"Es gab keinen Totalveriss"

20.6.2018, 14:00 Uhr
Die Nachwuchskritiker im Theater: (hintere Reihe von links) Rachel Raber, Nadine Deme, Sabrina Thurn, Carina Ehrmann, und Sophia Stoll sowie (vordere Reihe von links) Anna Keller, Jana Freitag und Paul Medla.

Die Nachwuchskritiker im Theater: (hintere Reihe von links) Rachel Raber, Nadine Deme, Sabrina Thurn, Carina Ehrmann, und Sophia Stoll sowie (vordere Reihe von links) Anna Keller, Jana Freitag und Paul Medla. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Natürlich haben sie alle schon ungezählte Aufsätze geschrieben. "Aber", sagt Jana Freitag (16), "das ist etwas komplett anderes, denn bei einer Theaterkritik sollen wir ja eine eigene Meinung vertreten." Und das ist gar nicht so einfach, wie es vielleicht klingt. "Ich finde es ziemlich schwierig, Leute zu kritisieren", überlegt Carina Ehrmann (17). Der 15-jährige Paul Medla stimmt ihr zu, er weiß, wie sich ein harsches Urteil nach einem Auftritt anfühlt: "Einer aus der vierten Klasse hat mich wüst beschimpft, als ich damals beim Krippenspiel mitgemacht habe. Das ist mir lange nachgegangen."

Zwischen 15 und 18 sind die Mädchen und Jungen, die sich unter der Leitung des Theaterpädagogen Johannes Beissel während der Bayerischen Theatertage zu einer Kritiker-Gruppe zusammengeschlossen haben. Sie verbindet eine große Begeisterung für alles, was auf der Bühne passiert. Viele spielen selbst. Sabrina Thurn (17) etwa engagiert sich bei der Bühne Erholung und im Theaterkurs in der Schule. Sie hat sich zum Beispiel "Luegen", eine Inszenierung der Münchner Kammerspiele für eine hörende und eine gehörlose Schauspielerin, angeschaut und einen wesentlichen Kritikpunkt gefunden: "Die Aufführung ist für einen kleineren Raum konzipiert worden, deshalb war es im Stadttheater für das nicht-hörende Publikum nicht immer möglich, die Gebärdensprache richtig zu erkennen."

Vor dem Start ins Kritikerleben gab es für alle Teilnehmer einen Workshop mit einem Profi. Matthias Boll, Kulturredakteur der Fürther Nachrichten, erklärte Techniken und Spielregeln. Anna Keller (17) erinnert sich: "Wir haben dabei unter anderem gehört, dass man in so einem Text auch Sarkasmus und Ironie verwenden darf." Kurz vor dem Finale der Theatertage fasst Anna schon jetzt zusammen: "Insgesamt ist dieses Festival toll, wir haben alle durchweg gute Kritiken geschrieben. Es gab keinen Totalverriss."

Einiges gelernt, sagen die Schülerinnen und Schüler, haben sie über die Möglichkeiten, sich mit einer Aufführung auseinanderzusetzen. Und sie wissen jetzt: "Das ist auch eine Sache der Übung." Carina Ehrmann und Sophia Stoll (17) haben erfahren, dass es sich gemeinsam am besten kritisiert: "Wenn zwei Köpfe über einen Satz nachdenken, kommt was dabei raus."

ZNachzulesen sind die Texte unter https://blog.stadttheater.de/2018/06

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