Donnerstag, 01.10.2020

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Ein Baudenkmal in neuem Glanz

In der Königswarterstraße werden prunkvolle Wandmalereien wieder freigelegt - 23.03.2007

Liebevoll restauriert Ludwig Aschenbrenner die ursprünglichen Verzierungen und Wandmalereien.

© Mario Kreß


«Die Verzierungen an Decke und Wänden sind alle dem Historismus zuzuordnen», erklärt der Restaurator. In dieser Epoche bedienten sich die Künstler gerne verschiedenster Vorlagen aus der Kunstgeschichte. Wer die kunstvollen Arbeiten in der Königswarterstraße 52 angefertigt hat, konnten weder Aschenbrenner noch die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer bislang herausfinden.

Nur, dass er aus Italien kam, weiß man - und dass er auch in den Nachbarhäusern aktiv war. So zeigen die Wandgemälde denn auch Motive wie den Petersdom oder die Engelsburg in Rom - alles im griechisch-römischen Stil. Den Wert des liebevoll verzierten Hausgangs konnten die Eigentümer in den 60er Jahren allerdings gar nicht nachvollziehen. Als der Wandschmuck anfing, langsam zu verfallen, entschlossen sie sich kurzerhand, die Wände, ganz im Stil der 60er Jahre, mit Kunststoffplatten zu verkleiden.

Zwischenzeitlich schlugen Elektriker Schlitze quer durch die Gemälde und verlegten darin Kabel. Die Zerstörungen aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts lassen Ludwig Aschenbrenner schaudern und stellen den Restaurator gleichzeitig vor eine große Herausforderung: In den vergangenen sieben Wochen hat er die Malereien erst einmal von Kleber und Farbe befreit.

Noch sieben Wochen

Dort, wo Löcher in den Gemälden entstanden sind, ergänzt er die fehlenden Stellen mit eigenen Pinselstrichen. Auch die ehemals vergoldeten und später bronzefarben übermalten Stuckarbeiten legt er derzeit in mühevoller Kleinarbeit wieder frei und erneuert die Vergoldung. Weitere sieben Wochen plant Aschenbrenner bis zur Fertigstellung des Eingangsbereichs und des unteren Teils im Treppenhaus ein.

Dann haben die Wohnungseigentümer Grund zum Feiern. Schließlich sind sie es, die die Arbeiten in Auftrag gegeben haben und auch komplett finanzieren. Zuschüsse der öffentlichen Hand gibt es für ihren Beitrag zum Denkmalschutz nicht, betont Bernd-Uwe Schinzel, dem eine der Wohnungen in dem 1893 fertig gestellten Haus gehört.

Er hat zudem die Geschichte des Hauses recherchiert: Demnach beauftragte der einstige Brauereibesitzer Wilhelm Evora 1892 den damaligen Star-Architekten Fritz Walter mit dem Bau. Ab 1937 gehörte das Anwesen einem Arzt, der dort seine Privatklinik betrieb. Ende der 50er Jahre erwarb dann der Chirurg Eberhard Stutzbach das Gebäude und betrieb die Klinik bis 1986 weiter. Dieser verkaufte das Haus an eine Immobilienfirma, die im Gebäude Eigentumswohnungen schuf. MARIO KRESS

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