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Samstag, 20.04.2019

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Erinnerung an die Vertreibung ausgelöscht

Großes Wandbild fiel der Renovierung eines Wohnhauses in der Südstadt zum Opfer - 23.08.2007

Vorher - nachher: Mit einem großen Wandbild hatten die Fürther Künstler Georg Weidenbacher und Hans Langhoyer die Vertreibung thematisiert. Bei der Fassadenrenovierung verschwand das Sgraffito spurlos. © Mayer


Fürths Stadtheimatpfleger Alexander Mayer ist entsetzt, hat jedoch keine Handhabe, da das Gebäude samt Kunstwerk an der Giebelfront nicht unter Denkmalschutz steht. Der Geschäftsführer der Baugenossenschaft, Siegfried Ellmann, hält dagegen: Wir sind vom Gesetzgeber angehalten, bei Renovierungen zur Energieeinsparung für Wärmedämmung zu sorgen. Unter dieser Auflage habe man das von Georg Weidenbacher und Hans Langhoyer geschaffene Kunstwerk nicht erhalten können.

Von innen lasse sich die Giebelseite nicht wirksam dämmen. Über den Wert des in den ursprünglichen Putz geritzten Bildes (Sgraffito) mit Motiven der Vertreibung und Ankunft in der neuen Heimat ließe sich zudem streiten. Ellmann meint, dass das Verschwinden des Kunstwerks außer dem Heimatpfleger überhaupt niemandem aufgefallen sei, beschwert habe sich jedenfalls kein weiterer bei ihm.

Nicht begeistert über das Verschwinden der Erinnerung an die Vertreibung ist jedoch die ganz in der Nähe wohnende Kreisgeschäftsführerin des Sozialverbandes VdK, Agathe Krämer. Schließlich hätten gerade in der Fürther Südstadt viele Vertriebene eine neue Heimat gefunden. Damit das Thema nicht in Vergessenheit gerate, müsse es gerade der jungen Generation immer wieder vor Augen geführt werden. Aus dem Blickfeld der Publikumsströme wurde bereits die an die Kriegsgefangenen erinnernde Sgraffito-Säule des Pavillons der Adenaueranlage gerückt. Bei der Generalsanierung der Grünanlage verfrachtete man das vom Fürther Künstler Karl Dörrfuß geschaffene Werk kurzerhand an den Rand des Rosengartens im Stadtpark. Der Stadtheimatpfleger hofft, dass zumindest bei künftigen Altbausanierungen mit Kunstwerken aus der Nachkriegszeit sensibler umgegangen wird. VOLKER DITTMAR 

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