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Eine solche leichte Zerrissenheit

Sascha Bancks und Makus Burkards tollkühne Bilderwelten im Stadttheater - 25.05.2015 12:00 Uhr

Reine Kunst ist ihnen nicht genug: Markus Burkard, Akademiestudent in der Klasse Fleck, und Sascha Banck, Fürths Kulturförderpreisträgerin 2008. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Sascha Banck ist eine Malerin, die sich sehr von Musik inspirieren lässt. In ihren Acryl-auf-Leinwand-Bildern gibt es immer wieder vertikale Linien, die aussehen, als ob sie von oben nach unten durch das Werk tröpfeln. Weiß man, dass die Künstlerin in Verbindung zu ihren Gemälden Lieder komponiert, dann könnte man diese Striche als Noten sehen oder als Klänge, die die Farben und Formen durchziehen.

Partikel-Vielzahl

Die komplexen abstrakten Gemälde mischen Lineares und Blockhaftes mit Schriftfragmenten. Banck versammelt eine Vielzahl an Formpartikeln, die sie derart verdichtet, dass sie den Blick des Betrachters verrutschen lassen. Die Abstraktion will eigentlich die größte Entfernung von der Realität, den Gegenpol zur Wirklichkeit. Das behaupteten jedenfalls Maler wie Malewitsch, Mondrian, Kandinsky und andere. Sie postulierten, ihre Werke hätten nichts mit wirklichen Objekten zu tun, ihr Abstraktionismus sei „pur und puristisch“, er bestehe nur aus Farbe. Das ist bei Bancks Abstraktion anders.

Alles ist bei ihr mit etwas anderem vermischt. Die sprühenden Farben kommen biologisch daher, weil nun mal jede Farbe Einfluss auf den menschlichen Körper hat, sie stellen theoretische Fragen, indem sie die Kunstgeschichte reflektieren, sie beschreiben auch Gefühle und Lebenssituationen. Manchmal begibt sich Banck ins Gesellschaftlich-Politische wie etwa mit dem Bild „König Tod feiert Krieg“, das sie anlässlich der eskalierenden Proteste in Kiew malte. „Reine“ Kunst ist der 34-Jährigen, die ihren Lebens- und Schaffensmittelpunkt in Fürth hat, also bei weitem nicht genug.

Bei Markus Burkard sind etwas konkretere Dinge wie Blumen, Äpfel und Personen zu entdecken, gerne auf einfarbigem Untergrund wie auf einem Tableau angeordnet und dadurch plastisch herausgehoben. Die organischen Formen vermitteln den Eindruck von Vitalität, Aktion, Bewegung. Sehr graziös und schwungvoll hat er dies in Öl auf Leinwand gestaltet.

Durch die heiteren, unbeschwerten Bewegungen seines Pinsels lässt der Nürnberger, Jahrgang 1983, den Betrachter an einen freien, unbekümmerten Tag denken. Poppig, knallig bunt und doch mit einer gewissen Zartheit geht der Student an der Nürnberger Kunstakademie — seit 2009 lernt er freie Malerei bei Ralph Fleck — vor. Das hat eine weibliche Anmutung und belegt, wie willkürlich solche Zuordnungen sind.

Während womöglich einige seiner Kommilitonen kantiger malen, zeigt Burkard Herz und Leichtigkeit. Besonders spannend sind seine Schwarz-Weiß-Ätzradierungen „Die Enden des Popdiskurses“, die an Röntgenaufnahmen erinnern. Auch das Stichwort Grabtuch blitzt auf. Eine rundum sehenswerte Ausstellung.

„Eine solche leichte Zerrissenheit“: Art-Agency Hammond im Stadttheater. Nach Vereinbarung unter Tel. 77 07 27. Bis 5. Juli. 

CLAUDIA SCHULLER

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