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Feuer unterm Dach

Allgemeines Entsetzen über Galerieschließungsplan - 01.11.2010 22:00 Uhr

Klein, aber oho: Die Fürther Kunstgalerie hat mit Projekten, wie hier eine Auseinandersetzung von 50 Künstlern aus 25 Ländern mit dem Mythos des Banyan-Baumes, hohes Ansehen in der Region erworben.

© Hans-Joachim Winckler


Im Januar erst hatten die Gesellschaft der Fürther Kunstfreunde, der Kulturring C der bildenden Künstler, Galerie-Beirat und Galerie-Förderkreis an den Stadtrat appelliert, von Sparmaßnahmen an der kleinsten kommunalen Galerie Deutschlands abzusehen. Ohnehin ist die Zahl der Ausstellungen bereits reduziert worden und ab November bleibt die Galerie außer montags auch dienstags geschlossen.

Von einem Kahlschlag, der dem Ansehen der Stadt insgesamt schadet, spricht die Kulturreferentin der Bezirksregierung, Andrea Kluxen. Da die Prognosen für Fürth nicht schlecht seien, solle sich die Stadt ein Beispiel an Nürnberg nehmen und ihre kulturellen Errungenschaften über die momentan schwierige Zeit hinwegretten. Kluxen: „Wir müssen doch für die Zukunft gerüstet sein.“

Für Galeriebeiratssprecher Klaus Schicker, zugleich Botschafter der Kulturstiftung Fürth und Repräsentant der Fürther Gesellschaft der Kunstfreunde, steht die Frucht eines jahrzehntelangen Bemühens auf dem Spiel: „Ist die Galerie erst einmal geschlossen, könnte es erneut Jahrzehnte dauern, bis so eine Einrichtung wieder zur Verfügung steht.“ Unverständlich ist der Sparvorschlag in Schickers Augen, weil die Galerie hervorragende kunstpädagogische Arbeit mit Kindern leiste. Fast jeder Vormittag sei ausgebucht.

"Unredlicher Plan"

Ein wenig unredlich sei die Schließungsabsicht nach erst achtjährigem Betrieb obendrein im Hinblick auf die für die Dauer von 20 Jahren gewährte EU-Förderung aus dem Programm Soziale Stadt. Eine Galerieschließung wäre in den Augen von Werner Müller, Intendant des Fürther Stadttheaters, „mehr als unglücklich“. Auch er glaubt nicht daran, dass die Einrichtung so ohne weiteres wieder geöffnet wird, wenn es der Stadt besser geht.

Ein Pfund, mit dem Fürth wuchern kann, ist für den Theaterchef vor allem der gute Ruf, den Galerieleiter Hans-Peter Miksch mit seinem bescheidenen, immer wieder gekürzten Etat erarbeitet hat. Als Kultureinrichtung für eine Stadt von der Größenordnung Fürths sei eine kommunale Kunstgalerie unverzichtbar.

Mit Besorgnis wird der Vorstoß zur Galerieschließung auch in der Fürther Wirtschaft aufgenommen. Es wird befürchtet, dass Fürths Ruf als florierendes Kunstquartier Schaden nimmt. Für die wirtschaftlichen Zwänge hat Autohauschef Bernd Pillenstein durchaus Verständnis. Er hofft aber, dass eine Initiative die Galerie rettet. Dabei kann er sich auch eine Beteiligung weiterer Träger in Form einer Genossenschaft vorstellen. Wichtig wäre aber, dass die Stadt mitziehe.

Über die Gründe des Vorstoßes der Stadtspitze rätselt der Fürther Kulturpreisträger Oliver Boberg: „Ist es nur kulturelles Unverständnis und Unkenntnis der Breitenwirkung?“, fragt er. Für ihn gehört die Kunstgalerie zur Grundversorgung. Schließlich handle es sich um die einzige kommunale Einrichtung zur Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Und das gelinge überaus erfolgreich. Keinen Sinn sieht Boberg darin, erst der Stadt ein kulturelles Gesicht zu geben und es dann wieder zu zerstören. Zumal es bei 160000 Euro jährlich im Vergleich zum Mitteleinsatz für das neue Stadtmuseum um keinen bedeutenden Sparbetrag geht.

Zutiefst deprimiert reagiert das ebenfalls mit dem Fürther Kulturpreis ausgezeichnete Künstlerpaar Atsuko und Kunihiko Kato auf den Schließungsvorschlag des OB. Dem mühsam aufgebauten kulturellen Image der Stadt droht in ihren Augen schwerer Schaden. „Die Kunst ist seelische Nahrung. Gerade heute brauchen die Menschen diese umso mehr“, sagt die Malerin Atsuko Kato.

VOLKER DITTMAR

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