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Ebola im Visier: Hygiene-Experten mahnen zur Vorsicht

Das Virus erfordert erhöhte Aufmerksamkeit — Heikle Geschäftsreisen nach Afrika - 23.10.2014 11:00 Uhr

Das Anlegen von Schutzanzügen, wie hier in einem Krankenhaus in Muntinlupa auf den Philippinen, will gelernt sein. Regelmäßige Übungen werden auch am Klinikum Fürth organisiert. © Foto:Dennis Sabangan /dpa


„Sind wir vorbereitet?“ Diese Frage haben Vertreter von Krankenhäusern und Gesundheitsämtern im Großraum bei der Tagung aufgeworfen. Für Harald Dormann, Chefarzt der Notaufnahme am Fürther Klinikum, kein Grund zur Sorge. Bereits seit Monaten beschäftige man sich in Fürth mit Ebola, habe einen Notfallplan ausgearbeitet und mehrere Übungen absolviert.

„Wir tun, was wir können“, sagt Dormann, ist sich jedoch darüber im Klaren, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Weil das Klinikum Fürth nicht über die entsprechende Ausstattung zur Behandlung von Ebola-Infizierten verfügt, soll es im Notfall nur Patienten isolieren und zum Transport in eine Spezialklinik nach Schwabing vorbereiten.

Den Transport kann das zur Fußballweltmeisterschaft 2006 auf die Beine gestellte Sondereinsatzkommando Chemie- und Strahlenschutz des Roten Kreuzes in Fürth übernehmen. Mit dieser Einheit wurden, so Dormann, bereits mehrere Übungen absolviert. Eingebunden in das Notfalltraining seien auch der ABC-Zug der Feuerwehr und das Fürther Gesundheitsamt gewesen. Dormanns Erfahrung daraus: „Wir können extrem schnell und kompetent reagieren“.

Die enge Kooperation der Organisationen in Fürth erweise sich als großer Vorteil. Ein bis zwei Mal pro Woche gebe es zudem Übungen am Klinikum, bei denen Mitarbeiter beispielsweise in den Umgang mit Schutzkleidung eingewiesen werden.

Zur Erörterung der Ebola-Problematik begrüßte Heinz-Michael Just vom Institut für Hygiene am Klinikum Nürnberg neben Dormann auch den Altdekan der medizinischen Fakultät der Uni Erlangen, Bernhard Fleckenstein, den Nürnberger Intensivmediziner Armin Geise, die Gesundheitsamtsleiter Werner Hähnlein (Fürth) und Peter Lederer (Erlangen-Höchstadt) sowie die stellvertretende Nürnberger Amtsleiterin Katja Günther. Just sieht keinen Grund zur Panik, warnt aber auch vor dem Bagatellisieren der Ebola-Gefahr. Zwar fordere Aids weitaus mehr Todesopfer, doch sei Ebola viel gefährlicher. Das Infektionsrisiko könne nicht so klar eingegrenzt werden wie bei Aids. Zudem sei die Erkrankung immer noch nicht therapierbar.

Nicht nur das Klinikpersonal müsse für Anzeichen von Ebola sensibilisiert werden, auch weltweit operierenden Unternehmen rät Just zu erhöhter Vorsicht. Denn der Ansteckungsgefahr setzten sich schließlich nicht nur Afrika-Touristen aus, sondern auch Geschäftsreisende.

Keine Angst

In Deutschland braucht nach Ansicht von Just niemand Angst vor Ebola zu haben, doch man müsse Vorsorge treffen, dass sich die Infektion nicht unbemerkt ausbreitet. Ein gutes Instrument sieht der Nürnberger Mediziner in runden Tischen, wie sie zum Kampf gegen Schweinegrippe und Vogelgrippe etabliert worden sind. Auch die Einrichtungen der Landesarbeitsgemeinschaft Multiresistente Erreger könnten zur Vorsorge genutzt werden. Aus den bisherigen Erfahrungen mit Ebola-Patienten in Spanien könne man lernen, dass die meisten Probleme durch mangelhafte Organisation entstünden.

An den zum 15. Mal in Fürth veranstalteten Hygienetagen, die heute zu Ende gehen, nehmen rund 450 medizinische Fachkräfte aus ganz Deutschland teil. Veranstalter ist der Verein für Infektionsprävention und Hygiene im Gesundheitswesen mit den Kliniken Erlangen und Nürnberg.

Volker Dittmar

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