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Faschingsbegeisterung hat stark nachgelassen

Nur noch wenige Besucher beim Faschingsrummel auf der Fürther Freiheit: Miniatur-Volksfest vor dem Aus - 16.02.2010

Prinzessin Nicole und Prinz Bernd I. lächeln zwar tapfer, aber auch das närrische Paar der CFK konnte im Festzelt des Fürther Faschingsrummels keinen übermäßigen Andrang herbeizaubern. © Mark Johnston


«Wir haben in den letzten Tagen auf der Freiheit vor fast leerem Zelt gespielt», berichtet Claudia Blumenstetter, Vorsitzende der «Großen Karnevalsgesellschaft Fürther Kleeblatt 1912» (CFK). Ein wenig gebessert habe sich das öde Bild nur am Sonntagnachmittag, als nach dem Karnevalsumzug in Nürnberg und dem Fußballspiel zwischen der Spielvereinigung und 1860 München einige Münchner Fans ins Festzelt strömten und so die Zuschauerzahl deutlich erhöhten. «Viel mehr als 60 Leute waren das aber trotzdem nicht», schätzt Blumenstetter, der die oft zum Däumchendrehen verurteilten Händler und Schausteller leid tun: «Schade um den Aufwand, der hier getrieben wird.»

Eher lauer Zuspruch

Um die Organisation des Faschingsrummels kümmert sich seit Jahren der Bayerische Landesverband der Marktkaufleute und der Schausteller (BLV) mit Hauptsitz in München. Der Fürther Mitorganisator Karl-Heinz Grauberger bestätigt den eher lauen Zuspruch beim Faschingsrummel, wundert sich aber nicht sonderlich darüber: «Dass bei der Kälte und dem Schneewetter so wenig los ist, ist an sich normal», sagt Grauberger. Auch in der letzten Woche des Fürther Weihnachtsmarktes habe die Witterung die Umsätze der Schausteller und Händler zum Teil ziemlich verhagelt. «In diesem Winter gab es einfach zu viel Schnee», erklärt Grauberger.

Zudem sei die Region «nicht mehr so faschingsbegeistert» wie noch vor ein paar Jahren. So bleiben die Menschen bei harten Minusgraden auch zum Höhepunkt der «tollen Tage» lieber zu Hause, statt sich im Budendorf zu vergnügen.

Aus diesem Grund denken Aktive wie Grauberger inzwischen laut darüber nach, das Miniatur-Volksfest namens Faschingsrummel mittelfristig sogar sterben zu lassen. 2011 will es Grauberger allerdings «ziemlich sicher» noch einmal versuchen. «Da findet der Fasching erst im Monat März statt, wenn es vielleicht schon ein bisschen wärmer ist und weniger Schnee hat», kündigt er an - und fügt hinzu: «Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.»

Eduard Wentzl, erster Vorstand der BLV-Bezirksstelle Fürth, bestätigt die - vom «übelsten Wetter seit 20 Jahren» beförderte - negative Tendenz. «Es geht in Richtung ,aufhören’», stellt Wentzl fest.

Die Umsätze seien im Vergleich zu 2009 um rund 60 Prozent eingebrochen, weshalb sich immer lauter die Frage der Wirtschaftlichkeit stelle. Und das, obwohl die Faschings-Aktivitäten mit günstigen Standmieten und Nachlässen beim Stromanschluss gefördert werden.

Eduard Wentzl lobt das Engagement der Fürther Faschingsgesellschaften, die sich nicht zu schade waren, auch vor praktisch leerem Festzelt aufzutreten, und spricht von «bewundernswertem Ehrgeiz und Engagement.» Fürth sei im Städtekleeblatt die einzig verbliebene Großstadt, in der es noch einen Faschings-Jahrmarkt gibt: «Nürnberg und Erlangen haben schon vor Jahren damit aufgehört, wir sind die eisernen Letzten», so Wentzl hörbar ironisch.

Deren Einsatz wurde am gestrigen Rosenmontagsnachmittag mit Besucherströmen honoriert, die stärker ausfielen als am Wochenende. Als die Spiegelgarde der CFK ihren Showtanz zeigte, war das Festzelt sogar einigermaßen voll. «An einer 50 Jahre alten Veranstaltung hängt man schon ein wenig», sagt Karl-Heinz Grauberger. Die endgültige Entscheidung über das Fortbestehen des Faschingsrummels soll nach einer Umfrage unter allen Beteiligten fallen.

Hans von Draminski

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