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Samstag, 22.02.2020

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Experten setzen auf den Hoffnungsträger Eiche

Im Puschendorfer Wald erläuterten Experten die Vorzüge der Baumart, die dem Klimawandel trotzt - 09.02.2020 21:00 Uhr

Für diese junge Eiche – der Durchmesser darf bei bis zu 60 Zentimetern liegen – gibt es Fördermittel von der EU, wenn sie zwölf Jahre nicht gefällt und verwertet wird. © Foto: Ralf Jakob


Im Fokus stand ein ganz bestimmter Baum: die Eiche als "Hoffnungsträger im Klimawandel". Vielerorts arbeiten Förster und Waldbesitzer derzeit mit Hochdruck daran, "unsere klimaempfindlichen Kiefernwälder in stabile und artenreiche Mischwälder umzubauen", wie Pröbstle erklärte.

Die Eiche, das betonte Bürgermeister Wolfgang Kistner, ist seit jeher in den Wäldern rund um die Gemeinde im Landkreisnorden anzutreffen. Deswegen ist das Eichenblatt zum Bestandteil des Puschendorfer Gemeindewappens geworden. In den rund 76 Hektar Waldflächen im Gemeindegebiet gibt es zwar keine ausgesprochenen Eichenwälder, wie man sie in anderen Gegenden Bayerns durchaus vorfinden kann. Das Eichenholz spielt aber im gesamten Landkreis Fürth eine wichtige Rolle. Beleg dafür sei, dass es in den ältesten Gebäuden verbaut sei, so Dießl.

Die Experten vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bezeichnen die Baumart mittlerweile als "wahres Juwel für den Naturschutz". Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sie auch noch in 100 Jahren den Waldbauern und Erholungsuchenden zur Verfügung stehen wird.

Neben den sich verändernden Klimabedingungen können auch Stürme der Eiche aufgrund ihres stabilen, tief reichenden Wurzelsystems kaum etwas anhaben. Zunehmende Temperaturen begünstigen allerdings ihre Schädlinge: Eichenprozessionsspinner, Eichenwickler und Schwammspinner. Forstdirektor Pröbstle zeigte sich jedoch voller Zuversicht, dass man in diesem Jahr im Landkreis ohne eine großflächige Ausbringung des natürlichen Insektizids "Bacillus thuringiensis" mittels Helikopter auskommen werde.

Beliebt bei vielen Tieren

Mit gut gewachsenen Eichen lassen sich nach wie vor auf dem Holz- und Möbelmarkt Spitzenpreise erzielen, sagte Alexander Rößler von der Forstbetriebsgemeinschaft Ansbach-Fürth (FBG). Anders als bei den meisten Nadelhölzern ist der Preis für Eichenholz stabil geblieben. Auch die schlechteren Stämme seien noch verwertbar, entweder als Stickelholz für Zäune oder als Brennholz.

Den großen Wert des Baumes für den Waldnaturschutz strich Revierförster Raymund Filmer heraus. So habe sich gezeigt, dass über 1000 Insektenarten auf einer Eiche leben und 100 Schmetterlingsarten auf diese Bäume angewiesen sind. Die zumeist vom Buntspecht geschaffenen Groß- und Kleinhöhlen werden später von vielen Tieren weiter benutzt, wie etwa vom Mittelspecht, vom Siebenschläfer und von Singvögeln.

Die Waldbesitzer können beim Erhalt von ökologisch wertvollen Eichen auf Unterstützung durch das bayerische Vertragsnaturschutzprogramm Wald, gefördert mit EU-Mitteln, zählen. 125 Euro für eine Eiche mit einem Brusthöhendurchmesser bis 60 Zentimetern erhalte der Waldbauer, wenn er sie für einen Zeitraum von zwölf Jahren nicht nutzt, erläuterte Dagmar Nitsche von der Naturschutzbehörde im Landratsamt. Wegen der ausgesprochenen Langlebigkeit des Holzes bei der Verwendung als Parkett-, Treppen-, Türen- und Möbelholz ist dieser Baum auch ein ausgezeichneter CO2-Speicher.

Ralf Jakob

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