Einzigartige Aktion: Tierische Besucher im Großhabersdorfer Kino

Sabine Dietz
Sabine Dietz

Lokalredaktion Fürth

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4.12.2020, 16:00 Uhr
90 Teddybären besetzen dieser Tage den Saal der Lichtspiele in Großhabersdorf: Gegen eine Spende von 50 Euro suchen sie ein Zuhause. Sie sind sehr gefragt: Mittlerweile sind die meisten weg.

90 Teddybären besetzen dieser Tage den Saal der Lichtspiele in Großhabersdorf: Gegen eine Spende von 50 Euro suchen sie ein Zuhause. Sie sind sehr gefragt: Mittlerweile sind die meisten weg. © Foto: Lichspiele Großhabersdorf

90 Teddybären, etwa einen Meter groß, haben im Kino Platz genommen und damit alle Sessel belegt. "Ein tolles Gefühl" sei es, "wenn der Saal ausgebucht ist", schreibt der leidenschaftliche Kinobetreiber Bernd Jordan auf der Internetseite des letzten Dorfkinos, das sich in der Region gehalten hat.

Und dabei kann es einmal mehr auf seine Kundschaft zählen: Die Bären – "kuschelig und stubenrein" – werden gegen eine Spende von 50 Euro abgegeben. Es gilt das Windhundprinzip, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Allerdings waren, kaum dass die Aktion angelaufen war, nur noch wenige Teddys zu haben. Dazu gibt es eine Freikarte für den Kinobesuch, einzulösen, sobald die Lichtspiele wieder öffnen dürfen. Zwei weitere Aktionen bis Weihnachten sind noch geplant, was genau, darüber schweigt sich Jordan allerdings aus.

Vor gut einer Woche, als die Großhabersdorfer Kinomacher auf ein Sonderangebot in einem Großmarkt stießen, reifte die Idee für die Aktion in der Familie Jordan. Bei einer Abnahmemenge von hundert Stück konnte Jordan noch einen weiteren Nachlass heraushandeln, allzu viel an Spendengeldern bleibe trotzdem nicht, sagt er.

"Uns geht es mehr darum, auf die Situation der Kinos aufmerksam zu machen und im Gespräch zu bleiben." Er beobachtet ohnehin, dass die Spender gar nicht unbedingt auf einen Bären aus seien, der womöglich zuhause doch nur Staub ansetzt. "Unsere Kunden wollen uns unterstützen, sie tragen unsere Aktion weiter, so bleiben wir in den Köpfen."

Das sei umso wichtiger, als im Lockdown stets nur von den Problemen der Gastronomie oder der Fitness-Center die Rede sei, wie er findet. Um Ideen, in der Corona-Krise von sich reden zu machen, waren die Lichtspiele auch bisher nicht verlegen: Bereits im Mai startete Jordan eine Crowdfunding-Aktion für Spenden, um zumindest die Fixkosten im ersten Lockdown bestreiten zu können. Innerhalb von nur 52 Stunden hatte er die erhoffte Spendensumme von 10.000 Euro beisammen, und es wurde sogar noch etwas mehr.

Kino im Freien und im Zelt

Nachdem die Kinosäle Mitte Juni unter strengen Auflagen und mit Abstandsregeln im Zuschauerraum wieder öffnen konnten, verlegte Jordan die Filmvorführungen ins Freie. Ab Oktober dann haben die Großhabersdorfer Lichtspiele mit einem Caterer und einem Zeltverleih aus Roßtal das Event-Kino-Zelt auf dem dortigen früheren Tuspo-Gelände auf die Beine gestellt.

"Nur bis es richtig an- und dann auch gut gelaufen ist, kam der zweite Lockdown und so war wieder Schluss", berichtet Jordan. Vergangenes Wochenende wurden die Zeltplanen eingerollt. Richtig hängengeblieben ist in keinem Fall etwas. Dass das kleine Filmtheater bislang trotzdem einigermaßen durch die Pandemie gekommen ist, führt Jordan darauf zurück, "dass wir so viele tolle Gäste haben, die uns unterstützen und das nicht nur über Spenden, sondern auch moralisch". Wahnsinn sei es, was die Familie an Zuspruch per Mail oder Brief erreiche.


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Jordan dankt es mit der Zusicherung, sich nicht unterkriegen zu lassen. "Wir stecken den Kopf bestimmt nicht in den Sand." Für ihn sei das Kino kein Job, sondern Lebensphilosophie, auch wenn derzeit die Streaming-Dienste den Kinobetreibern das Leben schwer machten. Totgesagt werde das Filmtheater seit Jahrzehnten, so Jordan. "Aber Kino wird bleiben, auch trotz Corona. Diese spezielle Atmosphäre kriegt man zu Hause einfach nicht her."

Bei Interesse: Telefon (0 91 05) 99 06 42 (Anrufbeantworter) oder lichtspiele_grosshabersdorf@yahoo.de

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