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Es bleibt spannend: Was wird aus dem Waldheim Sonnenland?

Das Wohnbauprojekt der WBG konkurriert mit anderen Ideen für den Standort - 01.07.2020 15:00 Uhr

Die Gebäude des früheren Waldheims Sonnenland sollen sich nach dem Willen der WBG in Eigentumswohnungen verwandeln. Naturschützer sind wegen der Lage im Stadtwald alarmiert.

© Foto: Hans-Joachim Winckler


Es ist ein Vorhaben mit reichlich umweltpolitischem Zündstoff: Die WBG der Stadt Fürth will das ehemalige Waldheim Sonnenland in Eigentumswohnungen umbauen – umgeben von Bäumen des Stadtwalds. Die Meinungen dazu gehen sowohl in der Bürgerschaft als auch in der Kommunalpolitik teils weit auseinander.


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In seiner jüngsten Sitzung hat sich nun der Umweltausschuss mit der naturschutzrechtlichen Bewertung des Vorhabens auseinandergesetzt. Auf eine Grundsatzdiskussion verzichteten die Lokalpolitiker – und folgten damit Bürgermeister Markus Braun (SPD), der dringend darum gebeten hatte, im Fachausschuss "nicht über die künftige Nutzung, sondern nur über die Aspekte des Naturschutzes zu reden".

Die Entscheidung, was mit der seit Jahren leerstehenden Immobilie mitten im Wald geschehen soll, bleibt letztendlich dem Stadtrat vorbehalten. Zur Beruhigung von WBG-Geschäftsführer Rolf Perlhofer, der gemeinsam mit Landschaftsplaner Bernhard Walk Projekt und Gutachten vorstellte, stellte sich der Umweltausschuss nicht vollends quer: Letztlich gab es ein einstimmiges Votum für einen Antrag der Grünen, der vorerst weder den WBG-Plänen noch einer anderweitigen Nutzung den Weg versperrt.

Um mehr Klarheit zu schaffen, soll die Stadtverwaltung darüber Auskunft geben, welche Anfragen bisher "für eine soziale oder kulturelle Nutzung" eingegangen sind. Zudem soll geklärt werden, ob das Anwesen überhaupt als Standort etwa "für die Montessori-Schule, eine Umweltstation, ein Schullandheim oder eine andere Einrichtung mit sozialem Charakter in Frage kommt".

Baumfällungen wären auf jeden Fall nötig

Doch egal, was aus dem Waldheim wird, offenkundig ist: Eingriffe und Ausgleichsmaßnahmen wären auf jeden Fall nötig – selbst bei einem Abriss, wie Rechtsreferent Mathias Kreitinger sagt. Für das WBG-Projekt müssten 22 Bäume gefällt werden, so Landschaftsplaner Walk. 18, um Raum für die Baumaßnahmen zu schaffen, und vier wegen der geforderten Umsiedlung einer hier vorhandenen Eidechsen-Population.

Zwar befindet sich das fragliche Grundstück weder in einem Landschaftsschutz- noch in einem sogenannten FFH-Gebiet, das besonderen Wert für die Umwelt hat – es wird allerdings vollständig von diesen umschlossen. Dennoch seien für die Fauna "keine Beeinträchtigungen erkennbar", so Walk. Bei der Analyse vor Ort sind seinen Worten zufolge 30 Vogel- und sieben Fledermausarten gezählt worden.


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Setze man das Projekt wie geplant um, werde die bestehende Versiegelung des Erdreichs sogar geringfügig reduziert – weil nach dem Abbruch des ehemaligen Hausmeister-Domizils und der teilweisen Umwandlung dieser Fläche in Carports 258 Quadratmeter weniger bebaut wären. "Insgesamt erreichen wir also eine schwarze Null", rechnet Walk vor.

Man behalte das Heft des Handelns weiter in der Hand, betonte Fürths neuer dritter Bürgermeister Dietmar Helm (CSU) – und trat damit Spekulationen entgegen: So sei die bereits laufende Werbung der WBG für die Eigentumswohnungen im Wald zwar "top gemacht, sie erweckt aber den falschen Eindruck, dass alle nötigen Entscheidungen bereits gefallen sind", kritisiert Helm.

Es bleibt also spannend – mindestens bis zur nächsten Stadtratssitzung in drei Wochen.

Armin Leberzammer

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