Peter Heßler, Susanne Dresel und Helmut Ell. © Hans-Joachim Winckler


Die gute Nachricht vorweg: Der Name „Blue Note“ ist Vergangenheit. Vor rund zehn Jahren begann der unaufhaltsame Abstieg jener Kneipe, die silberhaarige Fürther noch als Gelben Löwen kannten. Die falschen Pächter, ein immer jüngeres und immer zugedröhnteres Publikum, Leerstände zuhauf: Keine Frage, die Adresse Gustavstraße 41 war zuletzt in der sonst recht bissfesten Gastromeile der faule Zahn.

Drei Fürthern und, wie sie selber sagen, Kennern der hiesigen Kneipenszene stank dies gewaltig. „Wir werden alle in diesem Jahr 50“, so Peter Heßler auf die Frage nach der Motivation für den tollkühnen Ritt auf dem Löwen, „und da haben wir uns gefragt: Was haben wir vor in der zweiten Hälfte unseres Lebens?“ Die Antwort liegt auf dem Holztisch. Mit Lebensgefährtin Suse Dresel und Helmut Ell versucht der Allgemeinmediziner („Wir haben lang genug auf der anderen Seite des Tresens gesessen“) nun Wiederbelebungsmaßnahmen an einem 102-Jährigen.

Schon 1909 krallte sich der Bierselige und Nachtschwärmer. Und was war er in seinen Hochzeiten nicht alles: Tanzbar, Nachtbar, Ami-Kneipe mit Startloch für Freddy Quinns Sängerkarriere, Fürths einziger Laden mit verkürzter Sperrzeit. Eine feine Adresse? Nein. Aber eine Institution.

„Wir wollen ohne Schnickschnack, aber mit Sorgfalt ein Stück Fürther Wirtshauskultur zurückholen in die Gustavstraße“, so Heßler. Bei den fünf Monate währenden Renovierungsarbeiten anno 2010/11 hat der Architekt die Holzvertäfelung von damals wieder freigelegt. Auch die goldfarben gestrichene Decke aus den 50er Jahren ist befreit von den Verschönerungs-Katastrophen vergangener Jahrzehnte. Damit alles zusammenkommt, was ein uriges, aber nicht schmieriges Wirtshaus braucht, fahndete das Trio nach Mobiliar, das Geschichten erzählen könnte. Unter den restaurierten Stühlen etwa, die Heßler & Co. im Schwarzwald auftrieben, sind Inschriften vom Weihnachtsfest 1948. Für die neue alte Optik hinterm Tresen orderten die Drei acht bierfarbene Quadratmeter Fliesen-Restposten mit Jugendstil-Glasur, die ursprünglich für eine alteingesessene Wiener Brauerei vorgesehen waren.

Apropos: „Auf keinen Fall Fernsehbier“ soll aus den Zapfhähnen kommen, sondern Buttenheimer Löwenbräu, das eigens für den Gelben Löwen aufs Fass gezogen wird. Voraussichtlich bis Sommer gibt es zunächst kalte Speisen und Vorspeisen; warme kommen, sobald die Küche — am Standort der alten ist nun eine nagelneue WC-Anlage — im ersten Stock in Betrieb geht. Dort bietet ab sofort auch eine „Beletage“ Platz für Hochzeiten, Geburtstags- und Vereinsfeiern. Draußen und gegenüber, vor Hausnummer 42, bekommt der Gelbe Löwe eine Außenbestuhlung.

Und die legendäre Tanzbar im hinteren Kneipenbereich? Schaut aus wie immer, nur deutlich sauberer, wird bald auch wieder vom Verein „Szene Fürth“ genutzt und wurde mit neuer Technik versehen. „Punktuell“, so Heßler, soll es hier Musik- und Tanzabende für jene Generation geben, die die Stones und die Beatles nicht nur aus Opas Erzählungen kennen.

Bilderstrecke zum Thema

Eröffnung des Gelben Löwen in Fürth

Der Gelbe Löwe in der Gustavstraße brüllt wieder: Ein traditionsreiches Stück Wirtshauskultur versucht ein Fürther Pächtertrio wiederzubeleben. Zum Auftakt wurde kräftig gefeiert.


 

MATTHIAS BOLL

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