Einsatz für Nachhaltigkeit: 1. Zero Waste Festival

1.7.2019, 21:00 Uhr
Jede Menge Ideen wurden beim ersten Zero Waste Festival in Fürth ausgetauscht. Das reichte vom Verpackungen-Vermeiden – etwa mit Hilfe eines Unverpackt-Ladens – bis zum Strom-Sparen mit Hilfe eines Kochsacks. Dabei gart das Essen nach der Kochzeit auf dem Herd langsam durch die Eigenhitze im Stoffsack fertig. Ähnlich wie früher, als Familien den Topf ins Bett stellten.

Jede Menge Ideen wurden beim ersten Zero Waste Festival in Fürth ausgetauscht. Das reichte vom Verpackungen-Vermeiden – etwa mit Hilfe eines Unverpackt-Ladens – bis zum Strom-Sparen mit Hilfe eines Kochsacks. Dabei gart das Essen nach der Kochzeit auf dem Herd langsam durch die Eigenhitze im Stoffsack fertig. Ähnlich wie früher, als Familien den Topf ins Bett stellten. © Hans-Joachim Winckler

Ob es um Fridays For Future geht, das Volksbegehren Artenschutz oder Plastiktütchen in der Obstabteilung, für die Aldi einen Cent verlangen möchte: Es reden immer mehr Menschen über Umweltthemen, und immer mehr werden sensibilisiert dafür, was eine bewusstere Lebensweise ändern könnte. Doch noch ist es nur ein kleiner Teil von ihnen, der "wirklich aus der Komfortzone geht", wie Roland Mietke vom Nachhaltigkeitsverein Bluepingu beobachtet.

"Unsere Aufgabe ist es, die Bedenken aufzulösen, die Menschen zum Handeln zu bewegen", sagt er, der deshalb auch – wie die anderen Beteiligten – am Samstag seine Freizeit auf dem elan-Gelände an der Fürther Kapellenstraße verbrachte: beim Zero-Waste-Festival, das Bluepingu und elan zusammen veranstalteten. An den Ständen unter den schattenspendenden Bäumen waren unterschiedliche Initiativen vertreten, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen.

Sich umzustellen, sei nicht so schwer, wie viele es sich vorstellen, sagt Mietke. Anfangs fühle es sich nach Verzicht an. "Doch nach einer Zeit wird daraus Leichtigkeit." Man spüre dann nämlich auch die positiven Effekte. Etwa, dass Staus und die tägliche Parkplatzsuche der Vergangenheit angehören, wenn man sich gegen das Auto entscheidet.

Mietke und seine drei Mitstreiter waren am Stand der Zero-Waste-Gruppe von Bluepingu gefragte Gesprächspartner. Viele Menschen kamen, um sich darüber auszutauschen, wie man im Alltag Müll vermeiden kann. Die meisten von ihnen haben sich mit dem Thema schon beschäftigt. Das Publikum, das sich zum Festival aufmachte, sei "kein repräsentativer Schnitt" der Bevölkerung, bestätigt Mietke. "Dafür müsste man sich schon an einem Discounter aufstellen."

Wer kam, konnte auch mehr erfahren über die große Vision der Zero-Waste-Gruppe: Sie will Nürnberg zur "Zero-Waste-City" machen. Zu einer Stadt, in der nicht nur Privatleute, sondern auch Einrichtungen wie Kindergärten und Unternehmen so wenig Müll wie möglich verursachen und das, was anfällt, klug wiederverwerten.

Dazu gehöre auch die Frage, wie die Stadt mit den Müllbergen nach Rock im Park umgeht, so Mietke. Wenn Nürnberg Kulturhauptstadt werden möchte, müsse sie sich damit beschäftigen, meint er. 300 Tonnen Unrat blieben diesmal nach dem Festival liegen – mit einem sorgsam erarbeiteten Konzept werde sich die Menge deutlich reduzieren lassen. Nürnbergs zweiter Bürgermeister Christian Vogel und OB-Kandidat Thorsten Brehm sind Mietke zufolge bereits auf Bluepingu zugegangen.

An einem anderen Stand stellte sich derweil eine Initiative vor, die in Fürth einen "Unverpackt"-Laden schaffen möchte, wie es ihn etwa in Nürnberg schon gibt. Dafür, dass sich der Verpackungsmüll grundsätzlich reduziert, können Verbraucher aber in jedem Supermarkt und Discounter etwas tun, so Mietke: indem sie die Verpackung nicht erst zuhause entsorgen, sondern gleich im Laden, in den bereitstehenden Abfallbehältern. Wächst die Müllmenge, um die sie sich kümmern müssen, würden die Betriebe irgendwann reagieren.

Retter gesucht

Zufrieden mit der Resonanz beim Zero-Waste-Festival zeigen sich auch die Lebensmittelretter. Sie sorgen dafür, dass weniger Essen in der Tonne landet. 15 Lebensmittelgeschäfte in Fürth haben sie bereits als Partner gewonnen; dort holen sie ab, was aussortiert wird, etwa weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. An drei "Fairteiler"-Stellen in Fürth (am Haus der Diakonie in der Königswarterstraße, bei der Lebenshilfe und hinter der Heilig-Geist-Kirche) kann man die Waren kostenlos mitnehmen. 55 Abholungen pro Woche schaffen die Lebensmittelretter zurzeit, wie Koordinatorin Monika Schelenz erzählt. Gesucht werden Helfer – "wir haben noch Betriebe auf der Warteliste".

Was sie sich wünscht, ist, dass Läden gesetzlich verpflichtet würden, Lebensmittel, die noch gut sind, abzugeben – "egal, an welche Organisation". Das Essen, das die Retter beim Festival anboten, fand jedenfalls viele Abnehmer.

Alexandra Pashalidis von der Frauenwerkstatt engagiert sich dafür, auch Migrantenfamilien für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. 20 "ihrer" Frauen haben am Zero-Waste-Festival aktiv mitgewirkt und etwa gezeigt, wie man aus Resten Pesto, Brotchips oder Quiche macht oder wie man Essen in einem "Kochsack" (oder im Schlafsack) fertig gart – um Strom zu sparen.

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