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Dienstag, 10.12.2019

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Eine Frau, die alle Ketten sprengt

Die 56. Kirchenmusiktage widmen sich den Werken und dem Leben von Komponistin Clara Schumann - 16.11.2019 17:00 Uhr

„Unter den Komponistinnen liegt sie vorn“: Für Clara Schumanns Musik schlagen die Herzen von (v.li.) Sopranistin Laura Demjan, Komponist Lorenz Trottmann, KMD Sirka Schwartz-Uppendieck, Dirigent Bernd Müller und Dramaturg Michael Herrschel. Beim Konzert „Clara Schumann & Friends“ sind sie alle in der Auferstehungskirche im Stadtpark zu erleben. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Michael Herrschel ließ Clara nicht in einem trocken-akademischen Vortrag lebendig werden, sondern mit klangvoller Sprechstimme, in der auch die Emotionen und Gefühlsausbrüche des Vaters Widerhall fanden, mit biografischem Kenntnisreichtum und mit einem umfangreichen Ausblick ins 21. Jahrhundert.

Mit ihrer glockenklaren Sopranstimme, glanzvollen Spitzentönen und ausdrucksvollem Piano gestaltete Andrea Wurzer neun Lieder. KMD Sirka Schwartz-Uppendieck, als Liedbegleiterin und Klaviersolistin heftig gefordert, leitete das Konzert an der renovierten Eisenbarth-Orgel ein mit Claras Präludium und Fuge B-Dur - romantische Klänge, liedhaft fließend, in der Fuge mit dramatischen Passagen durchsetzt. Ein inniges Marienlied der Stiefschwester Marie Wieck gab einen Einblick in die musikalische Bandbreite der Familie.

Anschließend begaben sich Zuhörer und Interpreten in den intimeren Rahmen des Gemeindesaals. Mit Familienbildern eröffnete Herrschel seinen Vortrag, das Debüt der neunjährigen Clara im Leipziger Gewandhaus mit ihrer Polonaise opus 1. Das Strophenlied "Der Abendstern" führte in die Klang- und Gefühlswelt der Romantik ein, das Notturno op. 6 Nr.2 (1834/36) ließ Parallelen zu Chopin hörbar werden. Seit 1830 lebte Robert im Hause Wieck, der erste Kuss, die heimliche Verlobung, die vor Gericht erstrittene Heirat im Jahr 1840, mit der sich Clara aus der Umklammerung des Vaters löst.

Zu jener Zeit entstanden Lieder nach Texten von Brentano, Heine und Rückert. Künstlerisch blockiert wird Clara durch Roberts Gemütsverfassung; seinem Selbstmordversuch folgt die Einweisung in eine Nervenheilanstalt, er stirbt 1856. Clara komponiert keine einzige Note mehr. 1896 gibt die strenge Klavierlehrerin ihr letztes Hauskonzert.

Viel später erst beginnt die "Reanimation" mit einem Jelinek-Theaterstück, mit Clara auf dem 100-Mark-Schein und auf einer Briefmarke, Biografien. Das Archiv "Frau und Musik" und der Musikverlag für Frauen "Furore" werden gegründet.

Den wunderschönen Ausklang des Konzerts markiert das Lied "Beim Abschied". Schmerzlich-süße Sehnsucht mit dem Refrain "s’ ist kein Abschied, kein Vergeh’n".

 

 

Zweifellos dickster Festival-Brocken ist die Aufführung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms am 24. November im Stadttheater. KMD Ingeborg Schilffarth, künstlerische Leiterin der Kirchenmusiktage, macht sich mit Solisten, Fürther Streichhölzern und drei Chören ans Werk (Karten im Stadttheater). Als Appetizer erklingen Auszüge aus dem Requiem an diesem Sonntag um 16 Uhr beim ökumenischen Gottesdienst in St. Michael.

Bereits diesen Samstag um 19.30 Uhr schlägt die Stunde für ein stilistisch vielfarbiges Orchesterkonzert, für das die FN-Geschäftsstelle (Schwabacher Straße 106, Tel. 2 16 27 77) Karten mit ZAC-Rabatt feilbietet. Clara Schumann & Friends vereint Orgel-, Klavier und Lied-Werke der Festival-Widmungsträgerin, außerdem das A-Dur-Concerto des großen Idols Johann Sebastian Bach, das Rezitativ "Jacob et Rachel" der Barockkomponistin Éliabeth Jacquet de La Guerre sowie das Andante espressivo für Klavier und Orchester von Franx Xaver Mozart, der Clara kannte. Zwei Orchesterlieder des Kulmbacher Komponisten Lorenz Trottmann (mit Texten von Michael Herrschel) erklingen als Uraufführungen.

Im Einsatz sind die von Bernd Müller dirigierten Mitglieder des Farrenc Orchesters, Sopranistin Laura Demjan - schon 2018 ließ die am Meininger Staatstheater wirkende Sängerin bei den Kirchenmusiktagen aufhorchen - , Michael Herrschel als Erzähler sowie am Klavier KMD Sirka Schwartz-Uppendieck. "Unter den Komponistinnen", sagt die in Frauenfragen höchst engagierte Musikerin, "liegt Clara Schumann für mich vorn". "Unheimlich akkurat" habe sie komponiert und genau gewusst, wie was zu spielen sei. Das Konzert in Auferstehung sei eine "intensive Beschäftigung mit Clara und ihren Freunden".

Günter Greb/ mab

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