Entschieden: Fürths Lokschuppen wird zum Kulturort

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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5.8.2021, 06:00 Uhr
„Ein ganz bedeutendes Denkmal“: Der Lokschuppen aus dem Jahr 1860 befindet sich in einem bedauernswerten Zustand. Die Bahn-Tochter Aurelis wollte ihn abreißen lassen. 2016 versprach P & P, ihn zu sanieren. Bislang gibt es nur eine Notsicherung.

© Foto: Tim Händel „Ein ganz bedeutendes Denkmal“: Der Lokschuppen aus dem Jahr 1860 befindet sich in einem bedauernswerten Zustand. Die Bahn-Tochter Aurelis wollte ihn abreißen lassen. 2016 versprach P & P, ihn zu sanieren. Bislang gibt es nur eine Notsicherung.

SPD-Stadtrat Benedikt Döhla wird im Oktober Nachfolger von Fürths amtierender Sozial- und Kulturreferentin Elisabeth Reichert. Unter seiner Regie soll ein generationenübergreifendes Nutzungskonzept für den seit langem leer stehenden Lokschuppen erarbeitet werden, den P & P als Besitzer voraussichtlich ab dem Frühjahr 2023 sanieren und die Stadt anmieten will.

Hier sollen der Seniorenrat (für Tanztee), die freie Theaterszene und Gruppen aus der Kofferfabrik Raum bekommen, ebenso wie die Jugend- und Subkultur; 199 Gäste könnte der Saal fassen. Den Vorschlag aus dem Rathaus hat der Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause einstimmig abgesegnet.

Der Verein Soziokultur, der aus der Aktion Protestgarten hervorging, hofft, im weiteren Prozess eine wichtige Rolle spielen zu können. Er hatte in letzter Minute die Hand gehoben, um doch noch in den Lokschuppen einziehen zu können.

Zur Erinnerung: Seit 2018 engagieren sich die jungen Fürtherinnen und Fürther, die sich in dem Verein zusammengeschlossen haben, für die Schaffung eines selbstverwalteten, soziokulturellen Zentrums mit einem vielfältigen, unkommerziellen Programm. Musiker und andere Kreative sollen hier niederschwellig Raum für Auftritte und Veranstaltungen bekommen, gerade jüngere Menschen sollen sich in einem diskriminierungsfreien Umfeld entfalten und das Zentrum mitgestalten können. Vorbilder sind unter anderem die Nürnberger Desi oder der Z-Bau.

Die Mitglieder des Vereins Soziokultur hatten, unterstützt vom Oberbürgermeister, in den vergangenen Jahren gehofft, ihren Traum im Lokschuppen verwirklichen zu können – bis ein Lärmschutzgutachten die Pläne durchkreuzte. Der Knackpunkt: Das Gutachten zeigte, dass Veranstaltungen mit Blick auf die Anwohner in der Regel um 23 Uhr beendet sein müssen. Das Konzept des Vereins sah Veranstaltungen bis 5 Uhr vor.

Das Aus und die Wendung

OB Thomas Jung verkündete daher bereits das Aus für das Projekt an dieser Stelle und präsentierte kürzlich, während nach einem anderen Standort für die Jugend gesucht wurde, die neuen Pläne für das Bahndenkmal: Es sollte ebenfalls soziokulturell genutzt werden, von allen Generationen. Der Veranstaltungsbetrieb soll um 23 Uhr enden, mit zehn Ausnahme-Terminen im Jahr über 23 Uhr hinaus. Langfristig, so Jung, könnte der Lokschuppen auch zum Ersatz für die Kofferfabrik werden. Nach den Turbulenzen um den Mietvertrag müsse man damit rechnen, dass Fürth das Kulturzentrum an der Langen Straße in ein paar Jahren verliert.

Vor der Stadtratssitzung nun gab es die nächste Wendung: Der Verein Soziokultur rückte von seiner Forderung nach Öffnungszeiten bis tief in die Nacht hinein ab. Einen Ort im Stadtkern zu finden, der alle Vorstellungen erfüllt, scheine unmöglich, erklärte die Gruppe und bot an, die Verwaltung des künftigen Zentrums im Lokschuppen zu übernehmen. Auch das eigene Konzept sei generationenübergreifend gewesen.

Bei der Abstimmung im Stadtrat ging es also um das gesamte Paket. Er freue sich, wenn der Verein Soziokultur hier aktiv werden kann, betonte Jung, dafür habe er sich lange persönlich engagiert. "Es muss aber sichergestellt sein, dass auch andere Platz bekommen." Das Kulturreferat werde die künftigen Nutzergruppen bei der Planung einbinden. Ans Gremium gewandt sagte Jung zudem: "Wir sind uns alle einig: Es handelt sich um ein ganz bedeutendes Denkmal, das erhalten werden muss." Und das gehe am besten, wenn es genutzt wird.

Die Grünen sprachen sich dafür aus, die Verwaltung in die Hände von Soziokultur zu legen. Dem Abgesang auf die "Koffer" aber wolle man sich noch nicht anschließen, sagte Grünen-Stadtrat Felix Geismann. Die Stadt sollte alles dafür tun, dass sie solche Orte nicht aufgibt; es fehle an Räumen für Kultur. Mit den aktuellen Plänen jedenfalls verbaue man sich keine Perspektiven, so Geismann. Vielleicht finde sich im Lauf der Zeit doch ein Ort, der den Soziokultur-Mitgliedern längere Öffnungszeiten ermöglicht; dann wäre der Lokschuppen frei, sollte die "Koffer" tatsächlich verlorengehen.

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